Gerettet oder gerichtet? (Ev. vom Dreifaltigkeits-Sonntag)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

(Joh 3,16-18)

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Gerettet oder gerichtet?

Eine ganz kurze Perikope, die alles enthält, worauf es im Christentum ankommt. Drei Glaubenswahrheiten werden unmissverständlich formuliert: 1. Gott will, dass wir gerettet werden, wir alle. 2. Dafür wird Gott selbst Mensch in Jesus Christus. 3. Gott überlässt uns die letzte Entscheidung hinsichtlich unserer Rettung.

Wir haben es also selbst in der Hand, weil wir an Jesus Christus glauben können – oder eben nicht. Dabei entscheiden wir: Sind wir gerichtet oder gerettet. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet. Der Glaube schützt vor dem Gericht, der Unglaube ist das Gericht, denn der Ungläubige ist schon durch den Unglauben selbst gerichtet; er hat sich schon selbst gerichtet – ohne weiteres. Der Kirchenvater Chrysostomus hat es einmal so ausgedrückt: „Der Unglaube selbst ist die Strafe des Uneinsichtigen. Denn es ist in sich selbst die größte Strafe, außerhalb des Lichtes zu sein.“

 

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Joh 3,16 - Didier Yo Konan
Joh 3,16 – Didier Yo Konan via NDR

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Doch wie verhält sich diese Betonung der Freiheit des Glaubens (mit der Konsequenz der Rettung) oder des Unglaubens (mit der Folge von Gericht und Strafe) damit, dass der Glaube ein Geschenk Gottes ist? Glaube ist doch Gnade! Richtig, aber diese Gnade wird ja allen zuteil. Der Glaube ist damit der Normalfall des zur Welt gekommenn Menschen. Gott will alle Menschen retten, Christus kommt für alle Menschen in die Welt, die Bibel ist in allen Sprachen erhältlich, die Kirche ist für alle offen. Mehr Einladung geht nicht.

Wer dennoch nicht bereit ist, das Geschenk anzunehmen, richtet sich selbst. Das ist der springende Punkt, das ist zugleich die große Gefahr mangelnder Einsicht in den hier formulierten Zusammenhang von Rettung und Gericht: Dass wir vorbeilaufen an der Gnade Gottes, am Angebot für einen Neuanfang, an dem, was Gott für uns vorgesehen hat – unsere Rettung. Auf diese Gefahr muss die Kirche hinweisen. Nicht so, dass sie die persönliche Freiheit unterdrückt (es muss die Möglichkeit geben, sich für das Gericht und gegen die Rettung zu entscheiden, vgl. „Nachdenken über die Hölle„), aber doch so, dass sie die Einsicht des Einzelnen fördert.

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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3 Gedanken zu “Gerettet oder gerichtet? (Ev. vom Dreifaltigkeits-Sonntag)

  1. Wer dennoch nicht bereit ist, das Geschenk anzunehmen, richtet sich selbst.

    Wenn ich mich recht erinnere bedeutet „gerichtet werden, oder gerichtet sein“ in diesem Zusammenhang ewige Höllenqualen.

    Ich werde also unter Androhung des ultimaten Übels erpresst ein „Geschenk“ anzunehmen. Vielleicht ein Grund, warum so viele Menschen dieses „Geschenk“ nicht mehr haben wollen.

    1. Hallo „Gast auf Erden“, man könnte auch sagen – von Gast zu Gast:

      Was sind denn „Höllenqualen“, was bedeutet das?

      In aufgeklärten Zeiten verharrt die Kirche nicht in mittelalterlichen Diktionen. Die einfachste Annäherung an „Hölle“ ist das Bild der Einsamkeit.

      Da Natur und Mensch ja zufällig entstanden sein sollen – jedenfalls nach dem Denken der Menschen ohne Schöpferglauben – ist das Leben sinnlos. Die demnach erkannte Lebenssituation lässt sich so beschreiben, dass jeder Mensch (jedes Tier, jede Pflanze,…) gänzlich auf sich alleine gestellt, sprich letztlich in totaler Einsamkeit lebt.

      Wer den Götzen Zufall als Lebenscredo wählt und wer (konsequent zu Ende gedacht) den Menschen zum Zentrum allen Denkens und Handelns macht, der darf auch nach dem Tod in der selbstgewählten Hoffnungslosigkeit und dementsprechend in der absoluten Einsamkeit verweilen.

      Die „Hölle“ (d.h. absolute Einsamkeit) ist also keine Strafe, sondern ein selbsgewählter Lebenszustand nach dem Tod !!!

      Wer schließlich nicht begreift, dass er durch die Entscheidung seines freien Willens zu einem glücklichen, gemeinschaftlichen „ewigen“ Leben mit Gott gelangen kann, der ist beschränkt, genauer gesagt selbstbeschränkt.

      Daher hoffen Christen, dass schlussendlich alle Menschen von der Frohen Botschaft Jesu Christi erfasst werden und möglichst wenige Seelen sich in die absolute Einsamkeit begeben.

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