Verfolgung von Christen (Ev. vom 12. so im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Darum fürchtet euch nicht vor ihnen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.  

(Mt 10, 26-33)

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Nachfolge und Verfolgung

Kurz nach Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche, hören wir von der Verfolgung. Tatsächlich gehört die Christenverfolgung von Beginn an zur Geschichte der Christenheit. Als Christus, der Auferstandene, zuvor selbst Opfer von religiös-politischer Verfolgung, den Jüngern begegnet, haben diese die Türen fest verschlossen – aus Furcht vor den Juden (Joh 20, 19), aus Angst vor Übergriffen aus der Mehrheitsgesellschaft Jerusalems. Elf der zwölf Männer, die der Auferstandene anhaucht, denen Er damit den Geist Gottes spendet und denen Er in diesem Geist den Auftrag zur Mission erteilt – wir haben es ja zu Pfingsten gehört –, elf der zwölf Apostel Christi finden in der Erfüllung dieses ihres Auftrags den Tod; allein Johannes überlebte die erste Welle der Christenverfolgung. Jesus, der um sein und um ihr Schicksal weiß, sagt ihnen dreimal, dass sie sich nicht fürchten sollen, nicht vor denen, die ihnen eigentlich nichts anhaben können: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Ergo: Es ist besser, für Gott zu sterben als mit dem Teufel zu leben.

Auch der Völkerapostel Paulus – zu dieser Zeit noch als Saulus an der Spitze der Verfolger (vgl. Apg 6, 58) – stirbt für Gott: Er wird in Rom als Zeuge Christi enthauptet. „Warum verfolgst du mich?“ So lautete die Frage Jesu an Saulus (Apg 22, 7). Dessen Antwort besteht in einer Gegenfrage: „Wer bist du, Herr?“ (Apg 22, 8). Jesus offenbart sich ihm. „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apg 22, 8). Damit ist das Warum der Verfolgung freilich noch nicht geklärt. Vielleicht jedoch schon. Vielleicht steckt die Antwort tatsächlich in der Aussage „Ich bin Jesus“, und vielleicht reicht für die Fälle heutiger Verfolgung bereits „Ich folge Jesus“ als Begründung aus. Vielleicht steckt ja in Jesus selbst der Grund für die Verfolgung. Jesus stört die bestehende Ordnung zugunsten einer neuen Form des Zusammenlebens, deren Regeln sich weniger vom Gesetz her ergeben, sondern vielmehr von der Liebe her. Jesus irritiert die kulturellen und religiösen Grundlagen der Gesellschaft. Das können die Eliten dieser Gesellschaft, die sich auf jene Grundlagen eingestellt haben, die ihre Macht davon ableiten, nicht hinnehmen. In den ersten 300 Jahren starben ungezählte Christen für ihren Glauben. Sie folgen damit ihrem Herrn.

 

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Christenverfolgung in Pakistan - Concealed Christians FLICKR
Christenverfolgung in Pakistan – Concealed Christians FLICKR

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In vielen Wellen der schlimmsten Christenverfolgungen begegnet uns bis heute dieses Muster: Die neue Lehre trifft auf eine alte Ordnung und löst Verunsicherung aus. Daraus resultiert Verfolgung. Es ist die Verunsicherung ob der neuen Lehre Jesu. Jesus selbst ist das erste Opfer der Christenverfolgung. Es ist fortan das Christentum, das irritiert, es sind Menschen in der Nachfolge Christi, die bestehende Ordnungen in Frage stellen. Und es ist die Gesellschaft, die dagegen hält und sagt: „Es war alles in Ordnung (gemeint ist: in unserer Ordnung), bis ihr kamt! Bis ihr kamt und mit euren alternativen Entwürfen die Menschen verunsichert habt!“ Jesus wusste, dass Er den ordnungsliebenden Menschen auf die Füße tritt, wenn Er ihre Spielregeln modifiziert. Wie gesagt: Er wusste auch, was Seinen Jüngern blüht. Wir hören es heute in der Perikope aus dem Matthäus-Evangelium. Im Johannes-Evangelium spricht Er offen vom Grund der Verfolgung, dem „Hass“ auf das Andere: „Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.“ (Joh 15, 18-19). Dieser Hass zeigt sich in der Verfolgung, im Vernichtungswillen. Bis heute. Der Lebensweg Jesu, das Beispiel des Saulus, der zum Paulus wird, und das Martyrium der Apostel mögen den Christen in aller Welt heute Mut machen, Verfolgung auszuhalten und für die Verfolger zu beten.

 

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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