Exkommunikation von M. und G. Heizer – Logik und Hintergrund

Als im September 2011 eine ORF-Journalistin bei Martha Heizer anfragte, ob sie über die seit 2008 stattfindenden privaten Messen des Glaubenskreises um das Ehepaar Heizer berichten dürfe, hätten sie und ihr Ehemann Gerd das nicht ablehnen können: Dies der Öffentlichkeit vorzuenthalten wäre ihnen damals, als der „Aufruf zum Ungehorsam“ der österreichischen „Pfarrer-Initiative“ diskutiert wurde, unauthentisch erschienen.

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Martha Heizer
Martha Heizer / Copyright Facebook

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Die im Fall des Ehepaares Heizer ausgesprochene Exkommunikation ist weder Grund für Häme noch für Mitleid: So wie sich Gläubige für ihren Glauben entscheiden, trägt auch jeder die Verantwortung für alle Schritte, die ihn vom Glauben und vom gemeinschaftlichen Leben mit seiner Kirche entfernen. Da zum Thema bereits einiges geschrieben worden ist, versucht dieser Beitrag einen Überblick über die verschiedenen Fragen und Sichtweisen zu geben.
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ZUM BEGRIFF

Die Exkommunikation ist der einstweilige Ausschluss eines Gläubigen aus der katholischen Kirche. Er darf keine kirchlichen Ämter ausüben und auch keine Sakramente empfangen. Gründe für eine Exkommunikation sind etwa der Bruch des Beichtgeheimnisses und eine Reihe weiterer schwerer Vergehen (siehe mehr dazu im Anhang). Im Fall der „Wir sind Kirche“-Vorsitzenden Martha Heizer waren Eucharistiefeiern ohne Priester der Auslöser.

Ein Exkommunizierter ist zwar nicht aus der Kirche ausgeschlossen, weil die Taufe nicht zurückgenommen werden kann, er verliert aber sämtliche kirchlichen Rechte wie das zur Übernahme von kirchlichen Ämtern, zur Teilnahme an den Sakramenten und das Recht auf kirchliche Bestattung. Nur das Anhören der Verkündigung im Gottesdienst ist erlaubt.

Die Exkommunikation, auch Kirchenbann genannt, tritt nach dem Vergehen automatisch ein („Selbst-Exkommunikation“). In schweren Fällen wird sie vom Papst oder Bischof öffentlich ausgesprochen. Aufgehoben werden kann sie durch die Vergebung in der Beichte oder durch Widerruf vor Zeugen. Daran ist zu erkennen, dass die Exkommunikation in erster Linie eine Strafe zur Besserung und keine endgültige Trennung sein soll.
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THEOLOGISCHE EINORDNUNG

„Mit ihrem eigenständigen wie ungültigen Feiern der Eucharistie hätten Martha und Gerd Heizer elementare Regeln der Eucharistiefeier gebrochen und sich selbst aus der Gemeinschaft der Kirche gestellt. Das betonte der Innsbrucker Theologe Prof. Roman Siebenrock in einer Stellungnahme, die „Kathpress“ vorliegt.

Niemand könne aus eigener Vollmacht oder rein privat Eucharistie feiern. Eucharistie werde immer mit und im Auftrag der Kirche oder Befähigung durch die Kirche gefeiert. Wer dies missachte, „gründet eine neue Form von Kirche und christlicher Tradition“, erklärte Siebenrock. Die Exkommunikation stehe nicht im Widerspruch zum „anhaltenden Reformprozess der Kirche“ unter Papst Franziskus.

