Life Ball – Lust ist teuer

Lust kann in doppelter Hinsicht recht teuer werden: Neben dem Geldaufwand wäre da noch auf den Aufwand an Gewissensfragen zu verweisen, der sich nach so manchem Lust-Kater auftürmen mag… Aber darum geht es in diesem Beitrag nicht. Vielmehr habe ich es ganz spannend gefunden, als Betriebswissenschafter einen Blick auf Erträge und Aufwände zu riskieren. Hätte ich es nur nicht getan!

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Life Ball - Austrian Airlines FLICKR
Die „Institution“ Life Ball – Sponsor Austrian Airlines / FLICKR

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Was bleibt nun von diesem „europäischen Mega-Showereignis“? Zunächst einmal die Erinnerung an die geschmacklosen Plakate für den Ball („Adam und Eva im Paradies“: Adam als Mann mit einer merkwürdigen Blase statt Kopf und Eva als Transsexueller einmal mit Vagina und einmal mit Penis). Der Organisator des Balls und der seit 1992 bestehenden Stiftung LIVE AID, Gery Keszler, hatte zunächst verlauten lassen, es gehe ihm schlicht um Provokation. Na bravo, das ist durchaus gelungen, vor allem auf Kosten verwirrter Kinder.

Provokation? Kunst?

Dann wiederum meinte Herr Keszler, dass es sich beim LifeBall-Plakat (Foto: David LaChapelle) primär um großartige Kunst internationalen Formats handle. Dies ist nun wirklich Ansichtssache; über Herrn David LaChapelle liest man in der englischen Wiki, dass er in den 90er Jahren als Nachwuchsfotograf den einen oder anderen Preis ergattern konnte, dann aber nur mehr durch Auszeichnungen als Vermarkter seiner transsexuellen Musen Amanda Lepore, Carmen Carrera und Katie Johnson aufhorchen lies. Unterm Strich heißt das: Provokation ja, Kunst wohl eher nicht.

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Life ball kostüm - via Bellfrell
Life Ball Kostüm – via Bellfrell

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Hätte ich nur nicht… ja richtig, wir waren bei den Zahlen. Der Rechenschaftsbericht 2012 präsentiert eine Bilanzsumme von € 4.639.363,57 bei unterstützten Projekten in Höhe von € 1.890.967,40 und Aufwänden für Ball und sonstige Kosten in Höhe von (bitte anschnallen!) in Höhe von € 2.639.305,05 !!! Wie gut (das ist nun ironisch gemeint), dass die Stadt Wien Jahr für Jahr mit einer Subvention von € 800.000,00 einspringt. Wie sollte sich’s auch anders ausgehen, wenn bei Projektunterstützungen von 1,9 Millionen Euro nicht weniger als 2,6 Millionen Euro Kosten entstehen…

CHARITY – UM WELCHEN PREIS?

Nehmen wir eine andere erfolgreiche Spendenaktion, die sich in Österreich großer Beliebtheit erfreut: LICHT INS DUNKEL. Einer Bilanzsumme von € 13.272.816,49 und Projekten im Wert von € 11.386.161,00 stehen Aufwände von marginalen € 1.053.686,40 gegenüber! Wenn wir der Fairness halber berücksichtigen, dass LICHT INS DUNKEL keinen Ball zu organisieren hat, sieht es weiterhin Zappenduster aus: Dann bleiben beim LIFEBALL immer noch Verwaltungskosten von 1 Million Euro übrig.

Endlich können wir den direkten Vergleich anstellen: Bei gleich hohen Aufwänden erreicht LICHT INS DUNKEL als österreichische Aktion allein am Hauptspendentag5.485.317,04 und LIFE BALL als „europäisches Ereignis“ schlichte  € 1.078.907,72. Wow, Gery Keszler, wie schön für sie und alle Lust- bzw. Aidshilfe-Begeisterten, dass alle nur auf den Glanz der Kostüme und manch wertvolles Hilfsprojekt achten. Bei diesem Mißverhältnis von Aufwänden und Spenden, Herr Keszler, werden die Rechenschaftsberichte ihrer LIVE AID ganz ohne Zweifel auch in Zukunft zur allgemeinen Unterhaltung beitragen.

