Vatikanische Familienumfrage – die Ergebnisse

Der Vatikan hatte am 5. November 2013 zur Vorbereitung auf die Bischofssynode im Oktober 2014 einen Fragenkatalog zum Thema Familie, Ehe und Sexualität an die Ortskirchen aller Länder der Welt versandt. Nun liegen die Ergebnisse vor, und die folgende Zusammenstellung basiert auf Meldungen von kathpress, kath.net und dem ORF.

Die 39 Fragen richteten sich zunächst an die Bischöfe, diese wurden aber aufgefordert, die Fragen an die Kirchenbasis weiterzugeben. In der Folge luden alle österreichischen Diözesen die Gläubigen dazu ein, ihre Antworten zum Fragenbogen via E-Mail und Internet oder in Papierform einzusenden.

Insgesamt füllten laut kathpress mehr als 34.000 Menschen den Fragebogen aus, der vom Vatikan als Vorbereitung einer Sonderbischofssynode zum Thema Familie im Herbst veröffentlicht wurde. Die Beteiligung in den einzelnen Diözesen schwankte allerdings stark. So kamen aus der Diözese Graz-Seckau rund 14.000 Antworten auf einen vereinfachten Online-Fragebogen, aus der Diözese St. Pölten rund 150. Grund dafür dürfte sein, dass einige Diözesen einen vereinfachten Fragebogen online stellten und auf unterschiedlichen Wegen verbreiteten. Andere begnügten sich mit dem Originaldokument.

…Graz: Ein Fünftel der Befragten lebt ganz nach der Lehre der Kirche

Als „großen Erfolg“ wertete am Dienstag die Diözese Graz-Seckau die hohe Beteiligung in der Steiermark an der Umfrage. Mit einem Rücklauf von 14.221 ausgefüllten Fragebögen steht Graz-Seckau österreichweit an erster Stelle.

In einer Aussendung gab die Diözese auch einige genaue steirische Auswertungsergebnisse an: 96 Prozent sprachen sich dafür aus, dass geschiedene Personen, die wieder geheiratet haben, die Sakramente der Eucharistie (Kommunion) und auch der Versöhnung (Beichte) empfangen dürfen; 4 Prozent waren dagegen.

Die Frage „Teilen Sie die ablehnende Einstellung der katholischen Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen eingetragenen Partnerschaften?“ beantworteten 29 Prozent mit „Ja“, 71 Prozent mit „Nein“. 95 Prozent sprachen sich dafür aus, dass die Kirche die Verwendung von hormonellen Methoden der Empfängnisverhütung oder Kondomen akzeptieren soll, 5 Prozent waren dagegen.

Die Frage „Soweit mir die Lehre der Kirche bekannt ist, lebe ich nach ihr“ beantworteten 68 Prozent mit „teilweise“, 21 Prozent mit „Ja, ganz“, und 11 Prozent mit „Nein“.

Zur Frage „Pflegen Sie in ihrer Familie Formen des gemeinsamen Gebets, die Sie als passend und bereichernd empfinden?“ gab es 56 Prozent Zustimmung, 44 Prozent antworteten mit „Nein“.

Die Frage „Wäre es Ihnen oder ist es Ihnen wichtig, den (katholischen/christlichen) Glauben an Ihre Kinder weiterzugeben?“ beantworteten 89 Prozent mit „Ja“, 11 Prozent mit „Nein“.

…Innsbruck: Wie wichtig sind uns Familien wirklich?

In der Diözese Innsbruck sind 5.092 Erhebungsbögen eingelangt. Erste Auswertungsergebnisse zeigen, dass für die Befragten die christliche Botschaft der Nächstenliebe und Barmherzigkeit sehr und deren Weitergabe an die Kinder sehr bedeutsam sei, so die Diözese in einer Aussendung am Dienstag.

Bei der Frage, wer bei Beziehungsschwierigkeiten hilfreich sei, habe aber nur etwa jeder Fünfte Seelsorger oder kirchliche Familienstellen angegeben. Bischof Manfred Scheuer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme beeindruckt von der hohen Beteiligung in der Diözese Innsbruck. Die zahlreichen Rückmeldungen zeigten, wie wichtig Ehe und Familie für viele Menschen sind. Zugleich werde deutlich, wie individuell und vielfältig Beziehungen heute gelebt werden.

