Was ist unser Talent? (Ev. vom 33. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder. Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

(Mt 25, 14-30)

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Talente nutzen!

Was ist unser Talent? Was ist unser Schatz? Ganz gewiss der Glaube! Diesen dürfen wir als Christen nicht vor der Welt verbergen, sondern müssen ihn klug verwalten. Dazu ist die Kirche da. Doch viel zu oft lässt sie sich zurückdrängen aus der Gesellschaft, aus den Debatten. Und wer nicht teilhat an dem, was läuft, dem wir auch noch weggenommen, was er hat, was er zu haben glaubt. Wer sich nicht zeigt in der Welt, der wird auch im Innersten verkümmern.

Christoph Kardinal Schönborn hat dies einmal auf die Kirche in Europa bezogen: „Europa ist das Christentum anvertraut worden, ein großes Vermögen, denn der Glaube vermag viel. Das sieht man in Europas Geschichte: die vielen Dome und Klöster, die Spitäler und Pflegeeinrichtungen, die Sorge um Kinder, Kranke, Behinderte, der Sinn für soziale Gerechtigkeit, für den Samariterdienst an Notleidenden: All das ist das Ergebnis eines guten Wirtschaftens mit den Talenten des Evangeliums. Die Generationen vor uns haben den Schatz des Evangeliums nicht vergraben. Sie haben das Evangelium praktiziert. Wir zehren noch heute davon. Werden die nächsten Generationen das von uns sagen können?“

Diese Frage sollte uns keine Ruhe lassen, in Österreich, in Deutschland, in Europa. Denn einst wird der Herr zurückkommen, um von uns, Seinen Dienerinnen und Dienern, Rechenschaft zu verlangen. Er wird uns fragen, wo wir waren, wo die Kirche war, als man daran ging, in einem neuen Anlauf unter den alten Vorzeichen des Fortschritts den Begriff der Menschenwürde schrittweise abzubauen. Er wird uns fragen, wie wir mit dem wertvollsten aller Talente, der Liebe, umgegangen sind. Haben wir sie in der Erde versteckt, aus Angst vor der eigenen Courage? Oder konnten wir ihre Kraft verdoppeln, indem wir sie teilten mit unserem Nächsten?

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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