Christliche Medien?

“Es macht mich etwas besorgt, dass das Gespür für diese Dimension [Anm.: für Religionen und Transzendenz], oder auch die Akzeptanz dieser Dimension ein Minderheitenprogramm [unserer Gesellschaft] geworden zu sein scheint“, schreibt eine Kommentatorin und deklarierte Nichtchristin zu diesem Beitrag. Es freut mich, dass sich nichtchristliche Leser hierher “verirren”, die der einen oder anderen Diskussion etwas abgewinnen können (danke) …schließlich sollte es kein Blogger-Ziel sein, nur im abgeschlossenen Zirkel zu kommunizieren.

Update: Kardinal Schönborn

Der Wiener Erzbischof und Kardinal Schönborn hat in einer der auflagenstärksten Zeitungen des Landes („Heute“) und in „Kathpress“ zum Erfolg der österreichischen Dragqueen Stellung genommen. Ohne Berührungsängste und mit hoher Empathie bewertet Kardinal Christoph Schönborn den Erfolg des Thomas Neuwirth so:

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Kardinal Christoph Schönborn

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„Es gibt ‚im bunten Garten Gottes‘ auch Menschen, die sich als das jeweils andere Geschlecht fühlen, und die verdienen natürlich unseren vollen Respekt, unsere Hochachtung als Menschen“, sagte Schönborn am Rande eines Besuchs in der Wiener Votivkirche, wo derzeit eine Ausstellung über „Leiblichkeit und Sexualität“ für Aufsehen sorgt. Er habe sich gefreut, dass Neuwirth mit der Künstlergestalt einen so großen Erfolg feiern konnte, „und ich kann ihm nur wünschen, mit diesem Erfolg gut umzugehen, denn das ist nicht leicht“, sagte Schönborn gegenüber Kathpress. „Ich bete für ihn um Gottes Segen für sein Leben. Nicht alle, die als männliche Wesen geboren wurden, fühlen sich auch als Mann, und ebenso auf weiblicher Seite. Sie verdienen als Menschen den Respekt, auf den wir alle ein Recht haben.“ Neuwirth wünsche er, „dass ihm dieser Erfolg nicht über den Kopf wächst“.
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Zum Thema christliche Medienwelt ist aber auch Unerfreulicheres zu berichten. So gibt es auch im Hinblick auf die letzte Song-Contest-Gewinnerin recht peinliche Kommentare aus dem christlichen Lager, wie hier auf PRO Medienmagazin.*

Heuchler?

Da wird von der “Toleranz der Heuchler” gesprochen. Gemeint ist offenbar, dass Zeitungs- und Fernsehmedien diesen Songcontest-Beitrag in eine Toleranzbotschaft “Gender forever” ummünzen und alle rüffeln, die das anders sehen.

Das ist lächerlich! Soll diesen Medien jetzt die Möglichkeit (sprich Meinungsfreiheit) genommen werden, ihren Interpretationsspielraum zu nutzen? Zensur forever? Bei welchem Thema hat sich je verhindern lassen, dass Medien aus einer Sache “ihre Geschichte” machen? Hat der mündige Leser/Seher denn gar keine Verantwortung mehr, das Gelesene/Gesehene selbst zu interpretieren und zu protestieren?

Im Artikel heißt es: “Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass der als bärtige Frau verkleidete Österreicher Thomas Neuwirth den ersten Platz auch wegen seines queeren Statements erreicht hat – mit Anzug und Krawatte statt Abendkleid und Lidschatten wäre der Erfolg vermutlich geringer ausgefallen.”

Auch das ist komplett daneben, denn ein Auftritt ist immer ein (mehr oder weniger gelungenes) Gesamtkunstwerk, also was soll dieses Auseinanderdividieren? Wäre Udo Jürgens 1966 im Pyjama oder die famosen Niederländer 2014 in Südseeoutfit und Socken aufgetreten, dann hätten… was für eine falsche Art zu argumentieren!

Irgendjemandem erschien dieser Artikel so bedeutsam, dass er als Gastbeitrag auch auf KATH.NET erschien. Was steckt hinter solch engstirnigen Interpretationsversuchen?

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Homoehe
Homoehen: Weniger als 1% aller Eheschließungen.

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ANGST

Es ist die Angst, dass dieser Songcontest-Erfolg all jenen in die Karten spielt, die Gender-Interessen durchsetzen wollen. Dass er von all jenen benutzt und vereinnamt wird, die zum Genderthema noch etwas zu sagen haben bzw. konkrete politische Agenden verfolgen.

Genau so ist es auch. Willkommen in der Realität. Kunst, die dem Zeitgeist entspricht, wird von Zeitgeistern zum Trittbrettfahren genutzt – das ist wahrlich keine Überraschung. Und christliche Medien sollten sich wirklich nicht die Blöße geben, den Gender-Agitatoren mit ängstlichem Geblöke ins offene Messer zu laufen.

GELASSENHEIT

Warum können sich christliche Kommentatoren nicht an diesem Erfolg erfreuen, und aus dieser unverkrampften Position all jene in die Pflicht nehmen, die wieder einmal Trittbrett fahren. Da gibt es jede Menge (österreichische) Politiker (Grüne und Sozialdemokraten), die eine Pressekonferenz nach der anderen einberufen, und deklamieren:

Die durch den Songcontest manifestierte “Vision für Toleranz” verlangt es, dass die gleichgeschlechtliche Partnerschaft nun auch Ehe genannt werden muss, dass gleichgeschlechtliche Paare von Kieselsteinen bis Kindern alles adoptieren dürfen, und nun pinkfärbiges Klopapier mit Gendersprüchen auch in öffentlichen Bedürfnisanstalten erlaubt sein muss.

Und jetzt wollen uns christliche Medien erzählen, all das wäre ohne Conchita Wurst nicht passiert? Unsinn!

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Hochzeit
Katholische Ehe – Mann, Frau und GOTT

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KATHOLISCHE EHE

Christen, die sich in christlichen Medien äußern, hätten eine viel spannendere und lohnendere Aufgabe. Statt zu jammern, dass diese und jene und auch Bonobo-Affen nun EHEN schließen können, sollten sie anfangen, ehrlich und überzeugend herauszuarbeiten, was eine christliche Ehe ausmacht.

Was sie einzigartig und besonders macht, warum christliche Ehen länger halten, und dass sie – bei aller Einmaligkeit und bei allen Vorzügen – natürlich auch gefährdet sind. Dass sich auch Gemeinden und Seelsorger als Hilfe erweisen und über allem GOTT als Geist der Liebe waltet, der zum Heil der christlichen Ehen wirkt.

Moment Mal, dieser abschließende Appell erinnert doch an etwas, war da nicht was? Etwas mehr als ein Jahr ist’s her, und der Artikel hier auf ZEIT ZU BETEN hieß “Katholische Ehe, schon mal gehört?” Das Echo auf den Beitrag hat sich in Grenzen gehalten: Klar, was mühsam und anspruchsvoll ist, lassen auch christliche Autoren/Kommentatoren gerne außen vor.

Oder wachen berufene Katecheten endlich auf?

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