An alle Wallfahrer: Wieder zu Hause – und dann?

Hast du nicht auch schon erlebt, dass du eine Wallfahrtskirche besucht oder auch eine größere Pilgerfahrt unternommen hast, um dich dann zu Hause zu fragen: Und jetzt?  Wie lebe ich all die guten Erfahrungen, Eingebungen und Einsichten in meinem konkreten Alltag?

Dazu gibt es eine aufschlussreiche Geschichte, die ich für die Leser dieses Blogs nacherzählen möchte.

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Lieber Pilger, lieber Gottsucher! Wenn du am Wallfahrtsort ankommst, bist du eingeladen, in der Kirche zu beten, die heilige Messe zu feiern, das Sakrament der Buße zu empfangen, Jesus im Allerheiligsten Sakrament des Altares anzubeten, am Kalvarienberg zu beten. Ich glaube, du hast das getan. Ich hoffe, du hast deinen Glauben, deine Liebe und deine Hoffnung erneuert und dich überzeugt, dass Gott nahe ist.

In der Tat, Gott ist hier allen nahe, die Ihn suchen. Er lässt uns hier Seine Gegenwart spüren, Er lässt hier die Herzen in Liebe zu Ihm entflammen. Er gibt uns Kraft, dass wir uns Ihm übergeben. Gott hat hier – wenn du dich an einen Marienwallfahrtsort begeben hast, durch Maria – die Quellen des Friedens erschlossen.

Ich bin überzeugt, dass du jetzt eine Frage auf deinen Lippen hast, die viele Pilger beunruhigt: Hier ist es schön, hier ist es leicht. Hier beten alle, hier suchen alle Gott. Aber daheim? Was kann ich dort tun, damit mein Friede wächst, damit sich die Liebe entfaltet, damit das Vertrauen das Misstrauen überwindet, damit der Geist der Versöhnung stärker wird als die Friedlosigkeit? Diese Frage ist sehr wichtig.

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Berg Tabor - Verklärung

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DER BERG TABOR

Wallfahrtsorte sind für die Pilger so etwas, wie es der Berg Tabor für die Jünger Jesu war: Sie sollten sich überzeugen, dass es möglich ist, die Liebe zu leben und die Herrlichkeit Gottes zu erleben, aber dann müssen sie nach Hause gehen, in die eigene Stadt Jerusalem, in den eigenen Alltag, an die Arbeit, zum Studium, unter die Menschen, die ihre Überzeugung nicht teilen.

Ja, man muss nach Hause gehen! Am Wallfahrtsort hast du in der Kirche lange, sehr lange gebetet. Es war für dich nicht schwer, bei gutem und schlechtem Wetter den Weg zu Gott zu suchen. Und das war schön. Vergiss jetzt die Pfarre und die Kirche des Wallfahrtsortes, kehre nach Hause zurück und nimm in deiner Erinnerung die Orte und die Ereignisse der Pilgerfahrt mit!

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Kreuzberg Kreuzigung

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DEIN KREUZBERG

Eines wissen wir ganz sicher: Daheim hast du auch deinen Kreuzberg, dein Kreuz und dein Leid. Du hast ihn daheim gelassen, er wartet auf dich! Aber hab keine Angst! Der Kreuzweg am Wallfahrtsort ist keineswegs leichter zu begehen als dein Kreuzberg daheim.

Darum, wenn auch jetzt dein Kreuz daheim steht und auf dich wartet und der Weg hinauf zum Kreuz gepflastert ist mit Elend und Leid, an dem du selbst gar nicht schuld und wofür du gar nicht verantwortlich bist, baue jetzt einen kleineren Berg, baue deinen Berg Tabor, gleich daneben auf!

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Bibel

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DEIN ALTAR

Dann wird auch der Kreuzberg eine neue Farbe bekommen und in einen neuen Frieden und eine neue Hoffnung eingehüllt sein. Baue deinen Berg Tabor in einer Ecke deiner Wohnung oder deines Hauses auf. Ein kleines Kreuz soll auf ihm stehen, eine Kerze, die Heilige Schrift, der Rosenkranz, ein Betschemel. Hier wirst du auch deinen Kreuzberg, deinen Lebensweg und dein Ende besser verstehen. Neben deinem Berg Tabor wird der Kreuzberg zum Ort der Auferstehung, denn der Kreuzberg steht nicht deswegen da, damit wir daran scheitern und ins Verderben stürzen; er ist viel mehr das Zeichen unseres Heiles und der Weg zu unserer Erlösung.

