KARFREITAG: Gedenken und Gebete

„Durch das heilige Ostergeschehen hat Christus der Herr, die Menschen erlöst und Gott auf vollkommene Weise geehrt. Er hat durch seinen Tod unseren Tod überwunden, durch seine Auferstehung hat er das Leben neu geschaffen. Die drei Tage des Leidens und der Auferstehung des Herrn sind deshalb der Höhepunkt des ganzen Kirchenjahrs.“ (Missale Romanum)

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„Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ – mit diesen Worten beschließt der Evangelist Johannes seine Darstellung der Passion des Herrn; mit diesen Worten eröffnet er die Christusvision im letzten Buch des Neuen Testamens, das wir „Geheime Offenbarung“ zu benennen pflegen. Zwischen der zweimaligen Anführung dieses prophetischen Wortes aus dem Alten Bund liegt die ganze Geschichte ausgespannt: zwischen Kreuzigung und Wiederkunft des Herrn; in diesem Wort ist ebenso die Rede von der Erniedrigung dessen, der wie ein Verbrecher am Galgen starb, wie von der Macht dessen, der kommen wird, die Welt zu richten – auch unser Richter. „Sie werden schauen auf den, den sie durchbohrten“ – das ganze Johannesevangelium ist im Grunde nichts anderes als der Vollzug dieses Wortes, nichts anderes als das Bemühen, unsere Augen und unser Herz zu sammeln in den Blick auf Ihn hinein. Und die ganze Liturgie der Kirche ist nichts anderes als Schauen auf den Durchbohrten, dessen verhülltes Antlitz der Priester auf dem Höhepunkt des Kirchenjahres, in der gottesdienstlichen Feier des Karfreitags, den Augen der Kirche und der Welt enthüllt: „Seht, das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen!“ „Sie werden schauen auf den, den sie durchbohrten.“ – Herr, gibt uns, in dieser Stunde auf dich zu schauen, in der Stunde deiner Verborgenheit und Erniedrigung durch eine Welt, die das Kreuz als ärgerlichen Unfall übergehen will, die sich deinem Blick entzieht, ihn als unnütze Zeitvergeudung ansieht und nicht weiß, dass sie eben darin deiner Stunde entgegengeht, in der sich niemand deinem Blick wird entziehen können.

(Joseph Ratzinger, Birgit Pottler (Hg.), Das Geheimnis von Tod und Auferstehung. Betrachtungen zur Fasten- und Osterzeit, Leipzig 2006, S.6f)

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Der Karfreitag steht im Zeichen des Leidens, er vergegenwärtigt den Tod Jesu. In seinem Namen steckt das althochdeutsche „kara, chara“, das bedeutet „Trauer, Wehklage“. In der katholischen Kirche findet an diesem wie auch am folgenden Tag keine Messe statt, stattdessen kommen um 15 Uhr, zur Todesstunde Christi, die Gläubigen zusammen, um dem Leiden und Sterben Jesu zu gedenken

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RUF VOR DER PASSION

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Christus wurde für uns gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott erhöht
und ihm den Namen gegeben, der über allen Namen ist.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
(Vers: vgl. Phil 2, 8b-9)

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Kreuzigung

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„IHR STAMMT VON UNTEN; ICH STAMME VON OBEN“

Der Sünde wegen bist du, der Unschuldige,
Für den Verurteilten vor dem Tribunal gestanden;
Wenn du in der Glorie des Vaters wiederkommst,
Urteile nicht mit ihm über mich.

Du wurdest verhöhnt durch ruchlosen Speichel
Wegen der Schande des erstgeschaffenen Menschen;
Tilge die Schande der Sünden des Schamlosen,
Mit der ich mir das Gesicht bedeckt habe…

Du hast den Purpur genommen,
Den roten Mantel angelegt
Als Schande und Kränkung,
Wie die Soldaten des Pontius Pilatus glaubten (Mt 27,28).

Nimm von mir den Kelch der Sünde,
Den roten, blutfarbenen Purpur,
Und leg mir das Gewand der Freude an,
In das du den ersten Menschen gekleidet hast.

Sie beugten die Knie und spotteten,
Sie amüsierten sich und machten sich lustig;
Die himmlischen Scharen sahen es
Und beteten mit Bangen an.

All das hast du ertragen, um von unserer Adamsnatur zu nehmen
Die Schande, ein Freund der Sünde zu sein,
Und um aus meiner Seele voller Trauer,
Aus meinem Gewissen die Schande zu löschen.

Auf deinem ganzem Körper
Und allen deinen Gliedmaßen
Hast du schreckliche Schläge der Geißelung empfangen
Nach dem Urteil des Richters.

Mich, der ich vom Kopf bis zu den Füßen
Unerträgliche Schmerzen leide,
Mögest du von neuem, ein zweites Mal, heilen:
Wie durch die Gnade des Taufwassers.

Zum Austausch der Dornen der Sünde,
Die der Fluch uns wachsen ließ (Gen 3,18),
Wurde dir von den Winzern Jerusalems
Eine Dornenkrone aufs Haupt gedrückt (Mt 21,33f)

Reiß aus mir den Stachel der Sünde,
Den mit der Feind gesetzt hat,
Und heile in mir die Bisswunde,
Damit das Stigma der Sünde schwindet.

(Hl. Nerses Schnorhali, Jesus, einziger Sohn des Vaters, §707-724; SC 203)

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3 Gedanken zu “KARFREITAG: Gedenken und Gebete

  1. Ich danke Gott, den rechen Weg gefunden zu haben und bitte, diesen weiter bis zu meinem letzten Tag auf Erden, gehen zu dürfen!

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