DARUM IST ER HEILIG – Johannes Paul II.

Dass Päpste auch Heilige sind, ist in der Kirchengeschichte eher die Ausnahme als die Regel gewesen. Umso mehr fällt auf, dass am nächsten Sonntag gleich zwei Päpsten der Neuzeit die Aufnahme ins Heiligenregister der Kirche gelingen wird: Johannes Paul II. und Johannes XXIII. Der Erste der beiden genannten hat meine Generation von der Jugend bis ins Erwachsenenalter begleitet und geprägt; ihm gelten die folgenden Betrachtungen. Ein kleines aber aufschlussreiches Buch ist mir dabei behilflich: Im Kapitel 3 seiner Aufzeichnungen „Darum ist er heilig“ berichtet der Postulator im Heiligsprechungsprozess, Slawomir Oder, vom Menschen und Mystiker Karol Wojtyla.

„Das Leben von Johannes Paul II. bezog seine Basis und seinen Glanz aus der völligen Übereinstimmung mit Christus, aus der Sicherheit, in seinen Händen zu sein, und der Unmöglichkeit, seine Liebe zu verlieren. Dieses spirituelle Haltung findet man mit großer Intensität ausgedrückt in den Worten von Paulus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (GAL 2,20). Die wesentliche Grundlage besteht nicht so sehr in der Praxis der heroischen Tugenden, sondern in der Fähigkeit, echte Beziehungen zu anderen herzustellen, gemäß den Worten Jesu: „Vielmehr habe ich euch Freunde genannt“ (15,15).

Dieser Blick und diese Nähe zu Christus waren die Essenz des Priestertums des Papstes. Einem römischen Seminaristen, der ihn fragte, was es für ihn bedeute, der Stellvertreter Christi zu sein, antwortete Johannes Paul II. spontan: „Schon bevor ich der Stellvertreter Christi wurde, war und handelte ich als Priester stellvertretend für die Person Christi.“ So konnte Papst Benedikt XVI. bei einem seiner ersten Angelusgebete das Leben von Johannes Paul II. als eine gelungene eucharistische Parabel darstellen, als perfekte Illustration dessen, was es heißt, sein Leben für die Kirche zu geben, für die Brüder – zur größeren Verherrlichung Gottes.“ (S.128)

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Johannes Paul II segnet

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DER MENSCH WOJTYLA

Wie die folgenden Beispiele zeigen, gibt es Tugenden, die den Menschen Karol Wojtyla schon in jungen Jahren auszeichneten:

„Schon in den Tagen, als er in der Solvay-Fabrik arbeitete, bemerkten die Kollegen, dass er in den frühen Morgenstunden oft ohne Jacke oder Pullover erschien, die er Tags zuvor noch getragen hatte, wofür er sich immer in der gleichen Weise rechtfertigte: „Ich habe ihn der Person gegeben, die ich auf dem Weg getroffen habe, sie hat ihn mehr gebraucht als ich.“

Nach dem Krieg wurde Wojtyla dazu berufen, das Sprechzimmer des Priesterseminars in Krakau zu leiten. Seine Aufgabe war es, die Menschen, die um spirituelle, aber auch um materielle Hilfe baten, zu empfangen und ihnen zuzuhören. Einer seiner damaligen Mitbrüder erzählt, dass Wojtylas „grenzenloses Vertrauen in die Vorsehung Gottes beispielhaft war, ebenso seine außergewöhnliche Sensibilität für jede Form des Leidens. Er dachte nie an sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse. Mit den Armen teilte er alles, was er hatte. Er wusste mit Takt und Respekt zu geben, so dass der Empfänger sich nicht erniedrigt fühlte.“

Eines Tages bemerkten die Schwestern, bei denen er nach der Priesterweihe die heilige Messe feierte, dass seine Kleidung überhaupt nicht angepasst an die Winterkälte war, und beschlossen, ihm einen Pullover aus dicker Wolle zu strecken. Es ist leicht vorstellbar, was sie dachten, als sie Wojtyla eine Woche später ohne diesen Pullover sahen, den er einem Armen geschenkt hatte. (S.131)

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Mit den Jahren sind es auch die spirituellen Tugenden, die Karol Wojtyla in besonderem Licht erscheinen lassen. In einer Analyse zu seinen Schriften und Worten wird u.a. von seinem Verhältnis zu Papst Paul VI. berichtet, der zu dieser Zeit ein Objekt der wachsenden ideologischen Opposition innerhalb der katholischen Kirche war. Wojtyla war es möglich, den Nachfolger Petri, dessen schwere Aufgabe er nicht übersehen konnte, in Treue zu Christus zu trösten. Die Kommission berichtet unter anderem vom Feingefühl Wojtylas, mit dem er Papst Paul VI. auf spirituelle Weise Beistand schenkte.

