Das Wort für die Unmündigen (Ev. vom 14. Sonntag im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

 

(Matthäus 11,25-30)

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Vater und Sohn

Die heutige Perikope gibt uns einmal mehr die Gelegenheit, Jesus beim Beten zuzuhören. Er wendet sich an den Vater, um Ihn zu preisen. Der Sohn bedankt sich beim Vater dafür, dass Er sich nicht den Weisen und Klugen, sondern den Unmündigen offenbart hat. Es sind in der Tat die Unmündigen, die Gott in Christus anspricht, nicht die Weisen und Klugen – schon gar nicht die, die sich dafür halten. Es sind die, die am Rand stehen. So gefällt es Gott.

Damit lernen auch nur die Unmündigen Gott wirklich kennen, denn nur durch die Vermittlung Jesu ist es überhaupt möglich, etwas von Gott zu erfahren. Es ist klar, dass es ein offenes Gemüt und eine unvoreingenommene Haltung braucht, um das Geschenk der Offenbarung annehmen zu können. Wer hingegen meint, schon alles zu wissen, wird sich nichts mehr sagen lassen. Jesus lebt in einer Gesellschaft, in der es viele Religionsexperten gibt, die alle besser wissen, was und wie Gott ist. Der Konflikt mit Gottes Sohn ist daher vorprogrammiert.

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Jesus Heiler - sea turtle FLICKR
Jesus und der Arme, Unmündige (Foto sea turtle FLICKR)

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Und die Weisen und Klugen – gehen sie zwangsläufig leer aus? Nicht unbedingt. Ich denke, es verhält sich ähnlich wie mit den Reichen: Sie haben es schwerer, Gott zu finden, weil sie vieles mit sich herumschleppen, das ihre Aufmerksamkeit braucht, das sie von Gott ablenkt. Doch unmöglich ist für sie die Gottesbegegnung nicht, wenn sie nur ihren Stolz auf das eigene Vermögen aufgeben, wenn sie das Joch an Vorprägungen ablegen und sich ganz auf Christus einlassen.

Dass es sich für sie, aber auch für die unbelasteten Unmündigen lohnt, das dafür nötige Gottvertrauen aufzubringen, wird im zweiten Teil dieses kurzen Evangeliums deutlich, wenn Jesus den Menschen gleichsam zuruft: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“ Wer möchte – unabhängig vom Bildungsstand – einem solchen Herrn nicht folgen?

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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2 Gedanken zu “Das Wort für die Unmündigen (Ev. vom 14. Sonntag im JK)

  1. Liebe Geschwister es ist gut Jesus zu haben
    weil wir ihn lieben, und dass wir zu denen gehen die unmündig sind.
    Wir predigen das Evangelium denen die unmündig sind. Amen.
    jürgen Kleemann

    1. Lieber Jürgen, ich danke dir für die Treue, mit der du die Beiträge auf ZEIT ZU BETEN liest und kommentierst – das muss einmal gesagt werden!

      Das Evangelium ist bei den Unmündigen gut aufgehoben, da sind wir uns einig. Aber wer sind „die Unmündigen“?

      Zu seiner Zeit war Jesus den Reichen zu arm, den Gebildeten zu einfach, den Frommen zu frei. Aber die Wahrheit Gottes, seine Heiligkeit und seine Liebe leuchteten in allem, was er sagte und tat. Die Armen im Geiste (z.B. diejenigen, die losgelassen haben von den Anhänglichkeiten des irdischen Lebens) und die tatsächlich Armen (die „Menschen an den Rändern“) verstehen das besser, auch heute.

      Die Unmündigen sind näher an der Verkündigung. Als Unmündige mag man jene verstehen, die benachteiligt sind, in welcher Form auch immer. Es können auch Menschen sein, die sich in seelischer Not befinden, so beten wir „…und führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.“

      Schließlich dürfen wir an die Menschen reinen Herzens denken. Ihnen ist eine Armut zu eigen, die schon eingangs erwähnt wurde: Frei von den vielfältigen Anhänglichkeiten, die unsere Lebensumstände bereithalten, zurückgekehrt von unzähligen Irrwegen, die in verführerischem Licht glänzen. So führt uns auch dieses Evangelium zum christlichen Auftrag: Loslassen, Umkehr, Reinheit – um in geistiger Armut und im Gleichmut gegenüber materiellen Gütern dem Wort und Werk Gottes näher zu sein.

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