Zugleich betonte der Bischof die Bringschuld der Kirche: „Es gibt Hoffnungen und Ängste, es gibt das Streben und Verlangen nach Glück und Gelingen von Beziehung ebenso wie die Erfahrung von Leid, Enttäuschung, Brüchen und Scheitern. Dem Anliegen von Ehe und Familie haben wir uns in allen Ebenen zu stellen. Das gilt für die Pastoral vor Ort, für uns als Diözese, für die Theologie oder Weltkirche.“ Und er fragte selbstkritisch: „Wie wichtig sind uns die Familien wirklich? Was tun wir konkret für sie? Welche Hoffnung können wir vermitteln?“

…Vorarlberg: Hoher Stellenwert der Religion in der Familie

Rund 1.500 Vorarlberger haben die päpstliche Umfrage zu Ehe und Familie beantwortet. Das gab die Diözese Feldkirch am Dienstag bekannt. Das Ergebnis der Befragung sei durchaus facettenreich, so der Feldkircher Pastoralamtsleiter Walter Schmolly in einer Aussendung. Im Gesamten spiegle die Befragung wider, „dass dem Religiösen in Beziehungen und Familien nach wie vor ein hoher Stellenwert zukommt“. 72 Prozent hielten eine kirchliche Hochzeit für wichtig, 75 Prozent seien interessiert an kirchlichen Angeboten für Ehe und Familie, 86 Prozent der Vorarlberger Katholiken erachteten den Empfang der Sakramente und eine christliche Erziehung für ihre Kinder als wichtig, 37 Prozent der Eltern würden oft mit ihren Kindern beten, weitere 30 Prozent hin und wieder.

…Wien: Familienspiritualität überfordert, Abtreibung abgelehnt

In der Erzdiözese Wien gab es zumindest die Möglichkeit, den Originalfragebogen auch online zu beantworten, was in rund 8.000 Antworten resultierte. Auch ganze Gemeinschaften, etwa Orden und Pfarrgemeinderäte, konnten via „Gruppenfragebogen“ antworten, was österreichweit ausgiebig in Anspruch genommen worden sei, berichteten die Diözesen. Die Rückmeldungen seien „äußerst vielfältig“, heißt es. Analysiert worden seien diese von Theologen und weiteren Experten.

Auffallende Details der Wiener Auswertung: Das Gebetsleben in den Familien wird durchwegs als ermutigend kommentiert, verbunden oft aber mit dem Gefühl der Überforderung. Pfarrgemeinden, Ehe- und Familienrunden, Eheseminare, Bewegungen und die eigenen Familie würden durchwegs als Orte gelebter Familienspiritualität erfahren. Mehr Unterstützung von Paaren wird eingefordert.

Mehr als die Hälfte der Antworten habe explizit angegeben, dass ihnen die unterschiedliche moralische Bewertung von „künstlicher“ und „natürlicher“ Empfängnisregelung nicht einsichtig ist und abgelehnt wird. Abtreibung werde durchwegs nicht als Verhütungsmethode gewertet und explizit abgelehnt, hielt die Erzdiözese fest.

Vielfältige Ergebnisse, aber klare Aussagen zu Konfliktthemen

„Die Diskrepanz zwischen der offiziellen Lehre und den Ansichten vieler Gläubigen ist groß“, hieß es nach der Analyse in einer Aussendung der Erzdiözese Wien. Das bestätigen auch erste Ergebnisse der Grazer Auswertung: So gaben 68 Prozent an, „teilweise“ nach der Lehre der Kirche zu leben, nur 21 Prozent tun das „ganz“. Dennoch wollen 89 Prozent den katholischen Glauben an ihre Kinder weitergeben.

Sprengstoff könnten jedoch die Antworten zu „heißen Eisen“ sein. In der Diözese Graz-Seckau befürworteten beispielsweise 96 Prozent die Weitergabe von Sakramenten für wiederverheiratete Geschiedene. 71 Prozent teilen die „ablehnende Einstellung der katholischen Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen eingetragenen Partnerschaften“ nicht. Und 95 Prozent finden, die Kirche sollte die Verwendung von hormonellen Methoden der Empfängnisverhütung und Kondomen akzeptieren.

Schlusslicht bei den Rückmeldungen ist mit 156 Antworten die Diözese St. Pölten, die Familienbischof Klaus Küng leitet. Nur wenige niederösterreichische Katholiken haben eine genaue Kenntnis von der Kirchenlehre zu Ehe und der natürlichen Empfängnisregelung. Von vielen werde „die komplizierte und dadurch schwer verständliche Formulierung“ als Grund dafür angegeben. Große Unterschiede in der Handhabung der Kirchenregeln wurden kritisiert.

Fragwürdige Kommentare auf kath.net

Sicher nicht in Ordnung ist es, wie kath.net die Kommentare (hier und hier) von Bischofsvikar Helmut Prader (Diözese St.Pölten) in den Vordergrund stellt. Nach dem schwachen Ergebnis der 150 ausgefüllten Fragebögen darf der Bischofsvikar zum zweiten Mal unwidersprochen seine Meinungen darlegen.

