Berliner Mauer und Jerusalemer Tempel (Ev. vom 32. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

(Joh 2, 13-22)

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Kirche und Staat

Es ist wohl kaum möglich, eine Betrachtung zum Evangeliumstext des heutigen Sonntags zu versuchen, ohne dabei auf das Datum zu schauen und an ein besonderes Ereignis der deutschen Geschichte zu erinnern: an den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren. Dass es dazu kam, verdanken wir der Friedlichen Revolution in der DDR. Diese wiederum nahm ihren Ausgang in Friedensgebeten. Der sozialistische deutsche Staat, der wie kaum ein anderer zwanghaft versuchte, die Kirche auszusperren aus der Gesellschaft, scheiterte nicht zuletzt, weil er damit scheiterte. In der Kirche konnten sich Kräfte sammeln, die, einmal losgelassen, in wenigen Wochen das ganze Land an sich zogen. Fast schon ein Wunder.

Das Verhältnis von Kirche und Staat ist heute wieder ein heißes Eisen. Wie kirchlich sollen staatliche Einrichtungen wie etwa Schulen sein, wie weltlich die Kirche? Das betrifft auch Fragen der Wirtschaft und der Finanzen. Wie ist es mit der Kirchensteuer, wie ist es mit Unternehmen in der Trägerschaft der Kirche? Wieviel Kirche brauchen Staat und Wirtschaft, wieviel Staat und Wirtschaft braucht die Kirche?

Jesus hat die Grenzen der Interaktion markiert (Kaiser ist Kaiser, Gott ist Gott; vgl. Ev. vom 19. Oktober 2014, Mt 22, 15-21) und sich zudem deutlich bemerkbar gemacht, wenn strukturelle Ungerechtigkeiten sichtbar wurden, die man durchaus für die damalige Situation Alt-Israels als „staatliche“ Angelegenheit ansehen kann (schließlich war das Gesetz des Mose den Juden gleichermaßen Grundlage ihrer Religion und ihrer Politik); man denke etwa an die Begebenheit mit der Ehebrecherin (vgl. Joh 8, 1-11). Und Er hat sich dagegen gewehrt, dass die Grenzen in Richtung Religion überschritten wurden. Hier kommen wir zum Thema der heutigen Perikope: die so genannte Tempelreinigung.

Jesus will den Tempel frei halten von weltlichen, i. e. wirtschaftlichen Interessen. Verkäufer und Geldwechsler haben im Haus Seines Vaters nichts zu suchen. Er treibt sie hinaus, ohne Wenn und Aber. In heiligem Eifer stellt Er die göttliche Ordnung wieder her, macht aus dem zur Markthalle umfunktionierten Tempel wieder das Haus Gottes. Jesus darf das. Denn Er selbst trägt die Ordnung Gottes in sich, Er selbst verkörpert den reinen Tempel. Mit der Auferstehung wird dies offenbar.

Was würde Jesus der Kirche heute raten, die Er ja selbst beauftragte, das Vermächtnis Seiner Botschaft in die Welt zu tragen? Was ist dafür an Weltlichkeit nötig? Was jedoch ist bloßer Kuhhandel mit dem Zeitgeist? Eines steht fest: Unser Eifer für die Kirche darf sich nicht in den äußeren Dingen erschöpfen. Es muss ein Eifer sein, der auf Christus blickt – und durch Ihn und mit Ihm und in Ihm auf den Vater.

Josef Bordat

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Liebe Leser,

wir befinden uns bereits in der letzten Woche der Schwester Robusta Wahl  2014.

Viele engagierte und ehrenamtliche Blogs stellen sich dieser Wahl und freuen sich sehr, wenn Leser
ihrer Meinung Ausdruck verleihen, welcher Blog ihre Aufmerksamkeit und Wertschätzung genießt.

Wir bezahlen aus eigener Tasche gerne dafür, dass keinerlei Werbung auf diesem Blog erscheint,
und hoffen, dass man uns die folgende Werbeeinschaltung in eigener Sache nachsieht ;-)

Liebe Grüße und viel Segen an alle,

Stefan und Manuela Ehrhardt

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Robusta Wahl 2014

PS:  Ihre Stimme für Josef Bordat (jobo72),  der jede Woche den Kommentar zum Evangelium für ZEIT ZU BETEN verfasst,
können Sie in den Kategorien Qualität, Politik, Kultur, Zwerchfell und Großmaul abgeben. Hier geht’s zu allen Kategorien:

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Robusta Wahl 2014

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