So berichtet einer der Theologen zu Wojtylas Reflexionen aus den Pastoralexerzitien 1976Zeichen des Widerspruchs“: „Der Prediger (Wojtyla) kommt stets mit Diskretion auf das Thema zurück, und er macht es besonders beim Gebet in Gethsemane auf berührende Weise, wo er in einer Atmosphäre, die vom persönlichen Gebet geprägt ist, die Teilnehmer [insbesonders Papst Paul VI.] allmählich zu der pastoralen Reflexion über die Dramatik des Gehorsams Christi gegenüber dem Vater und gleichzeitig zu einer Reflexion über das Drama der Kirche hinführt, die – wegen der menschlichen Schwäche der Apostel im Garten Gethsemane – nicht in Solidarität mit dem einsamen Christus ausgehalten hat. Von diesem Moment an ist die Kirche ständig vom Herrn gerufen, diesen Verlust in gewisser Weise zurückzugewinnen, indem sie im Gebet ausharrt, an diesem tiefsten Punkt vereint mit dem Erlöser, der gerade begonnen hat, die Mission der Erlösung zu vollenden.“ (S.138)

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Eine gründliche Analyse seiner gesammelten Werke ergibt die Kennzeichen des spirituellen und menschlichen Profils von Papst Johannes Paul II. als inspirierende Faktoren. Slawomir Oder zitiert die Synthese der Untersuchungen (S.139):

  • 1. Das ständige Bewusstsein von Gottes Gegenwart und die Liebe zu Gott mit ganzem Herzen.
  • 2. Die Faszination für das Geheimnis des Menschen (vor allem die Art und Weise seiner Reifung durch Liebe) und die ungebrochene Sorge um sein Heil.
  • 3. Ein starker Sinn für Gerechtigkeit und Sensibilität für diejenigen, denen unter sozialen Gesichtspunkten ein Unrecht zugefügt wurde, und für diejenigen, die in Gefahr sind (die ungeborenen Kinder, die Armen, die Jugend, die Kranken).
  • 4. Offenheit zum Dialog mit jedem Menschen, Offenheit für jede begründete Kritik und jemandes wertvolle Bemühungen, verbunden mit dem ständigen Wunsch, die Wahrheit zu verkünden und zu verteidigen: die gesamte Wahrheit, ohne Reduktion, auch wenn dies schwierig ist und Protest auslöst.
  • 5. Der Respekt für die verschiedenen Berufungen in der Kirche und eine konsequente Bereitschaft, sowohl mit den Priestern als auch mit den Laien zusammen zu arbeiten.
  • 6. Eine wahre Barmherzigkeit, stark verwurzelt in der Heiligen Schrift und theologisch begründet: der Kult der Heiligen Dreifaltigkeit, dessen harmonische Ergänzung die Marien- und Heiligenverehrung ist.
  • 7. Eine wahre Liebe für die Kirche, die sich sowohl durch die Genauigkeit in der Erforschung ihrer Lehre (insbesondere die Richtlinien des Zweiten vatikanischen Konzils) zeigte, wie auch im gewissenhaften Dienst für die Krakauer Ortskirche, bei dem bereits die Perspektive für die Aufgaben der Weltkirche bestand.
  • 8. Unübertrefflicher Fleiß.
  • 9. Intellektuelle Redlichkeit, die sich in der genauen Erforschung jedes Problems und in der Anstrengung, seine Position in der verständlichsten Weise zu präsentieren, bemerkbar machte.
  • 10. Ein hohes kulturelles Niveau, erkennbar im Stil des Sprechens und Schreibens.“

Selbst diese Aufzählung von „Experten“, die wertvolles über den Menschen und Pontifex Johannes Paul II. aussagen, kann nicht annähernd wiedergeben, was diese vielfältige und wirkungsreiche Persönlichkeit ausmacht. Man denke an den ideologischen Kampf des Papstes gegen den Kommunismus; an das Attentat, das die Marienfrömmigkeit Wojtylas – mit dem besonderen Bezug zu Fatima – zu einem weiteren Gipfel getragen hat; oder an sein Charisma im Hinblick auf die Jugend, die er aufgerüttelt hat mit seinem Leitsatz, nicht in Mittelmäßigkeit zu verharren, sondern nach dem Großen in Christus zu streben.

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Im 2. und abschließenden Teil geht es um den >>> betenden Papst und Mystiker Wojtyla.

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Alle Zitate aus: „Darum ist er heilig“, Slawomir Oder, Fe-medienverlags GmbH Kißlegg, 2014

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4 Gedanken zu “DARUM IST ER HEILIG – Johannes Paul II.

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