Der am Institut für Systematische Theologie in Innsbruck lehrende Wissenschaftler trat mehrmals bei Veranstaltungen der Plattform „Wir sind Kirche“ auf, deren Vorsitzende Martha Heizer seit April ist. Ungeachtet dessen hält Siebenrock mit Kritik im aktuellen Fall nicht hinter dem Berg: Martha Heizer und ihr Mann Gerd würden eine „latente Gefahr in der Kirche“ ans Licht bringen: „Sie glauben in eigener Souveränität, Kirche sein zu können.“ Alle Reformen – „und Papst Franziskus hat klare Zeichen gesetzt“ – würden zwar davon getragen sein, dass alle Getauften Kirche sind und insofern drückt der Ruf „Wir sind Kirche“ eine grundlegende Überzeugung aller Glaubenden aus. Das Ehepaar Heizer habe diesem Ruf jedoch eine neue Interpretation gegeben, kritisierte Siebenrock: Wer sich selbst zum Priester oder zur Priesterin macht, sage letztlich „Ich bin die Kirche, ich bin Bischof oder Bischöfin, ich bin Papst oder Päpstin; – und zwar aus eigener Souveränität.“

Martha und Gerd Heizer hätten sehr genau gewusst, was ihr Handeln bedeutet. Sie hätten in jedem Schritt des „korrekten und transparenten“ Verfahrens die Möglichkeit gehabt, Klärungen einzubringen und Nuancierungen vorzunehmen. Die Kirchenverantwortlichen hätten es sich nicht leicht gemacht, das Verfahren sei ja bereits seit 2011 gestartet worden, dabei seien „alle Gesichtspunkte betrachtet worden“.

Und auch jetzt hätte das Ehepaar Heizer noch Gelegenheit zur Selbstkorrektur, bezog sich Siebenrock auf die zehntägige Einspruchsfrist nach der Aushändigung des Dekrets. Er sprach wörtlich von einer „Exkommunikationswarnung“ und „Raum für Besinnung und einen Ausweg“.“
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KIRCHLICHE VORGANGSWEISE

Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer hat die Selbst-Exkommunikation von Martha Heizer und ihrem Mann Gerd Heizer festgestellt. Das ist das Ergebnis eines kirchenrechtlichen Verfahrens wegen der im September 2011 in einem ORF-Fernsehbeitrag bekanntgewordenen Praxis der „privaten Eucharistiefeiern ohne Priester“. In der am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme erklärte der Bischof sein Bedauern darüber, dass es bei den Betroffenen zu keinem Umdenken gekommen sei.

Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass innerhalb von 10 Tagen beim Bischof von Innsbruck die Rücknahme oder inhaltliche Abänderung der Entscheidung beantragt werden kann. Gegenüber den Medien hatte Martha Heizer am Mittwochabend erklärt, dass sie weder das Dekret annehme, noch das Verfahren und die Entscheidung akzeptiere.

Es liege jetzt allein beim Ehepaar Heizer, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Tatstrafe der Exkommunikation entweder nicht festgestellt oder unverzüglich nachgelassen werden kann und muss, heißt es in der bischöflichen Stellungnahme weiter, wo es zum Anlassfall heißt: Da Eucharistie von ihrem Wesen her eine Feier der ganzen Kirche ist, könne es so etwas wie eine „private Eucharistiefeier“ gar nicht geben. „Kriterien für die Eucharistiefeier können nicht nur der subjektive Wille der Betroffenen und deren Befindlichkeit sein. Die Kirche hielt immer daran fest, dass bei der Eucharistiefeier in der Person des Priesters aufgrund der Weihe auch die Kirche anwesend bleibt“, wird in der Stellungnahme festgehalten.
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KOMMENTAR ZUR UNEINSICHTIGKEIT DER BETROFFENEN

„Wie nicht anders zu erwarten, war dem Ehepaar auch das Dekret egal (Blog DEMUT JETZT). Wobei, nicht ganz. Sie haben sich natürlich darüber aufgeregt und dann erklärt, es sei ihnen schnuppe. Genauer gesagt, dass sie es nicht akzeptieren würden. Offenbar scheinen die beiden der Meinung zu sein, sich an gar keine Regeln halten zu müssen, denen sie nicht selber aktuell zustimmen und das sie auch daher nicht bestraft werden könnten. Damit das ganze aber etwas griffiger klingt, klagen sie gleich, dass sie exkommuniziert würden, Missbrauchstäter aber nicht. Das Missbrauchstäter nicht erklären, sie würden gleich den nächsten Jungen missbrauchen und Rom könne sie mal, übersehen die beiden damit. Richtig an der Kritik ist natürlich, dass die Kirche zu lange zu wenig gegen Missbrauch vorgegangen ist. Aber jetzt zu erklären, deswegen dürfe man sie nicht exkommunizieren, entspricht folgender Logik: Weil ich noch nie gesehen habe, dass jemand wegen des Überfahrens einer roten Ampel seinen Führerschein verloren hätte, deswegen darf ich über rote Ampeln fahren, so viel ich will und behalte meine Führerschein, egal, was die Polizei sagt.

