Wer IHN liebt, liebt den Menschen (Ev. vom Christkönigssonntag)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

(Matthäus 25, 31-46)

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Schaf sein und helfen.

Am Christkönigssonntag hören wir das Evangelium vom Weltgericht. Die große Scheidung in Schafe und Böcke steht an. Nicht nach Rasse oder Geschlecht, nach Hautfarbe oder Nationalität wird hier getrennt, wie wir Menschen das gerne tun, sondern danach, wie die Menschen sich zueinander verhalten: das Gute erhält seinen Lohn, das Böse seine Strafe. – „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ und „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“ Das sind die zentralen Botschaften des Christkönigsevangeliums. Jesus meint es ernst mit der Einheit von Gottes- und Nächstenliebe: Wer ihn liebt, liebt den Menschen. Und umgekehrt.

Karl Kardinal Lehmann hat dazu einmal gesagt: „Immer wieder hat man sich mit diesem Wort schwer getan. Man hat diese überraschende und zugleich harte Identifikation Jesu mit dem Notleidenden aufzulösen versucht, als ob es eine mahnende Fiktion wäre. Davon kann aber keine Rede sein. Diese Identifizierung Jesu mit dem Leidenden geht weiter und tiefer als die alttestamentlichen Aussagen, die freilich schon zu denken geben, dass Gott selbst hinter dem leidenden Menschen steht.“

Damit bringt er den Kerngedanken christlicher Ethik auf den Punkt. Diese Identifikation Jesu, die Rückendeckung Gottes sollte uns immer bewusst sein. Wir haben die Chance, das „Schaf in uns“ zu stärken, auch in dieser Adventszeit. Die sozialen Einrichtungen der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland, Caritas und Diakonie, sammeln in diesen Tagen und Wochen, oft ganz gezielt für Projekte in der Arbeit mit Obdachlosen, die ohne Spendengelder nicht realisiert werden können. Und: Das bischöfliche Hilfswerk Adveniat wird in Kürze seine diesjährige Spendenaktion eröffnen. Das ist unsere Chance, es Jesus gleich zu tun und uns mit den Armen zu identifizieren, im Bewusstsein einer einfachen Tatsache: Schaf sein und helfen – das ist das zentrale Mandat der christlichen Ethik.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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3 Gedanken zu “Wer IHN liebt, liebt den Menschen (Ev. vom Christkönigssonntag)

  1. Hallo,
    Ich kann auch falsch liegen, aber ich glaube dieses Evangelium geht noch sehr viel tiefer! Ohne die Spenden das Jahr gegenüber und gerade in der Advents- und Weihnachtszeit an Wert zu nehmen, darüber muss man nicht nachdenken wie wichtig sie sind, aber ich denke trotzdem dass dies nur die Spitze des Eisberges berührt. Ein vor Jahren gelesenes Buch hat mich auf diesen Blick oder diese Frage gebracht, in diesen Buch wird der Blick darauf gerichtet dass trotz all der Hilfs- und Spendenaktion (von Staat, Kirchen, Privatleuten und und und) die Not nicht ein bisschen weniger geworden ist. Warum? In dem Buch bekommt man keine Antwort, aber den Hinweis das Geld und Güter „allein“ wohl nicht genug sind. Mich hat das sowohl damals wie auch heute noch sehr nachdenklich gemacht. Liegt es an der „Liebe“?! Wie Paulus schreibt/sagt „aber wenn die Liebe fehlt…“.

    Ja ich glaube die Worte oder die Mahnung Jesu geht viel tiefer, ja vielleicht so gar tiefer als uns lieb ist. Wenn ich auch gestehen muss dass ich diese Ahnung nicht konkret auskleiden kann, wie es nun wirklich sein müsste oder wir uns zu verhalten haben, aber ich denke egal welche Aktion jeder einzelne tut gerade auch zur Weihnachtszeit (weil wir da irgendwie auch besonders den Drang verspüren…oder weil man ständig direkt daran erinnert wird) es wird weder mit dem Geldbetrag noch mit Gegenständlichem Gut nicht getan sein…..
    Der Herr will uns „ganz“! Und auch wenn er uns nie überfordert und bedingungslos liebt, es lässt sich doch nicht leugnen er fordert uns auch heraus….

    Ich wünsche allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit

    Ps. „Liebe“, ich weiß nicht wie es euch geht aber ich glaube an die „bedingungslose Liebe“ auch wenn die Welt mich darüber auslacht und ich „weiß“ dass es sie gibt

    1. Liebe Pia,
      danke für deinen Beitrag!

      Ich glaube ich kann spüren, in welche Richtung deine Gedanken gehen. In Josef Bordats Kommentar zum Evangelium heißt es: „Das ist unsere Chance, es Jesus gleich zu tun“. Wobei ich mir sicher bin, dass der Satz (mit seiner Zustimmung) auch lauten könnte: Das ist eine der vielen Chancen…

      Und ich möchte Dir – aus vollem Herzen – zustimmen, wenn du sagst:

      „Der Herr will uns “ganz”! Und auch wenn er uns nie überfordert und bedingungslos liebt, es lässt sich doch nicht leugnen er fordert uns auch heraus.“

      Ja, wir sind sehr gefordert. Und da lebe ich mit unseren Pfarrern und Priestern, die in der überwiegenden Mehrheit weder von den (An-)forderungen Jesu noch vom Sakrament der Versöhnung* sprechen, auf Kriegsfuß…

      „Wer ihn liebt, liebt den Menschen. Und umgekehrt“ heißt es in Josef Bordats Kommentar – das ist pointiert und gut, finde ich.

