Von der rechten und der falschen Sorge (8. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.

(Matthäus 6, 24-34)

*

Von der rechten und der falschen Sorge

Trink, trink, Brüderlein trink – lass doch die Sorgen zuhause! Heute ist Karnevalssonntag, morgen erreicht der Karneval im Rheinland seinen Höhepunkt, beim Rosenmontagsumzug durch die Innenstädte von Bonn, Aachen, Duisburg, Düsseldorf und – na, klar – Köln. Der Karneval ist Inbegriff der Sorglosigkeit im Ernst unseres Lebens. Passend dazu hören wir im Evangelium des heutigen Sonntags einen Aufruf zur Sorglosigkeit. Doch ist jeweils das Gleiche gemeint?

Im Evangelium erfahren wird, dass es eine rechte und eine falsche Sorge gibt. Wir sollen weltliche Sorgen nicht einfach ersatzlos streichen (oder zeitweilig mit Bier und Schnaps ertränken), sondern dauerhaft ersetzen durch die Sorge um unser Verhältnis zu Gott, um unser Seelenheil, um den Aufbau des Gottesreichs und unseren Anteil daran. Es geht nicht um karnevaleske Anarchie und Zügellosigkeit, sondern darum, sich dem richtigen Herrn zu unterwerfen. Das ist Gott, nicht das Geld.

So werden denn auch im Text die typisch weltlich-materiellen Sorgen angesprochen und als nichtig verworfen. Es geht um Nahrung und Kleidung, immerhin Grundbedürfnisse des Menschen, ganz ohne Zweifel. Und dennoch gibt es etwas, das noch grundlegender ist als die Sicherung der biologischen Existenz: Gott und den Glauben an Gott. Hier entscheidet sich nicht nur unser Dasein als Menschen, sondern unser Sein als Christen. Erheben wir den Mammon zum Herrn unserer Sorgfalt, verhalten wir uns wie die Heiden. Wir sollen uns aber von der Welt unterscheiden.

Als Christen haben wir andere Prioritäten als die Welt, in der wir leben. Das muss in unserem Leben deutlich werden. Nicht, indem wir leichtsinnig werden und Gottes materielle Gaben nicht mehr gebührend wertschätzen, sondern indem wir unser Herz nicht daran hängen, in der Welt gut dazustehen. Dies gilt gerade uns, gerade heute, leben wir doch in einer Umgebung, in der es sehr auf Image, Status und Besitz ankommt. Davon müssen wir uns frei machen, um Gott, unserem Herrn, dienen zu können. In dieser Distanz zu allem Weltlichen können wir dann trinken und essen und uns angemessen kleiden. Und Karneval feiern.

***

Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

***

+

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s