ALLES FÜR DIE WOCHE: Evangelien und Heilige (7.Osterwoche)

Lesejahr: A II, StB: III. Woche

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Die Evangelien dieser Woche bilden den spirituellen Höhepunkt des Neuen Testaments: Johannes 16 und 17. Pater Karl Wallner OCist (Stift Heiligenkreuz) hat in einer seiner eindringlichen Predigten besonders Johannes 17 beleuchtet – und dabei betont, wie klein der Mensch angesichts dieser Worte wird: „Ich habe die Welt besiegt… Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast... Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast… Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht… Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben… Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast… Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.“ Im Angesicht dieser Worte ist nur eines angebracht: Schweigen. Und Gott loben und loben… Der Heilige Augustinus schließlich verweist in seinem Kommentar auf das große Ziel der Kirche: Die Einheit. „Alle Hirten müssen sich also in dem einen Hirten finden; alle müssen nur mit seiner Stimme zu den Schafen sprechen… Alle müssen in voller Übereinstimmung mit ihm die gleiche Sprache sprechen. Diese Stimme, die keine Spaltung mehr kennt und frei ist von aller Häresie, sie muss von den Schafen gehört werden, damit sie dem Hirten folgen, der zu ihnen sagt: „Meine Schafe hören auf meine Stimme und folgen mir“ (Joh 10,27)“.

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Montag, 02. Juni 2014
Montag der 7. Osterwoche

„In jener Zeit sagten die Jünger zu Jesus: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen.
Jetzt wissen wir, daß du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, daß du von Gott gekommen bist.
Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt?
Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.
Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“
(Johannes 16,29-33).

„(Der Knecht:) Mein Herr und Gott! Mir wird so klar, wie sehr ich Geduld benötige; denn mir begegnet im Leben viel Widriges. Was auch immer ich unternehme, um Frieden zu haben – Kampf und Schmerz bleiben mir im Leben nicht erspart.- (Der Herr:) Genauso ist es, mein Kind; aber es ist auch gar nicht mein Wille, dass du einen Frieden suchst, der keiner Versuchung ausgesetzt ist und keine Widerstände kennt. Gerade dann glaube den Frieden gefunden zu haben, wenn du durch vielerlei Trübsale und Prüfungen geläutert und erprobt wirst“ (Thomas von Kempten, Nachfolge Christi, 3. Buch, 12. Kapitel)…

Wie sehr täuschen wir uns manchmal, wenn wir den wahren Frieden, der aus Gott kommt, suchen! … Denn wir suchen oft nicht den Frieden, der aus Gott kommt, sondern vielmehr einen Frieden, wie er in der Welt verstanden wird… Wenn die Welt auf die Suche nach Frieden geht, dann denkt sie an Stille, Ruhe, an Liebe ohne Leiden, die im Grunde verkappter Egoismus ist. Der Mensch sucht diesen Frieden, um sich wohlzufühlen, um nicht leiden zu müssen; er sucht einen Frieden nach menschlichem Maßstab, einen gefühlsbetonten Frieden, einen Frieden, den man sich vorstellt, wie ein in Sonne getauchtes Kloster, mit Zypressen und Vögelchen; einen Frieden ohne Versuchungen und ohne Kreuz…

Heute jedoch lobe ich aus dem Grunde meines Herzens diesen Gott, der mich dermaßen liebt… Er liebt mich mit meinem Schwächen, meinen Sünden, meinen Tränen und meiner Freude; er möchte mich in jenem Frieden wissen, von dem Thomas von Kempten [in seiner Nachfolge Christi] spricht… Wie groß ist Gott! Der Frieden  in meiner Seele gleicht nun dem Frieden eines Menschen, der von niemanden etwas einfordert. Was eine solche Seele im Leben ersehnt, ist nur noch das Verlangen, in Übereinstimmung mit Seinem Willen zu leben; und dieses Verlangen ist ruhig und klar, voll Frieden trotz des Schmerzes, Gott noch nicht schauen zu können. Wenn wir bei Ihm am Kreuz stehen, werden wir oft bittere Tränen weinen. Denn dann merken wir, dass wir immer noch von unserem Eigenwillen beherrscht sind, unzählige Schwächen, Fehler, Sünden haben, und das kann uns nichts anderes als mit Reue erfüllen… Überall herrschen Kampf und Schmerz, doch Jesus befindet sich im Zentrum von allem, ans Kreuz festgenagelt, und er ermuntert die Seele, ihm nachzufolgen. Mitten in der Schlacht, die wir in der Welt zu bestehen haben, ist Jesus da, ganz ruhig und klar, der zu uns spricht: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen“ (Joh 8,12).

