Habgier… oder Ernten und Danken (Ev. vom 27. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

(Lk 12, 15-21)

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Ernten und Danken

Heute lässt die Leseordnung einige Varianten zu: Regulär wäre Das Gleichnis von den bösen Winzern aus dem Matthäus-Evangelium an der Reihe (Mt 21, 33-43), doch wenn das heutige Erntedankfest in der Heiligen Messe gefeiert wird, dann kann sich der Zelebrant auch für eine von zwei Stellen aus dem Lukas-Evangelium entscheiden, für die Erzählung vom reichen Narren (Lk 12, 15-21) oder für die vom dankbaren Samariter (Lk 17, 11-19). Ich möchte mich auf das Thema Ernten und Danken einlassen.

Wir ernten, um davon zu leben, jetzt und in der nächsten Zeit. Klar, wir müssen Vorräte aufbauen, um den Winter zu überstehen. Das mussten schon die Menschen vor 2000 Jahren und auch wir sind auf Tiefkühltruhe und (etwas traditioneller) auf Einmachgläser angewiesen, um in den nächsten Wochen und Monaten über die Runden zu kommen, ehe die Natur wieder soweit ist, neue Früchte abzuwerfen.

Dennoch sollen wir uns bei all unserer Planung und Vorsorge nicht zu sicher fühlen. Wir müssen die Macht des Augenblicks anerkennen. Es ist nicht möglich, uns dieser Macht zu entziehen. Daher beten wir auch nicht nur einmal um ein gutes Auskommen in Zukunft, sondern immer wieder um das „tägliche Brot“, das uns „heute“ geschenkt werde. Morgen beten wir erneut um das morgige Brot. Doch heute ist heute. Wir müssen im gegenwärtigen Augenblick bleiben, sonst leidet unsere Beziehung zu Gott.

Gott weiß das und gibt uns gerade so viel, wie wir zum Leben brauchen. Das Manna, das Er Seinem Volk in der Wüste regnen ließ, reichte immer nur für einen Tag. Dann war wieder das Vertrauen zu Gott gefragt, zu Gott, der uns genug gibt. Er gibt uns genug. Dass Menschen hungern, liegt nicht daran, dass es insgesamt zu wenig Nahrung gäbe, sondern daran, dass die Nahrungsmittel ungleich und ungerecht verteilt sind. Die Erde aber trägt genug für alle Menschen. Es ist also gar nicht nötig, dass wir die Früchte der Erde horten.

Zumindest nicht über Gebühr. Die neue, größere Scheune ist gerade das Problem des reichen Narren, sein Gedanke, damit zur Ruhe zu kommen und das Leben fortan mühelos gestalten zu können. Diese Haltung löst die heftige Reaktion Gottes aus. Statt unsere Pfründe zu sichern, sollten wir dankbar sein – wie der Samariter, der zu Jesus zurückkehrt, sich in seinem Dank noch einmal an Ihn wendet, nachdem er Ihn mit den anderen Aussätzigen um Sein Erbarmen angefleht hatte.

Beides – Bitte und Dank – geschieht aus Glauben. Jesus erkennt das ausdrücklich an. Auch die Kirche kennt in Bezug auf die Ernte beides: die Bitte, die sich traditionell in den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt an Gott richtet (vgl. „Zum Brauch der Bitttage„), und den Dank, der heute zum Erntedankfest ausgesprochen wird. Beides – Bitte und Dank – sollte in unserem Beten einen festen Platz haben.

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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