GRÜNDONNERSTAG: Abraham und Jesus, Gebete

Am Morgen des Gründonnerstag – sein Name kann von „gronan“, „weinen, greinen“ abgeleitet werden – oder am Tag davor wird in den katholischen Bischofskirchen durch den Bischof unter Beteiligung des Diözesanklerus die „missa chrismatis“ zelebriert. In dieser Feier wird für die ganze Diözese das Chrisamöl, das bei Tauf- und Firmsalbung, sowie Katechumenen- und Krankensalbung verwendet wird, für ein ganzes Jahr geweiht. Mit „gronan“ können die Tränen der Büßer gemeint sein, welche in der alten Kirche an diesem Tage nach beendeter Buße wieder in die kirchliche Gemeinschaft integriert wurden.

Der reiche Schatz der katholischen Kirche bringt es mit sich, dass Kommentare (von Kirchenvätern und Heiligen) zu allen denkbaren Anlässen vorliegen. Es folgt eine Predigt des heiligen Antonius von Padua.

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„Ich bin unter euch wie der, der bedient“ (Lk 22,27)

Jesus stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann den Jüngern die Füße zu waschen.“ In der Genesis steht ein ähnlicher Bericht. Abraham sagt zu den Boten, den drei Engeln, die zu ihm gekommen sind: „Man wird etwas Wasser holen, dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen; ich will einen Bissen Brot holen, und ihr werdet wieder Kraft schöpfen“ (18,4-5). Was Abraham für die drei Engel getan hat, hat Christus für seine Apostel, die Boten der Wahrheit getan, die den Glauben an die Heilige Dreifaltigkeit auf der ganzen Erde verkünden sollten.

Wie ein Kind verneigt er sich vor ihnen; er verneigt sich und wäscht ihnen die Füße. Eine unbegreifliche Demut, eine unbeschreibliche Güte. Er, den die Engel im Himmel anbeten, zu Füßen dieser Sünder! Das Antlitz, das die Engel zittern macht, neigt sich über die Füße dieser armen Leute. Deshalb ergreift den Petrus Angst… Als er ihnen die Füße gewaschen hat, lässt er sie „unter dem Baum sich ausruhen“, wie es im Hohenlied heißt: „Im Schatten meines Geliebten begehre ich zu sitzen. Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen“ (2,3). Diese Frucht – es ist sein Fleisch und Blut, das er ihnen an jenem Tage gegeben hat, der „Bissen Brot“, den er ihnen vorgesetzt hat und der sie für das Werk, das sie tun sollten, gestärkt hat…

„Ein Festmahl mit fettem Fleisch und Mark bereitet der Herr des Universums auf dem Berg für alle Völker zu“ (Jes 25,6)… Im Obergemach, dort, wo die Apostel am Pfingsttag den Heiligen Geist empfangen werden, bereitet der Herr des Universums allen Völkern, die an ihn glauben, ein Festmahl… Das macht die Kirche heute in der ganzen Welt. Für die Kirche hat Christus auf dem Berg Sion dieses Festmahl bereitet, die Nahrung, die uns wieder aufbaut, seinen wahren Leib, reich an jeder Art von spiritueller Kraft und Barmherzigkeit. Er hat ihn seinen Aposteln gegeben und ihnen befohlen, ihn an die weiterzugeben, die an ihn glauben.

Hl. Antonius von Padua, Predigten zum Sonntag und zu den Festen, zum Gründonnerstag

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Abendmahl

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Mit der Eucharistiefeier am Abend wird den Gläubigen das Abschiedsmahl Jesu mit seinen Jüngern nahe gebracht. Auch eine Fußwaschung kann in der Messe am Gründonnerstag vorkommen zur Erinnerung an die Geschichte, in der Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht (Johannesevangelium 13, 1 – 20): Jesus hat sich erniedrigt (Füße waschen war Sklavenarbeit), so groß war seine Liebe zu den Menschen, deshalb sollen wir Christen ihm in solcher Nächstenliebe nachfolgen.

Fußwaschungen sind 694 in Spanien belegt, im 12. Jahrhundert sind sie in der Gründonnerstagmesse in Rom bekannt. Am Ende der Messe wird der Altar leergeräumt, in der katholischen Kirche auch der Tabernakel geleert. Der schmucklose Altar weist darauf hin, dass die kommenden zwei Tage der Trauer und der Besinnung gewidmet sind. Orgel und Kirchenglocken schweigen nun bis zum Gloria der Osternacht.

Die Volksüberlieferung sagt, die Glocken würden in dieser Zeit nach Rom fliegen, um geweiht zu werden, und erst am Karsamstag zurückkehren. In den Anbetungsstunden – auch als Ölbergstunden bezeichnet – bis Mitternacht zum Karfreitag soll Jesus begleitet werden im Gebet zum Ölberg, wo er in größter Not und Bedrängnis seinen Vater um Hilfe anflehte.

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TAGESGEBET

Allmächtiger, ewiger Gott,
am Abend vor seinem Leiden
hat dein geliebter Sohn
der Kirche das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut
und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet.
Gib, dass wir aus diesem Geheimnis
die Fülle des Lebens und der Liebe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.

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PANGE LINGUA

1. Das Geheimnis lasst uns künden, / das uns Gott im Zeichen bot: /
Jesu Leib für unsre Sünden / hingegeben in den Tod. /
Jesu Blut, in dem wir finden / Heil und Rettung aus der Not.

2. Von Maria uns geboren, / ward Gott Sohn uns Menschen gleich, /
kam zu suchen, was verloren, / sprach das Wort vom Himmelreich, /
hat den Seinen zugeschworen: / Allezeit bin ich bei euch.

3. Auf geheimnisvolle Weise / macht er dies Versprechen wahr: /
als er in der Jünger Kreise / bei dem Osterlamme war, /
gab in Brot und Wein zur Speise / sich der Herr den Seinen dar.

4. Gottes Wort, ins Fleisch gekommen, / wandelt durch sein Wort den Wein /
und das Brot zum Mahl der Frommen, / lädt auch die Verlornen ein. /
Der Verstand verstummt beklommen, / nur das Herz begreift‘s allein.

5. Gott ist nah in diesem Zeichen: / Kniet hin und betet an! /
Das Gesetz der Furcht muss weichen, / da der neue Bund begann: /
Mahl der Liebe ohnegleichen: / nehmt im Glauben teil daran.

6. Gott, dem Vater, und dem Sohne / singe Lob, du Christenheit. /
Auch dem Geist auf gleichem Throne / sei der Lobgesang geweiht. /
Bringet Gott im Jubeltone / Ehre, Ruhm und Herrlichkeit.
Amen.

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Foto: Connie 1958 FLICKR

letztes Abendmahl

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Textquellen vgl. Heiligenlexikon und Evangelium Tag für Tag

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