Das bedauerliche an der ganzen Sache ist dabei aber vor allem, dass die beiden den Charakter der Exkommunikation ad absurdum führen. Denn es handelt sich um eine Besserungsstrafe, die zur Einsicht und zum Einstellen des Tatbestandes führen soll. Nun scheinen aber die beiden weder zur Einsicht zu kommen, noch der Meinung zu sein, sie müssten sich in Zukunft anders verhalten. Im schlimmsten Fall rennen die beiden ins nächste Pontifikalamt und klauen dem Bischof die Hostie aus der Hostienschale, um damit stolz wie Bolle durch den Mittelgang zu marschieren – so geschehen einmal bei (Bischöfin) Mayr-Lumetzberger. So bleibt wohl nur zu sagen: Der Papst will die Menschen verändern, Frau Heizer die Kirche. Denn das letztere ist ja einfacher, da man sich selber nicht in Frage stellen muss.“
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KOMMENTAR ZU UNANGEBRACHTER HÄME

„Jubel ist hier fehl am Platz, meint Diplomtheologe Jan Hendrik Stens von domradio. Die härteste Strafe, die die katholische Kirche vorsieht, hat nun zwei bekannte Vertreter des sogenannten „Reformflügels“ getroffen. Kann das wirklich sein, dass ausgerechnet Papst Franziskus, der sonst für Dialog, Aufbruch und Barmherzigkeit steht, beim Tiroler Ehepaar Martha und Gert Heizer die Exkommunikation feststellt? Was die einen verstört, lässt wiederum die anderen jubilieren: Endlich greift der Papst mal durch und zeigt unmissverständlich, dass auch er für die katholische Lehre steht und weniger für die „Ich-wünsch-mir-was-Kirche“.

Doch Jubel ist hier eigentlich völlig fehl am Platz. Eine Exkommunikation ist nie ein Grund zum Jubeln, wie auch der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer betont: „Ich empfinde es als Niederlage, dass es uns nicht gelungen ist, das Ehepaar Heizer zum Umdenken zu bewegen und so das Verfahren zu vermeiden.“ Die Feststellung einer Selbst-Exkommunikation sei kein Sieg, sondern immer eine Niederlage für die Kirche.

Heizers deutsches Pendant Christian Weisner, der „Wir-sind-Kirche“-Chef in Deutschland, schiebt den schwarzen Peter derweil nonchalant dem emeritierten Papst Benedikt XVI. zu. Dieser Schritt der Exkommunikation passe doch so gar nicht zu Papst Franziskus. Ebenso wird sich wohl so mancher die Mär zusammenkonstruieren, dass hinter der Exkommunikation weniger Franziskus als vielmehr der „Hardliner“ Gerhard Kardinal Müller steckt. Ob sich die kirchenpolitische Landschaft so einfach zurechtbiegen lässt, wage ich zu bezweifeln. Da das Delikt im Zuständigkeitsbereich des Ortsbischofs geschehen ist, leitet dieser eine Untersuchung ein und informiert die Glaubenskongregation. Die Exkommunikation spricht dann der Bischof aus und übermittelt sie. Der Papst „delegiert“ an die Kongregation, deren Präfekten er ernannt hat. Er billigt also das dortige Personal und die dortigen Arbeiten. Keine Exkommunikation wird vom Papst persönlich ausgesprochen, sondern immer über die dafür zuständigen Organe. Eine Änderung dieses Verfahrens herbeizuführen, käme einer Schwächung der Ortskirchen gleich, was Franziskus ja gerade nicht will.“
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KOMMENTAR VOM KARDINAL

