Gebot, Gnade und Geschenk (Ev. vom 6. Sonntag der Osterzeit)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

(Joh 14, 15-21)

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Liebe und Gebot

In zwei Wochen feiern wir Pfingsten. Bereits heute erhalten wir im Evangelium einen Vorgeschmack auf den Heiligen Geist. Zugleich erfahren wir, wie sich Liebe und Gebot zueinander verhalten.

Die Wechselbeziehung von Liebe, die geboten wird, und Gebot, das sich in Liebe erfüllt, erscheint hier personalisiert: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ Es sind Seine, also Christi Gebote und wer sie hält, liebt Christus, indem er sich an Seine Gebote hält. Und es ist die Liebe zu Ihm, die sich im Halten der Gebote konkret zeigt, die den, der so liebt, die Liebe Gottes als Geschenk erfahren lässt.

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Gott liebt dich*

Dabei ist bereits die im Gebot eingestiftete Liebe Gottes ursächlich dafür, dass die Gebote überhaupt gehalten werden können, weil und soweit sie gut sind für uns und unsere Gesellschaft und wir das auch zu erkennen vermögen. Diese ordnende Liebe Gottes steht also am Anfang der Kausalkette. Ihr folgt der Gebotserlass, darauf die Gebotstreue des Menschen als Zeichen seiner Liebe zu Christus und zum Vater und schließlich die göttliche Antwort, mit der sich der Kreis schließt: Liebe und Offenbarung.

Diese Beziehung von Liebe und Gebot, von Gott und Mensch, ist durchwirkt vom Heiligen Geist, der hier „ein anderer Beistand“ genannt wird. Anders als Jesus, aber ebenso in der verbindenden, verbindlichen Wirkung. Er ist der „Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt“. Er gibt uns, also: denen, die Ihn kennen, die Kraft, Gottes Gebote zu halten, nicht, weil sie von Gott sind, sondern weil wir in ihnen die Liebe Gottes erkennen. Er befähigt uns zur Liebe, nicht, weil sie geboten ist, sondern weil wir darin den engsten Kontakt zu Christus erahnen.

 

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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