So heißt es: „Wenn ich jedoch die verschiedenen Fragebögen mit dem Original vergleiche, dann fehlt mir der Wiedererkennungseffekt. Wo steht im Originalfragebogen etwa, ob Geschiedene Wiederverheiratete zu den Sakramenten zugelassen werden sollen? Wo steht, ob die Kirche ihre Lehre zur Frage der Empfängnisregelung ändern soll? Wenn jene Leute, die den Originalfragebogen abgeändert haben, tatsächlich sich mit dem Original befassen würden, dann müssten sie reumütig sagen: Wir haben dem Papst Unrecht getan.

Hier wird nicht erwähnt, dass die meisten Fragen aus Rom sinngemäß und aufrichtig weitergeben wurden. Ganz im Gegenteil zur Meinung des Vikars stellt sich die Frage, ob es nicht gerade im deutschsprachigen Raum wichtig ist, die beanstandeten Fragen in dieser klaren Form online zu stellen, denn schließlich soll Rom unmissverständliche, umfassende und klare Aufschlüsse über die Einstellungen der Katholiken des Landes erhalten.

Wer hat sich an der Umfrage beteiligt?

Laut kathpress dürften die Personen, die sich in Österreich an der vatikanischen Umfrage beteiligt haben, zu einem sehr hohen Prozentsatz aus dem kirchlich-katholisch geprägten Milieu stammen.

Neben den österreichischen Diözesen hatten auch die Katholische Aktion sowie die Reformorganisationen „Wir sind Kirche“ und „Laieninitiative“ Umfragen durchgeführt, die auf dem Vatikan-Fragebogen basieren – mehr dazu in Geschiedene: Viele für anderen Umgang in Kirche und Fragebögen: Kluft zwischen katholischer Lehre und Praxis. Die Antworten auf diese beiden „extern“ durchgeführten Umfragen sind in den 34.000 Antworten, die die Diözesen nun analysiert haben, noch nicht enthalten.

Nächste Schritte

Österreichs Bischöfe werden bei ihrem Ad-limina-Besuch (27. bis 31. Jänner) im Vatikan alle Antworten an das Generalsekretariat der Bischofssynode übergeben und Papst Franziskus persönlich über das Ergebnis informieren. Kardinal Christoph Schönborn: „Alles wird 1:1 weitergegeben.“

Inhaltliche Orientierungen erwartet Schönborn erst bei der ordentlichen Bischofssynode 2015: „Wir werden auf die Frage antworten müssen, wie im 21. Jahrhundert Ehe und Familie gut gelebt werden können sowohl im Hören auf das Evangelium als auch auf das, was wir in unseren Beziehungen konkret erfahren und erhoffen.“

Im Gegensatz zu seinen Unterstellungen hinsichtlich der Online-Fragebögen dürfte Bischofsvikar Helmut Prader mit dieser Äußerung gegenüber kathpress richtig liegen: „Bei der Bischofssynode wird es nicht darum gehen, die Lehre der Kirche zu ändern, sondern neue und bessere Wege der Verkündigung zu finden und den Eheleuten und Familien zu helfen, die Lehre der Kirche umzusetzen und freudig zu leben.“

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Ein Gedanke zu “Vatikanische Familienumfrage – die Ergebnisse

  1. Hallo und einen schönen Abend
    Die Ergebnisse bringen mir eine Gänsehaut, für mich -entschuldigt- sind das mal wieder typische Statistiken, Meinungen die angeblich von den so viel befragten Menschen sind…..
    Also ich selbst, lebend in Deutschland und zugehörig zum Bistum Eichstätt kann nur absolut bestätigen dass ich „nicht“ gefragt wurde! Somit ich mit absoluter Sicherheit kein Teil dieses Ergebnisses bin.
    Oh natürlich habe ich im Internet darüber gelesen, aber in unserer Gemeinde erklang davon nicht ein Wort. Ach und auf der Internetseite des Bistums fand ich keinen Fragebogen auf Anhieb. Nur dass es einen Fragebogen gibt.
    Sicher ich hätte mich dahinterklemmen können…. Aber eines war mir sicher, die Frage an mich als Gläubige direkt fand nicht statt.
    Was mich ärgert dass ich den Eindruck gewinne als wenn diese Ergebnisse die Meinung „aller“ Gläubigen widerspiegelt, das tut sie aber nicht, absolut nicht.
    Bei diesem Thema bleibt ein sehr fader Geschmack! Die Absichten im Vatikan waren deswegen nicht ehrlich gemeint, aber wirklich herunter gebrochen wurde es nicht überall.
    Ich frage mich was für ein Bild malen wir dadurch wieder………

    Herzliche Grüße und nicht zu vergessen „Danke für diese Seite“
    Pia

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