(Hl. Rafael Arnáiz Barón [1911 – 1938], spanischer Zisterzienser, Geistliche Schriften, 20.01.1937)

Link zu den Bibeltexten des Tages mit Kommentar (Schott)

Links zu den Tagesheiligen:
Hl. Marcellinus und Hl. Petrus
Hl. Pothinus
Hl. Armin
Hl. Blandina
Hl. Erasmus
Hl. Eugen I.
Hl. Oddar
Hl. Stenfinn

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Dienstag, 03. Juni 2014
Dienstag der 7. Osterwoche

„In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.
Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.
Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.
Sie haben jetzt erkannt, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, daß du mich gesandt hast.
Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.“
(Johannes 17,1-11a).

„Ich sterbe für alle, um allen mein Leben zu schenken“, sagt der Herr, „und um mit meinem Fleisch das Fleisch aller freizukaufen. Denn der Tod wird durch meinen Tod zunichte gemacht werden, und die menschliche Natur, die gefallen war, wird mit mir auferstehen. Darum bin ich einer von euch geworden, d.h. ein Mensch aus dem Geschlecht Abrahams, um ‚in allem meinen Brüdern gleich zu sein“ (Heb 2,17)… Tatsächlich konnte weder der Teufel, der die Macht des Todes hatte, noch der Tod selber auf eine andere Weise besiegt werden; Es war notwendig, dass Christus sich für uns hingab, der Eine als Lösegeld für die Vielen; denn Er stand allen vor. Deshalb wird in den Psalmen gesagt, dass er sich für uns seinem Vater als makelloses Opfer hingegeben hat: „Brand- und Sündopfer forderst du nicht. Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt; darum sage ich: Ja, ich komme“ (Ps 40,7f; Heb 10,5ff)…

Hören wir von seinen eigenen Worten, dass Jesus sein Fleisch für das Leben der Welt hingegeben hat: „Himmlischer Vater“, spricht er, „bewahre sie [in meinem Namen]“, und: „ich heilige mich für sie“ (Joh 17,11,19)… Anders gesagt: „Ich gebe mich hin als makelloses und duftendes Opfer“ (vgl. Gen 8,21; Eph 5,2). Nach dem Gesetz wurde nämlich alles, was auf dem Altar dargebracht wurde, als geweiht, als göttlich und heilig angesehen. Christus hat also seinen eigenen Leib für das Leben aller dargebracht und im Gegenzug sein Leben in uns eingepflanzt… Als dieses Wort aus Gott, Sein lebenspendendes Wort unser Fleisch angenommen hat, hat er es durch die ihm innewohnende Herrlichkeit wiederhergestellt; d.h. mit Leben erfüllt.

(Hl. Cyrill von Alexandrien [380 – 444], Bischof und Kirchenlehrer, Kommentar zum Johannesevangelium, 4, 2)

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Links zu den Tagesheiligen:
Hl. Karl Lwanga und Gefährten
Hl. Erpho von Siegburg
Hl. Hildburg
Hl. Juan Román Grande OH
Hl. Clothilde
Hl. Morandus

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Mittwoch, 04. Juni 2014
Mittwoch der 7. Osterwoche

„In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.
Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.
Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst.
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.“
(Johannes 17,6a.11b-19).

„Jesus kann ganz und gar unsere Seele ausfüllen, sobald sie sich voll Freude ihm überlässt. „Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger“, pflegte Franz von Sales zu sagen. Die Hl. Teresa von Avila machte sich nur dann Sorgen um ihre Schwestern, wenn sie bemerkte, dass eine unter ihnen die Freude verlor.

Den Kindern, den Armen, allen, die leiden und einsam sind, schenkt ein frohes Lächeln; bietet ihnen nicht nur eure tatkräftige Hilfe an, sondern euer Herz. Möglicherweise werden wir nicht in der Lage sein, viel zu schenken, aber immer können wir die Freude verschenken, die aus einem Herzen strömt, was Gott liebt. Liebe ist sehr mitteilsam. Seid also voll Freude, wenn ihr mit Armen zusammen seid.“

(Sel. Teresa von Kalkutta [1910-1997], Gründerin der Missionarinnen der Nächstenliebe, Jesus, the Word to be spoken, ch. 12, 21-22)

Link zu den Bibeltexten des Tages mit Kommentar (Schott)

Links zu den Tagesheiligen:
Hl. Christa
Hl. Filippo Smaldone
Hl. Quirinus
Hl. Werner von Ellerbach

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Donnerstag, 05. Juni 2014
Donnerstag der 7. Osterwoche

„In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, daß du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
Vater, ich will, daß alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, daß du mich gesandt hast.
Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.“
(Johannes 17,20-26)