AUSBLICK 2015

Werter Herr Keszler, im Hinblick auf künftige LIFE BALL Veranstaltungen wäre es sehr wünschenswert, wenn man in ihren Reihen endlich den Prinzipien der Aufklärung folgen würde. Viele Menschen reden heute von Gleichberechtigung und Gleichbehandlung und berufen sich dabei auf die europäische Geistesentwicklung im Gefolge der französischen Revolution. Dann aber, Herr Keszler, sollte man verstehen, dass die Revolution ihre Kinder frisst (oder die primitive Masche der Provokation sich irgendwann tot läuft) und man zumindest zwei „aufgeklärte“ Leitlinien gegenüber Andersdenkenden berücksichtigen sollte: Kostenbewusstsein gegenüber den Bürgern und Toleranz gegenüber den Gläubigen.

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Anhang für Zahlenbegeisterte:

LIFE BALL (2012)

ERTRÄGE IN EURO

Spenden ungewidmet
1.061.561,24

Spenden gewidmet
17.346,48

Zwischensumme
1.078.907,72

Mitgliedsbeiträge

Betriebliche Einnahmen
2.741.147,45

Subventionen und Zuschüsse
800.000,00

Sonstige Einnahmen
19.308,40

Auflösung von Rücklagen

Summe
4.639.363,57

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AUFWENDUNGEN IN EURO

Leistungen für statutarisch festgelegte Zwecke
1.890.967,40

Projektunterstützung (Auszahlungen 2012)
1.697.178,20

Aufbau Verbindlichkeiten aus Projektzusagen
193.789,20

Spendenwerbung

Aufwendungen für Life Ball 2012 (inkl. AIDS Solidarity Gala und Red
Ribbon Celebration Concert): frei zugängliche Eröffnung am Rathausplatz
und Benefizveranstaltung im Wiener Rathaus, Hofburg und Burgtheater
1.629.548,16

Organisationsaufwand
746.804,58

allgemeiner Verwaltungsaufwand
249.570,25

Verwaltungsaufwand im Zusammenhang mit Spenden
13.382,06

Zwischensumme AUFWÄNDE (excl. Rücklagen)
2.639.305,05

Zuführung zu Rücklagen und Zweckwidmung
109.091,12

Summe
4.639.363,57

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LICHT INS DUNKEL (2012)

GESAMTE ERTRÄGE IN EURO

Gesamte Erträge aus der Aktion 2012/2013
€ 13.272.816,49

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AUFWENDUNGEN IN EURO

434 Projekte aus der Sozial- und Behindertenhilfe
(319 Bundesländerprojekte, 18 gesamtösterreichische Projekte, 97 Projekte der ÖAR)
€ 8.986.820,00

Unterstützung für 5.032 Familien mit 12.455 Kindern im Rahmen des Soforthilfefonds
€ 2.399.341,00

Zwischensumme ALLE UNTERSTÜTZUNGEN € 11.386.161,00

Vorsorge für Projekte und den Soforthilfefonds
Rückstellung Betriebskosten 2013/2014
€ 832.969,09

Verwaltung
€ 1.053.686,40

Gesamte Aufwendungen der Aktion 2012/2013
€ 13.272.816,49

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4 Gedanken zu “Life Ball – Lust ist teuer

  1. Liebe Geschwisder es tut mir Leid das ich in lesder zeit kein Kommedar ab gegeben habe
    mir ist einfach nichts eingefallenn
    Liebe und Lust sind zwei ferschitene schue
    die Lust ist das Leben das Gott nicht Gefält
    die Liebe da kommtes an was man datrunder ferstet
    ob es Liebe ist wie es Gott gefeäld oder Nicht
    Jürgen Kleemann

    1. Oh man wie kann man es eigentlich schaffen so unglaublich viele Rechtschreibfehler zu machen. Gott hätte bestimmt nicht gewollt, so verblödete Menschen als Gefolge zu haben.

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