      Aber was ist das für eine Liebe, wenn an Seinem Wort vorbei gelebt wird? Ohne eine fordernde Liebe (Gebote) und eine erbarmende Liebe (Beichte und Versöhnung)?

      *Mit der Sakramentenverkündigung liegt vieles im Argen, da sage ich nichts Neues.
      Es scheint so, als ob Jesu Worte nicht mehr verkündet werden sollen, z.B. in Bezug auf die Beichte:

      Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. (MT 9,6; MK 2,10; LK 5,24)
      Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet,
      das wird auch im Himmel gelöst sein
      . (MT 18,18) Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert,
      dem ist sie verweigert.
      (JOH 20,23)

      1. Danke für deine Antwort! Ich schätze die Gedanken Josef Bordats sehr, und ich bin mir sicher dass, er den, sagen wir, Unterton im Evangelium hört, aber ich bin mir nicht sicher ob alle Christen diesen Unterton noch hören.
        Ja wir werden auch gefordert! In unserem heutigen Gottesdienst sprach unser Pfarrer von der Angst die man früher gerne mit diesem Evangelium verbreitete und das Jesus aber der Liebende und Barmherzige ist. Ich gebe meinem/unserem Pfarrer durchaus Recht, aber das ist nur die eine Seite der Medaille und während er (da bin ich mir sicher) auch die andere Seite sieht vergessen aber immer mehr die andere Seite. Jesus ist nämlich nicht nur dieser super alles hinnehmende liebliche und sanftmütige Mensch sondern er ist genauso auch klar und deutlich, wahrhaftig und ja auch fordernd. Darüber wird heute leider kaum mehr gepredigt.
        Ich denke dass liegt, wie in deinem Angesprochenem Thema der Sakramente, an der Angst etwas Falsches zu sagen, die Leute zu verschrecken und der Angst es könnten sich noch mehr von der Kirche abwenden. Ich persönlich halte dies genauso wenig gut als nur von dem drohendem Herrn zu reden. Wir müssen ihn kennenlernen und zwar so wie er ist. Dazu denke ich aber auch ist jeder Christ eingeladen und aufgerufen die Schrift auch selbst zu lesen.
        Als Predigt hörten wir heute einen Text unseres Bischofs Rainer-Maria Hanke und das war ein tolles Statement, mir hat das richtig gut getan. Das sind die besonderen Vitaminspritzen!

        Zum Thema Buße, ich habe mit meinem Mann vor nicht allzu langer Zeit einen Vortrag von Radio Horeb -Podcast- gehört, ich weiß nicht mehr zu welchem Orden der Mann gehörte (ist ja auch nicht so wichtig) aber er sagte Christen haben oft die Meinung ihre Seele ist wie eine polierte Scheibe und wenn sie sündigen erhält ihre Seele ein paar Flecken, mit der Beichte wird sie wieder blank poliert. Und dann meinte er, aber mit unseren Sünden fügen wir unserer Seele Wunden zu, wir fügen dem Leib Wunden zu und mit der Beichte sind die nicht einfach weg. Er meinte die Wunden Jesu verschwanden auch nicht, sie wurden verklärt. Dass ist es was mit unseren Wunden/Sünden passiert in der Beichte, sie heilen, werden verklärt, aber sie verschwinden nicht. Er ging noch tiefer in die Thematik ein, was ich hier kaum alles schreiben kann, das jedoch was er da sagte schlug bei mir ein und auf wie eine Bombe. Ich spürte ich bin auch so ein „Scheiben“ Christ, obwohl mir das Sakrament der Buße und Beichte sehr wichtig ist. Aber das Schlug ein, nicht negativ, sondern es öffnete einen Vorhang. Wir müssen unsere Sünden tragen und mit ihnen Leben, die Beichte ermöglicht es uns dies zu tun, sie wischt nicht einfach alles weg und wir können schön so weiterleben. Ich habe zu meinem Mann gesagt „und wer sagt uns sowas eigentlich?“.
        Ja es wird viel zu wenig von den Sakramenten gesagt, erklärt und aufgezeigt, ich denke der Motor hierfür ist Angst. Angst kommt nicht vom Herrn, ich denke auch dass unser Papst Franziskus dies ebenfalls erkennt und in der Kirche sieht wie spürt und stark dagegen ankämpft, wie es auch Benedikt getan hat. (Der nun ja wieder durch den Fleischwolf gezogen wird in den Medien, nach dem er seine alten Schriften über Wiederverheiratete über arbeitet hat. Aber das nur am Rande)
        Beten wir, versuchen wir zu geben was wir geben können. Ich verstehe oft vieles nicht aber eines weiß ich dass ich den Herrn liebe. Geben wir uns ihm hin, so gut wir das können. Eines dürfen wir auch nie vergessen, der Flüsterer hat sanfte Pfoten…..

        Herzliche Grüße

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