Ich möchte dir sagen können, o mein Gott: „Ich habe dich auf Erden verherrlicht, ich habe das Werk vollendet, das zu vollbringen du mir aufgetragen hast; ich habe deinen Namen kundgetan denen, die du mir gegeben hast… Mein Vater, ich wünsche, dass, wo ich sein werde, auch diese mit mir seien, die du mir gegeben hast, und dass die Welt erkenne, dass du sie geliebt hast, so wie du mich selber geliebt hast“ (Joh 17,4f). Ja, Herr, das ist es, was ich dir nachsprechen möchte, bevor ich in deine Arme fliege. Ist es vielleicht Vermessenheit? Doch nein, seit langem hast du mir erlaubt, dir gegenüber kühn zu sein. Wie der Vater des verlorenen Sohnes zu seinem Ältesten, so sprachst du zu mir: „Alles, was mein ist, ist dein“ (Lk 15,31). Deine Worte, Jesus, sind also mein, und ich kann mich ihrer bedienen, um auf die Seelen, welche eins sind mit mir, die Gunsterweise des himmlischen Vaters herabzuziehen…

Deine Liebe umsorgte mich seit meiner Kindheit, sie wuchs mit mir heran, und nun ist sie ein Abgrund, dessen Tiefe ich nicht auszuloten vermag. Liebe zieht Liebe an; darum, mein Jesus, stürzt die meine dir entgegen und möchte den Abgrund, der sie anzieht, ausfüllen. Aber, sie ist nicht einmal ein Tautropfen, verloren im Ozean! Um dich zu lieben, wie du mich liebst, muss ich mir deine eigene Liebe ausleihen, dann erst finde ich Ruhe. O mein Jesus, vielleicht ist es Täuschung, aber mir scheint, es sei nicht möglich, dass du eine Seele mit mehr Liebe erfüllst, als du die meine erfüllt hast. Darum wage ich dich zu bitten, jene, die du mir gegeben hast, so zu lieben, wie du mich selber geliebt hast. Wenn ich dann dereinst im Himmel entdecken sollte, dass du sie mehr liebst als mich, so will ich mich darüber freuen, und ich anerkenne schon jetzt, dass diese Seelen deine Liebe weit mehr verdienen als die meine. Hienieden aber kann ich mir keine größere Unermesslichkeit an Liebe vorstellen als jene, mit der es dir gefallen hat, mich umsonst, ohne jegliches Verdienst meinerseits, so verschwenderisch zu beschenken.“

(Hl. Theresia vom Kinde Jesu [1873-1897], Karmelitin, Kirchenlehrerin, Selbstbiographie, C, 34-35)

Link zu den Bibeltexten des Tages mit Kommentar (Schott)

Links zu den Tagesheiligen:
Hl. Bonifatius, „Apostel Deutschlands“
Sel. Ferdinand von Portugal
Hl. Fulger
Hl. Meinwerk

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Freitag, 06. Juni 2014
Freitag der 7. Osterwoche

„In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
Zum zweitenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!“
(Johannes 21,1.15-19).

Ich sehe alle guten Hirten in dem einen Hirten (Joh 10,14). Eigentlich sind die guten Hirten nicht mehrere; sie sind einer, in einem einzigen. Wenn es ihrer mehrere wären, wären sie voneinander getrennt… Wenn der Herr seine Herde Petrus anvertraut hat, dann deshalb, weil er in ihm die Einheit zur Geltung bringen wollte. Die Apostel waren mehrere, aber nur zu einem von ihnen wird gesagt: „Weide meine Schafe“… Wenn Christus diesem einen seine Schafe wie einem „alter ego“ anvertraut hat, so wollte er wirklich mit ihm eins werden. Der Erlöser sollte das Haupt sein, Petrus sollte den Leib der Kirche (Kol 1,18) darstellen… Als er ihm seine Schafe anvertraute – was sagte er da zu Petrus, damit er sie nicht ungerührt in Empfang nähme? „Petrus, liebst du mich?“ Und Petrus erwiderte: „Ich liebe dich.“ Ein zweites Mal: „Hast du mich lieb? Und wieder: „Ich liebe dich.“ Ein drittes Mal: „Hast du mich lieb?“ Und Petrus antwortet zum dritten Mal: „Ich liebe dich.“ Das bedeutete: die Liebe stark machen, um die Einheit zu sichern.