Kardinal Christoph Schönborn stützt die durch Bischof Manfred Scheuer ausgesprochene Exkommunikation durch folgende Mitteilung:

„Wenn jemand in einem für unsere Kirche so zentralen Punkt wie der Eucharistie einen Sonderweg geht und propagiert, der weit außerhalb unseres Glaubens liegt, ist das ein schwerwiegender Schritt hinaus aus der Gemeinschaft der Kirche… Hier muss es klare Grenzen geben. Ein Bischof ist gefordert, die Tragweite eines solchen Schrittes durch ein Exkommunikationsdekret auch klar zu machen.“
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KOMMENTAR ZU FEMINISTISCHEN INTERPRETATIONSVERSUCHEN

„Eine Exkommunikation ist eine ernstzunehmende Angelegenheit (Blog INVENIMUS), da die schweren Vergehen (Sünden), die solch einen Ausschluss von den Sakramenten zur Folge haben, das Heil der betroffenen Seelen ernsthaft gefährden (was auch der Grund ist, warum ein Priester in Todesgefahr von jeder Sünde loszusprechen in der Lage ist und so de facto auch eine Exkommunikation lösen kann). Die Verhängung der Exkommunikation sollte an die Katholiken vor allem ein Signal senden: Hier ist eine Seele in Gefahr, verloren zu gehen. In diesem Fall gleich zwei!

Auch dass jetz herumgetrötet wird „Franziskus“ habe die Frau exkommuniziert, ist befremdlich… es sollte bedacht werden, dass dieser Schritt im Grunde nur das Ergebnis eines bereits im Jahr 2011 auf Bistumsebene begonnenen Verfahrens bedeutet, dass wohl aufgrund der Renitenz der Betroffenen auch nicht gerade zum Guten befördert wurde.

Da es aber der Kirche zu allererst um das Heil der Seelen gehen muss (c. 1752 CIC), ist eine Exkommunikation für diejenigen, die die Kirche des Herrn ernst nehmen, sicherlich viel, aber kein Grund zur Freude.“

Betet für Frau Heizer und ihren Mann!

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Anhang

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Exkommunikation im Rahmen der römisch-katholischen Kirche

Vatikan

In der römisch-katholischen Kirche bedeutet Exkommunikation nicht den Ausschluss aus der Kirche (der kirchenrechtlich unmöglich ist), sondern den Verlust der Kirchengemeinschaft und damit gewisser Rechte innerhalb der Kirche. Der Exkommunizierte ist nach dem CIC von 1983 nicht berechtigt, die Sakramente oder Sakramentalien zu spenden oder zu empfangen. Außerdem darf er kein kirchliches Amt oder kirchliche Dienste und Aufgaben ausüben.

Nach kanonischem Recht wird unterschieden zwischen der Exkommunikation als Tatstrafe und der Exkommunikation als Spruchstrafe (siehe Can. 1314 CIC 1983):

Exkommunikation als Tatstrafe (Excommunicatio latae sententiae), die mit dem Vergehen von selbst eintritt. Durch einen Akt des Unglaubens hat der Gläubige sich soweit von der Kirche entfernt, dass er nicht mehr als der Kirchengemeinschaft zugehörig betrachtet werden kann. Exkommunikation als Tatstrafe erfolgt beispielsweise aufgrund von:

• Wegwerfen oder Wegnehmen der eucharistischen Gestalten in sakrilegischer Absicht ([[Can. 1367)
• Gewalt gegenüber dem Papst (Can. 1370 § 1)
• für den Priester – Erteilung der (wirkungslosen, Can. 977) Absolution gegenüber jemandem, der zusammen mit diesem Priester eine Sünde gegen das sechste Gebot („du sollst nicht ehebrechen“) begangen hat (Absolutio complicis; Can. 1378 § 1)
• einer Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag – für beide Parteien (Can. 1382)
• Verletzung des Geheimnisses bei dem Konklave durch das Hilfspersonal (Universi Dominici gregis Art. 78)
• für die wählenden Kardinäle (Simonie bei der Papstwahl (Universi Dominici gregis Art. 58) sowie andere Unregelmäßigkeiten beim Konklave): Sich-beeinflussen-Lassen durch die Dritten (ibidem Art. 80), Absprachen zwischen den Elektoren (ibidem Art. 81)
• Verletzung des Beichtgeheimnisses (Can. 1388 § 1)
• Abtreibung (für alle aktiv Beteiligten). (Can. 1398)
• Apostasie (Can. 1364 § 1)
• Häresie (Can. 1364 § 1)
• Schisma (Can. 1364 § 1)