Merke dir gut: Maria hat die Worte Jesu ernst genommen; Sie stand unter dem Kreuz ihres Sohnes und – Sie geht mit dir auf deinen Kreuzberg hinauf. Stellen wir uns vor, dass die Stimme Gottes durch Maria zu uns spricht:

„Dies sind Tage, in denen der Vater allen, die ihre Herzen öffnen, besondere Gnaden gibt. Ich segne euch und wünsche, dass ihr diese Gnaden erkennt und alles Gott zur Verfügung stellt, damit Er durch euch verherrlicht wird. Mein Herz begleitet behutsam jeden eurer Schritte!“

Diese Botschaft gilt für alle Pilger, egal ob du nach Santiago de Compostela, nach Altötting, nach Fatima oder Medjugorje aufgebrochen bist. Diese Botschaft ist für dich und für mich bestimmt.

Geh nach Hause und sei gesegnet für alle Zeit von dem, der da gesegnet ist in alle Ewigkeit.

Nun baue deinen eigenen Berg Tabor. Baue einen Altar, auf dem du jeden Tag dein Kreuz und deine Schmerzen, dein Leid und dein Elend, deine Hoffnungen und Freuden, deine Liebe und deinen Glauben aufopferst. So wirst du deine Kirche haben, deinen Kreuzberg und deinen Berg Tabor. So wird Gott mit dir sein, und Maria wird fürsorglich deine Schritte begleiten.

Geh hin in Frieden! Bringe Frieden und Segen!

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So betrachtet scheint es gar nicht so schwer zu sein, den Schatz, den man am Wallfahrtsort gefunden hat, zu Hause zu bewahren und zu neuem Leben zu erwecken. Ja, ich will es ernsthaft versuchen. – Und du, lieber Pilger, machst du mit?

Der Hinweis auf die Quelle dieses anschaulichen Textes darf nicht fehlen: er stammt vom Franziskanerpater Slavko Barbaric, einem Mann, dessen Leben man heilig nennen darf. Eine Geschichte als wunderbarer Ratgeber, als eine der vielen Früchte katholischer Wallfahrtsorte.

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PS: Pater Slavko hat diesen Text in Medjugorje für die Pilger von Medjugorje geschrieben. Doch wie die obige Version zeigt, hat der Weg, den dieser Text beschreibt, universelle Bedeutung für jeden Wallfahrer und jeden Wallfahrtsort.  P. Slavko Barbaric, „Betet mit dem Herzen“, letztes Kapitel.

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4 Gedanken zu “An alle Wallfahrer: Wieder zu Hause – und dann?

  1. Danke lieber Stefan, für diesen Artikel. Ich bin auch so ein Pilger, der am liebsten auf dem Berg Tabor oben bleiben würde. Spielt es aber nicht. Nach einer Wallfahrt, die einen total erfüllt, ist es für mich total schwer zu Hause „anzukommen“ ohne zu fallen. Es ist schwer das richtige Maß zu finden, einerseits den Frieden weiterzugeben, anderseits den Alltag zu händeln. Zu wissen, dass Maria nicht von meiner Seite weicht, gibt mir Kraft auch in schwierigen Situationen, dazu zu stehen, den Weg mit Maria und Jesus zu gehen. Gottes Segen Regina

    1. Liebe Regina,
      danke für deinen Kommentar, der ganz aufrichtig wiedergibt, was die meisten von uns beschäftigt:
      Unsere Kirche (einschließlich vieler Wallfahrtsorte) ermöglicht uns tiefgehende Erlebnisse – und dann stehen wir zu Hause vor vielen Problemen…
      danke für deine Zeilen.
      Und weil so viele von uns diese Schwierigkeiten erleben, bin ich Pater Slavko sehr dankbar, und natürlich Pfarrer Erich Neidhart, der in seiner famosen Predigt in Lang genau auf diese Gedanken von P. Slavko Barbaric Bezug genommen hat (Gott liebt dich sehr, Pater Slavko, daran besteht für mich kein Zweifel).
      LG an dich, Regina, und die vielen Kirchberger…
      LG Stefan

  2. Vielen herzlichen Dank! Und wieder wurde mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert….und wieder ein kleines geschenktes Päckchen hinterlassen….was kann ich da mehr sagen als „Danke“

    1. Hallo Pia,
      der im Jahr 2000 verstorbene Pater Slavko freut sich sicher “von oben”, wenn seine Texte gut aufgenommen und befolgt werden
      …und er hat wunderbare Texte über das Beten, das Fasten, den Rosenkranz, das Beichten, die Eucharistie und viele Themen mehr hinterlassen – sehr empfehlenswert!
      Über den Buch-Link im Beitrag findet man in der Buchhandlung “Tiberias” viele seiner Veröffentlichungen, und der Versand erfolgt weltweit…
      LG Stefan

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