Jesus allein ist also der Hirte in seinen Hirten, und sie sind es nur in ihm… Nicht um Unheil anzukündigen, sagte Gott durch seinen Propheten: „Ich selber werde meine Schafe weiden“, so als hätte er niemanden, dem er sie anvertrauen könnte. Als Petrus noch am Leben war und die Apostel noch auf Erden weilten, sagte da dieser einzigartige Hirte, in dem alle Hirten vereint sind, nicht: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten?“ (Joh 10,16). Alle Hirten müssen sich also in dem einen Hirten finden; alle müssen nur mit seiner Stimme zu den Schafen sprechen… Alle müssen in voller Übereinstimmung mit ihm die gleiche Sprache sprechen. „Ich ermahne euch, Brüder, seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch“ (1 Kor 1,10). Diese Stimme, die keine Spaltung mehr kennt und frei ist von aller Häresie, sie muss von den Schafen gehört werden, damit sie dem Hirten folgen, der zu ihnen sagt: „Meine Schafe hören auf meine Stimme und folgen mir“ (Joh 10,27)“

(Hl. Augustinus (354 – 430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer, Predigt 46, über die Hirten, § 30)

Link zu den Bibeltexten des Tages mit Kommentar (Schott)

Links zu den Tagesheiligen:
Hl. Norbert von Xanten
Hl. Bertrand von Aquileia
Hl. Falko von La Cava
Hl. Kevin von Wicklow
Hl. Claudius
Hl. Marcellin Champagnat
Hl. Gilbert von Neuffontaines

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Samstag, 07. Juni 2014
Samstag der 7. Osterwoche

„In jener Zeit sprach Jesus zu Simon Petrus: Folge mir! Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte,  diesem folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?
Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?
Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, daß er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!
Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, daß er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?
Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist.
Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müßte.“
(Johannes 21,20-25)

Von Anbeginn der Welt lebt Jesus Christus in uns; unser ganzes Leben lang wirkt er in uns…; er hat in sich selbst ein nie endendes Leben begonnen und setzt es in seinen Heiligen fort… Wenn „die ganze Welt all das nicht fassen kann“, was man über Jesus schreiben könnte, über das, was er getan oder gesagt hat, über sein inneres Leben; wenn das Evangelium uns davon nur mit einigen wenigen Strichen berichtet; wenn die erste Stunde so unbekannt und fruchtbringend ist: wie viele Evangelien müssten geschrieben werden, um die Geschichte des mystischen Lebens Jesu Christi in jedwedem Augenblick festzuhalten, wodurch die Wunder ins Unendliche und ewig vervielfacht werden? Denn alle Zeiten sind eigentlich nichts anderes als eine Geschichte seines göttlichen Tuns. Der Heilige Geist ließ einige Augenblicke dieser ausgedehnten Zeitdauer durch Männer von tadellosem und unbestrittenem Charakter festhalten. Er ließ in der Heiligen Schrift einige Tropfen dieses Meeres sammeln; er ließ uns erkennen, auf welch geheime und unbekannte Art und Weise er Jesus Christus der Welt offenbart hat…

Der Rest der Geschichte dieses göttlichen Handelns, der in dem ganzen mystischen Leben besteht, das Jesus bis zum Ende des Zeiten in den heiligen Seelen führt, ist allein Gegenstand unseres Glaubens… Der Heilige Geist schreibt Evangelien nur noch in den Herzen; alles Tun, jeder Augenblick des Lebens der Heiligen ist Frohbotschaft des Heiligen Geistes; die heiligen Seelen sind das Papier, ihre Leiden und Taten sind die Tinte. Mit der Feder seines Handelns schreibt der Heilige Geist ein lebendiges Evangelium. Man wird es erst am Tag der Herrlichkeit lesen können oder es veröffentlichen: wenn es dem Druck des irdischen Lebens nicht mehr unterliegt.

Welch schöne Geschichte, welch schönes Buch der Heilige Geist jetzt schreibt! Es vergeht kein Tag, an dem nicht seine Buchstaben zusammengefügt werden, Tinte fließt, Bögen von Papier damit gefüllt werden. Wir jedoch sind in der Nacht des Glaubens: das Papier ist schwärzer als die Tinte…; es ist die Sprache der anderen Welt, für uns unverständlich. Wir können dieses Evangelium erst im Himmel lesen.“ (Psalm 36,4).“

(Jean-Pierre de Caussade (1675 – 1751), Jesuit, Die Hingabe an die göttliche Vorsehung, Kap. 11, § 191 f)

Link zu den Bibeltexten des Tages mit Kommentar (Schott)

Links zu den Tagesheiligen:
Hl. Deochar
Hl. Robert von Newminster
Sel. Maria-Thérèse Soubiran
Hl. Adalar
Hl. Eoban
Hl. Herkumbert
Hl. Antonius Gianelli

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Sonntag, 08. Juni 2014
PFINGSTSONNTAG

An dieser Stelle freuen wir uns auf eine Deutung des Sonntagsevangeliums durch Josef Bordat. Sein Text wird wie immer ab Freitag Nachmittag online sein!

Link zu den Bibeltexten des Tages

Hl. Ilga
Sel. Maria Gräfin von Droste
Hl. Medardus
Hl. Engelbert von Schäftlarn
Hl. Giselbert von Cappenberg
Hl. Chlodulf
Hl. Wilhelm (William) Fitzherbert von York

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Quellenhinweis: Kommentare der Heiligen via Evangelium Tag für Tag

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