Tagesheiliger Odo von Cluny – Reformer der Orden und Bewahrer des Glaubens

Der spätere Abt von Cluny trat nach Abschluss seiner ritterlichen Erziehung am Hof Wilhelms von Aquitanien als 19jähriger in den Benediktinerorden ein. Sein Vater hatte den um 880 (vermutlich) in Aquitanien geborenen Sohn dem Heiligen Martin von Tours geweiht.

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Kloster von Cluny
Kloster von Cluny zur Zeit von Abaelard

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Nach Studien in Tours und Paris wurde er Kanoniker in St. Martin in Tours. Die Zerstörung der Stadt durch die Normannen (903) und seine Enttäuschung über das verweltlichte Leben der Kleriker bewogen ihn nach seiner Priesterweihe zum Eintritt ins Kloster Baume (Baume-les-Messieurs).

Abt Berno bestimmte Odo zu seinem Nachfolger, aber wegen des Widerstandes von Bernos Verwandtem Wido musste er 924 in das von Berno gegründete Kloster Cluny ausweichen. Hier wurde er nach Bernos Tod (927) der zweite Abt.

931 erwirkte Odo von Papst Johannes XI. für Cluny das Privileg, Mönche anderer Klöster aufnehmen und andere Klöster ganz übernehmen zu können; damit wurde er zum eigtlichen Begründer des Reformklosters Cluny. In Anlehnung an Benedikt von Aniane entwickelte er das Mönchtum fort und gewann damit Achtung und Freundschaft der Großen seiner Zeit. In Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon heißt es:

„Der Abt [Berno], welcher [Odos] Tüchtigkeit schon kannte – denn er stand schon damals in dem Rufe »einer offenen Bibliothek« (aperta bibliotheca) – machte ihn sogleich zum Vorstand der Klosterschule und veranlaßte ihn, da er nicht wollte, unter Hinweisung auf den klösterlichen Gehörsam die Priesterweihe zu empfangen, welche ihm der Bischof Turgio von Limoges ertheilte. Bei dieser Gelegenheit kam die Sprache auf den beweinenswerthen Zustand, in welchem die Kirche, namentlich die Priester und Religiosen beiderlei Geschlechts, sich damals befand, und der hl. Odo bediente sich dabei so treffend einer Stelle aus den Klageliedern des Propheten Jeremias, daß der Bischof ihm auftrug, diese Gedanken schriftlich auszuführen. Erst nachdem der Abt ihm die Erlaubniß gegeben hatte, that es der Heilige in drei Büchern, welche in verschiedenen Kirchen mit großem Interesse gelesen wurden, und noch größern Nutzen stifteten.“

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Odo von Cluny
Heiliger Odo Cluniacensis Abbas

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„Der Heilige kam dreimal nach Rom; vielleicht trug sich das eben Erzählte zu, als Leo IX. im J. 939 ihn als Vermittler zwischen dem Longobardenkönig Hugo und dem römischen Fürsten Alberich gerufen hatte. Ein anderes Mal kam er nur des Gebetes halber nach Rom; er besuchte mit innigster Andacht, stets zu Fuß gehend, die heiligen Orte zur allgemeinen Erbauung. Ein drittes Mal führte ihn die Reform des Klosters des hl. Paulus außerhalb der Mauern, wo er die Observanz von Clugny einführte, in die Hauptstadt der katholischen Kirche. Die Thätigkeit, welche er in letzterer Beziehung entfaltete, grenzt an’s Unglaubliche. Unter den von ihm reformirten Klöstern werden zehn von Mabillon genannt, wahrscheinlich sind es aber nicht alle.“

„Folgende Stelle über das hl. Altarssacrament mag hier Platz finden, weil sie ein kräftiges Zeugniß seines Glaubens und seiner Andacht bildet: »Die Wohlthat des hochheiligen Geheimnisses des Leibes unseres Herrn ist so groß, daß sie alle Wohlthaten, welche Gott den Menschen erwiesen hat, weit überragt. In diesem Geheimnisse besteht das Heil der ganzen Welt. Wenn es unwürdig begangen wird, geschieht deßhalb der göttlichen Majestät täglich die größte Beleidigung. Darüber muß man Schmerz empfinden, und wenn wir es nicht verbessern können, auf jede Weise unsern Schmerz durch Seufzen zu erkennen geben, und dadurch, daß wir Widerspruch erheben, wenigstens bewirken, daß die Stimme Christi uns nicht als Mitschuldige anklage mit den Worten: Ich erwartete, daß Jemand mit mir traure, und es fand sich keiner.«

Odo erhielt zahlreiche Reformaufträge; ihm wurden Klöster zur Leitung übertragen, ohne dass damit eine Zuordnung zu Cluny folgte, so in Fleury, Aurillac, St-Julien in Tours oder S. Paolo in Rom. Andere Klöster wurden Cluny unterstellt, darunter Romainmôtier, St-Fortunat in Charlieu, Sauxillanges und Souvigny. Zahlreiche Reformen erfolgten in weiteren Klöstern in Frankreich und Italien.

Odo war Freund der Könige, Vertrauter der Bischöfe und geschätzt von den Großen. Auf Bitten der Päpste unternahm Odo drei Reisen nach Rom, auch um im Konflikt mit König Hugo von Italien zu vermitteln. Er war von höchster Gelehrsamkeit, seine Sprache war kraftvoll und sehr anschaulich; sein Umgang mit Menschen geprägt von Freundlichkeit und Sympathie.

Sein Ziel war die Reinheit des mönchischen Ideals, vor allem und ganz besonders dem der Armut; im Mönchtum sah er die Fortsetzung des Lebens der Urkirche; damit wollte er die Kirche aus den Wirren und Verfehlungen jener Zeit herausführen. Odos Biographie verfasste sein Schüler Johannes von Salerno bald nach seinem Tod. Seine Reliquien liegen heute in L’Isle-Jourdain bei Toulouse.

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Stift Heiligenkreuz im Wienerwald
Stift Heiligenkreuz im Wienerwald

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Wenn man heute an einflussreiche Klöster denkt, ist im deutschsprachigen Raum das Stift Heiligenkreuz bei Wien zu nennen, das aus der Tradition französischen Mönchtums schöpft (Kloster von Clairveaux) und sich zur größten Priesterausbildungsstätte in unserem Sprachraum entwickelt hat.

Inwieweit die großen Klöster unserer Zeit dazu beitragen werden, „aus den Wirren und Verfehlungen der Zeit“ herauszuführen, wird man in ein bis zwei Generationen besser einschätzen können. Für den Großraum Wien kann ich jedenfalls bezeugen, dass Zisterzienserpatres und Augustiner Chorherren (u.a. der Herr Alipius) in den von ihnen betreuten Pfarren ganz konkret dazu beitragen.

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Quellen: Ökumenisches Heiligenlexikon und Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

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