Die Exkommunikation als Tatstrafe tritt nur in jenen Fällen ein, in denen sich der Betreffende bewusst war, dass der von ihm begangene Akt kirchlicherseits eine Straftat ist. Da die Tatstrafe bereits bei Begehung der Handlung eintritt, ist es nicht erforderlich, dass sie durch einen Bischof oder den Papst bestätigt oder verkündet wird; dies kann allerdings unter Umständen geschehen, um den Vorgang unter den Gläubigen kundzutun.

Die Exkommunikation als Spruchstrafe (Excommunicatio ferendae sententiae), erfolgt durch ausdrücklichen Urteilsspruch seitens des Bischofs oder des Papstes. Diese erfolgt in dem Falle, dass der zu Exkommunizierende öffentliches Ärgernis erregt.

In besonderen Fällen, insbesondere bei Todesgefahr eines Gläubigen, gibt es Ausnahmen von der Exkommunikation eines Spenders oder Empfängers von Sakramenten. Sie kann auch lediglich ausgesetzt sein. In diesem Zusammenhang spielt die öffentliche Feststellung der eingetretenen Exkommunikation eine Rolle.

Die Exkommunikation bleibt solange bestehen, bis die Ursache beseitigt ist oder der Betroffene sein Vergehen wiedergutgemacht hat, vgl. Rekonziliation. Danach ist der Ortsordinarius (meist der Diözesanbischof) verpflichtet, die Exkommunikation wieder aufzuheben. Der Bischof kann diese Berechtigung aber auch an einzelne Priester delegieren. In bestimmten Fällen kann die Exkommunikation nur vom Heiligen Stuhl aufgehoben werden (die ersten sechs unter den excommunicatio latae sententiae). Im Falle der Todesgefahr ist jedoch jeder Priester berechtigt, die Exkommunikation aufzuheben.
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Exkommunikation in der Orthodoxie

In der orthodoxen Kirche ist die Exkommunikation ein Ausschluss von der Eucharistie. Sie ist kein Ausschluss aus der Kirche und hat nicht den gleichen schwerwiegenden Charakter wie in der Westkirche. Die Exkommunikation kann schon aus relativ geringfügigen Gründen ausgesprochen werden, etwa wenn jemand innerhalb des letzten Jahres nicht gebeichtet hat, oder als Exkommunikation auf Zeit als Teil einer Buße.

Neben der Exkommunikation gibt es auch den Ausschluss, indem jemand anathema erklärt wird, aber das geschieht nur in Fällen von schwerwiegender und nicht bereuter Häresie. Auch in diesem Fall wird die Person nicht durch die Kirche verdammt, sondern außerhalb der Kirche sich selbst überlassen.

Erst 1965 wurde die gegenseitige Exkommunikation zwischen Ost- und Westkirche durch Papst Paul VI. und den Patriarchen Athinagoras aufgehoben.
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„Exkommunikation“ im Judentum

