Am Jakobsbrunnen (3.Fastensonntag)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

So kam er zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr? Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias? Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus. Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt. Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen. Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte. Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen. Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät und ein anderer erntet. Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit. Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

(Johannes 4, 5-42)

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Das Gespräch am Jakobsbrunnen

Das Gespräch am Jakobsbrunnen kommt durch einen zweifachen Tabubruch Jesu zustande: Als Mann und als Jude gehört es sich eigentlich nicht, eine samaritische Frau auch nur anzusprechen. Jesus tut es trotzdem: „Gib mir zu trinken!“ Die Angesprochene reagiert entsprechend: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ Fortan geht es um die unterschiedlichen religiösen Traditionen, aus denen die Frau und Jesus kommen. Der Herr legt ihr dar, dass es auf diese nicht ankommt. Der Ort des Gebets (Tempel oder Berg) tritt hinter die Haltung der bzw. des Betenden zurück. Die „wahren Beter“, die „im Geist und in der Wahrheit“ beten, tun dies unabhängig vom tradierten religiösen Ritus. Denn es ist ihnen allein an Gott gelegen.

Es geht weiterhin um die Metapher des Wassers. Ob die Frau Jesus das Wasser aus dem Brunnen tatsächlich gibt, wird gar nicht mehr erzählt, denn etwas Anderes tritt in den Vordergrund: Jesus verheißt der Frau im Gegenzug das „Wasser des Lebens“, das sich deutlich von der durchsichtigen Flüssigkeit aus den Tiefen der Erde unterscheidet: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Die Frau ist begeistert: „Herr, gib mir dieses Wasser“. Sie ahnt, dass der Mann, der sie gegen jede gesellschaftliche Konvention angesprochen hat, etwas Besonderes ist.

*Jakobsbrunnen

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Diese Ahnung wird Gewissheit, als sich Jesus als der Messias offenbart, auf den die Angehörigen aller jüdischen Gruppierungen sehnsüchtig warteten, die Gemeinde in Jerusalem ebenso wie die Samariter. Die Frau will ihrer Gemeinde die gute Nachricht überbringen und lässt in der Aufregung den Krug mit dem herkömmlichen Brunnenwasser stehen. Und das in der Mittagshitze; „es war um die sechste Stunde“, also zwölf Uhr mittags. Die Sonne brennt und die Frau vergisst das scheinbar Wichtigste: das Wasser! Doch es gibt Wichtigeres: Gott. Für die Frau hat eine neue Zeit begonnen, die Zeit des lebendigen Wassers, die Zeit mit Gott. Und so hat für uns alle eine neue Zeit begonnen, ausgehend von einem anderen Mittagsgespräch Jesu – dem mit Pilatus am Tag der Kreuzigung. Auch hier ist es zwölf Uhr mittags als Jesus seine Andersartigkeit darlegt, nicht im Bild des Wassers, sondern – standesgemäß – im Bild des Königtums. Auch dann spricht er mit einem Menschen, der den Juden fremd war, den sie nicht mochten, der aber für die Geschichte Gottes mit Seinem Volk eine besondere Bedeutung erlangen sollte.

Jesus überwindet alle Grenzen und zeigt der Welt – der Frau am Jakobsbrunnen, dem Statthalter im Regierungspalast – das radikal Andere Seiner Lehre und seiner Liebe: Wasser, das den Durst endgültig löscht, ein Reich, das niemals untergeht – beides nicht von dieser Welt, nicht aus Materie, nicht zum Anfassen, sondern zum eigenen Erfahren mit Herz und Verstand. Die Menschen, die die samaritische Frau herbeiruft, kommen so zum Glauben: „Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.“ Auch wir können heute Jesus hören und Ihn als unseren Retter erkennen, wenn wir mit Ihm im Gespräch bleiben und Ihn um das lebendige Wasser bitten, dass Er allen verheißen hat, die zu Ihm halten – in der Hitze und Beschwerlichkeit des Alltags, vor der weltlichen Autorität der gegenwärtigen Zeit. Mit Jesus schöpfen wir das Wasser des Lebens und schaffen das Reich Gottes.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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Ein Gedanke zu “Am Jakobsbrunnen (3.Fastensonntag)

  1. Die Frau am Brunnen, wer ist diese Frau? eine Frau die 5 Männer hatte…
    Ich frage mich, wie vielen geht es genauso: Man ist auf der suche nach Liebe und findet immer die falsche…
    Da ist auf Jesus zu hören, weil Jesus der Weg ist.
    Einen Lieben Gruss
    Jürgen Kleemann

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