Gewand, Gesellschaft und Gnade – ein Gleichnis (Ev. vom 28. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert (eingeladen zu werden). Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen. Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen. Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.

(Matthäus 22, 1-14)

*

Hochzeitsgesellschaft

Warum greift der König nur so hart durch, als ein Gast ohne Hochzeitsgewand erscheint? Er lässt ihn ja immerhin „hinaus in die äußerste Finsternis“ werfen, wo er „heulen und mit den Zähnen knirschen“ wird. Und alles bloß, weil er gegen den „dress-code“ verstoßen hat? Nun, es ist nicht ganz so einfach! Der König hatte ja zur Hochzeit seines Sohnes geladen, und die Diener haben das so verkündet, damit jeder und jedem klar ist, was sie oder ihn erwartet, eben unter anderem, dass man ein Hochzeitsgewand trägt. An dem Tragen des Hochzeitsgewands zeigt sich, dass derjenige, der es trägt, sich bewusst ist, dass er sich auf einer Hochzeit befindet. Er hat sich auf die Einladung eingestellt, auf das Ereignis vorbereitet.

Er hat damit, so könnte man sagen, den Willen des Gastgebers, nämlich eine Hochzeit durchzuführen, erkannt und befolgt. Wer kein entsprechendes Gewand trägt, zeigt ja damit, dass er gar nicht zur Hochzeitsgesellschaft dazugehören will. Was immer ihn motiviert, es ist nicht sein Motiv, den Willen des Gastgebers zu respektieren. Und das sollte man als Gast. Und so sollen wir den Willen des Königs, des Vaters im Himmel, also den Willen Gottes tun, um zu zeigen: Ja, wir wollen bei dem, was Du vorhast, dabei sein. Das Hochzeitsgewand ist ein Bild für die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, für die Bereitschaft, sich auf Gottes Regeln einzulassen.

Wer das nicht will, der muss dann eben die Konsequenz ziehen und gehen bzw. wird dann die Konsequenzen zu tragen haben. Denn es gehört zur Freiheit des Menschen, auch unangemessen gekleidet, um in dem Bild zu bleiben, vor Gott zu treten. Nur kann nicht erwartet werden, dass jemand, der sich nicht redlich bemüht, den Willen Gottes zu tun, die gleiche Gnade erhält wie jemand, der sich sehr wohl bemüht. Und Gnade brauchen wir. Von Anfang an. Schon das Gewand können wir nicht selber schneidern. Es ist ein Geschenk Gottes.

 

 

***

Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

***

+

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s