Im Judentum wird der biblische Begriff Cherem als Ausschluss einer Person aus der jüdischen Gesellschaft und/oder den Ausschluss gegenüber religiösen Rechten und Funktionen mit Strafcharakter (Exkommunikation) verstanden. Im babylonischen Talmud wird zwischen dem weniger weittragenden Nid(d)ui (zeitlich begrenzter Ausschluss aus der Gemeinschaft, um einen hartnäckigen Frevler zur Umkehr zu bewegen) und der schweren Sanktion des dauerhaften Cherem unterschieden. Zunächst wird dort der Niddui ausgesprochen, verbunden mit der Hoffnung auf Bußwilligkeit des Anspruchsgegners. Beugt sich dieser, wird innerhalb einer dreißigtägigen Frist der Niddui gelöst, sofern ein Ersuchen um Aufhebung besteht. Widrigenfalls wird der Cherem ausgesprochen. Während ein mit dem Niddui Belegter eingeschränkt geschäftsfähig bleibt, werden den mit dem Cherem belegten Personen sämtliche Kontakte untersagt. Zudem dürfen selbige sich nicht die Haare waschen oder ihre Kleidung säubern. Im Falle des Versterbens wird der Sarg mit einem Stein belegt (Steinigung). Diese Strafen wurden in der gaonäischen Zeit sogar noch verschärft. Es galt das Verbot der Brit Mila. Die Heirat von Kindern der mit dem Bann belegten Personen war ebenfalls verboten. Mit dem Cherem belegte Personen wurden wie Nichtjuden behandelt, was Schulausschlüsse, Reinigungsverbote (Mikwe) und die Verweigerung von Bestattungen auf jüdischen Friedhöfen nach sich zog.

Der Cherem wurde als Urteilsspruch in der Synagoge über die Torarolle gesprochen, wobei der Schofar geblasen wurde und alle Anwesenden ihre Kerzen löschten. Inflationäre Anwendung des Cherem ließ dessen Bedeutung sinken. Der berühmteste Cherem-Fall war der des Baruch Spinoza.
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„Exkommunikation“ im Islam

Der Islam kennt als nichtkirchlich organisierte Religion keine Exkommunikation. Es fehlt eine Institution, die dafür zuständig sein könnte. Es gibt allerdings das Konzept der Meidung (al-walā‘ wa-l-barā’a). Al-walāʾ wal-barāʾa (arabisch ‏الولاء والبراءة‎) ist ein Rechtsbegriff und muslimischer Grundsatz im Umgang mit den Anhängern anderer Religionen. Übersetzt heißt es etwa „Freundschaft/Unterstützung und Meidung“. Gemeint ist damit der Grundsatz, sich von allen Nichtmuslimen fernzuhalten und die Nähe von Muslimen zu suchen und diese im Notfall gegen Nichtmuslime zu unterstützen.

Zur Begründung wird häufig folgender Koranvers herangezogen:

„Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde (aber nicht mit euch). Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen (und nicht mehr zu der Gemeinschaft der Gläubigen). Gott leitet das Volk der Frevler nicht recht.“  (Übersetzung Rudi Paret: Sure 5,51, seine Ergänzungen in Klammern)

Muslimische Gelehrte der Gegenwart haben unterschiedliche Lehrmeinungen über diesen islamischen Grundsatz geäußert.

Entsprechend dem die Exkommunikation begründenden Vergehen der Apostasie (Abwendung von einer Religion durch einen förmlichen Akt wie z.B. Austritt oder Übertritt zu einem anderen Bekenntnis) gilt im Islam:

Während der Koran keine diesseitige Strafe für den Abfall vom Islam vorschreibt, soll der Prophet Mohammed gewissen Überlieferungen zufolge das Gebot einer solchen Strafe geäußert haben. Nach der Scharia wird öffentlich verkündeter Abfall vom Islam mit dem Tode bestraft, wenn die Aufforderung zur Rückkehr (istitāba) zum islamischen Glauben nicht befolgt wird.

In Teilen der islamischen Welt ist die Todesstrafe für den Abfall vom Islam nach wie vor vorgesehen. 2010 wurde der Pfarrer Youcef Nadarkhani im Iran wegen Apostasie zum Tode verurteilt und erst nach mehreren Jahren Untersuchungshaft und internationalen Protesten von diesem Vorwurf freigesprochen. In Karthoum im Sudan wurde am 11. Mai 2014 eine hochschwangere Christin wegen angeblichem Abfall vom Islam zu 100 Peitschenhieben und zum Tode verurteilt.

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