Christkönig und die Verkündigung

Es gibt Predigten, die nicht besonders gut ankommen. Bemerkenswert ist das, wenn es ein kirchliches Hochfest betrifft; angesprochen ist das Christkönigsfest, das den Abschluss und damit einen Höhepunkt des Kirchenjahres bildet. Aber, lieber Leser, viel wichtiger ist:

Es lohnt sich, die Frage nach dem Ursprung und Sinn dieses Festes zu stellen. Diesmal im Nachhinein, aber das ist besser als gar nicht. Das Christkönigsfest geht auf Papst Pius XI. zurück und in seiner Enzyklika QUAS PRIMAS begründet der Pontifex die Einrichtung des Festes. Er gelangt zu prophetischen Aussagen (!) und spricht schließlich über die Früchte, die Christkönig hervorrufen möge. Es folgen Auszüge, die vom Autor dieses Beitrages kommentiert werden: Jeder dieser Kommentare beinhaltet Punkte, die auch als Predigtthemen dienen könnten…

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Christkönig - Florentinischer Meister um 1300

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QUAS PRIMAS, Papst Pius XI.

Im ersten Rundschreiben, das Wir nach Antritt des Pontifikates an alle Bischöfe des katholischen Erdkreises gerichtet haben [Rundschreiben Ubi arcano, vom 23. Dezember 1922. AAS XIV (1922) 673-700; vgl. Nm. 1554-15447], sind Wir den Ursachen jener Missstände nachgegangen, von denen Wir die Menschheit schwer bedrückt und heimgesucht sahen. Wir erinnern Uns, dabei folgende Erkenntnisse klar ausgesprochen zu haben.

Jene Flut von Übeln habe eben deshalb die Welt überschwemmt, weil die meisten Menschen Jesus Christus und sein heiligstes Gesetz sowohl aus ihrem persönlichen Lebenswandel als auch aus der häuslichen Gemeinschaft und dem öffentlichen Leben verbannt haben. Es werde aber auch nie eine sichere Hoffnung auf dauerhaften Frieden unter den Völkern geben, solange die einzelnen Menschen und die Staaten die Herrschaft Unseres Erlösers verleugnen und zurückweisen. Wie Wir nun gemahnt haben, den Frieden Christi im Reiche Christi zu suchen, so haben Wir Uns selbst vorgenommen, zur Erreichung dieses Zieles alles zu tun, was Uns möglich ist.

>>> (Kommentar des Blogbetreibers:) Es ist, als ob dieser Befund heute und höchst aktuell ausgestellt würde. Jesus Christus ist faktisch aus dem öffentlichen Leben verbannt, man denke z.B. an die Kruzifixe in Schulen und öffentlichen Gebäuden. Wenn überhaupt, dann findet Jesus fast ausschließlich in unseren Kirchen und in christlichen Familien statt.

Mit dem Heiligen Jahre [1925] fiel dann zusammen die 1600-jährige Gedächtnisfeier des Konzils von Nizäa. Umso lieber ließen Wir diese Jahrhundertfeier festlich begehen und haben sie selbst in der Vatikanbasilika begangen, als jenes Konzil die Lehre von der Wesensgleichheit des Eingeborenen mit dem Vater verkündete und als katholischen Glaubenssatz erklärte. Ferner hat es die Worte cuius regni non erit finis (dessen Reich kein Ende haben wird) ins Glaubensbekenntnis aufgenommen, womit es die königliche Würde Christi bekannte.

… den Bitten so vieler Kardinäle, Bischöfe und Gläubigen, wie sie sowohl einzeln als gemeinsam an Uns gelangten, zu entsprechen und das Heilige Jahr durch die Einführung eines besonderen liturgischen Festes zu Ehren Unseres Herrn Jesus Christus als König abzuschließen.

>>> Anlass für das Entstehen des Festes ist das Gedenken an die Beschlüsse von Nizäa; der Grund aber findet sich in konkreten staatlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

I. Die Verehrung Christi als König

… doch Wir wollen tiefer in den Gegenstand eindringen. Es gibt wohl niemanden, der nicht einsieht, dass der Name und die Gewalt eines Königs auch im eigentlichen Sinne des Wortes Christus als Mensch zuerkannt werden muss; denn nur insofern er Mensch ist, kann man sagen, Christus habe vom Vater die Macht, die Ehre und das Königtum [Daniel 7,13-14] erhalten. Als Wort Gottes, das eines Wesens ist mit dem Vater, muss er ja notwendigerweise alles mit dem Vater gemeinsamen haben und besitzt so über alle Geschöpfe die höchste und vollkommenste Gewalt.

Christus selbst gibt Zeugnis von seiner Herrschaft: so in seiner letzten Ansprache an die Menge, wo er von den Belohnungen und von den Strafen spricht, die in Ewigkeit für die Gerechten oder für die Verdammten bestimmt sind, wie auch in seiner Antwort an den römischen Präfekten auf dessen öffentliche Frage, ob er König sei, ferner, als er nach der Auferstehung den Aposteln das Amt anvertraute, alle Völker zu lehren und zu taufen; Bei jener Gelegenheit legte er sich den Namen König zu [Matt. 25,31-40] und beteuerte öffentlich, König zu sein [Joh 18,37]. Feierlich sprach er es aus, dass ihm alle Macht gegeben sei im Himmel und auf Erden [Mt 28,18] … Gott Vater hat ja Christus zum Erben des Alls eingesetzt [Hebr 1,2]. Als solcher muss Christus herrschen, bis er am Ende der Zeiten alle Feinde Gott und dem Vater zu Füßen gelegt hat [1 Kor 15,25].

>>> Jesus Christus, Herrscher und Erlöser

Aber was könnte man Freudigeres und Schöneres denken, als dass Christus nicht bloß kraft seines angeborenen, sondern auch kraft seines erworbenen Rechtes über uns herrscht, d. h. kraft seines Erlöserrechtes? Möchten doch die vergesslichen Menschen alle sich erinnern, was wir unserm Erlöser gekostet haben: Nicht mit vergänglichem Gold oder Silber seid ihr erlöst, sondern mit dem kostbarem Blute Christi, als eines unbefleckten und makellosen Lammes [1 Petr 1,18-19]. Wir gehören somit nicht mehr uns selber an, da Christus uns um hohen Preis [1 Kor 6,20] erkauft hat. Selbst unsere Leiber sind Glieder Christi.[1 Kor 6,15]

II. Wesen und Bedeutung des Königtums Christi

Zu wiederholten Malen hören wir von den Juden, ja von den Jüngern selbst die irrtümliche Meinung, der Messias werde dem Volke wieder zur Freiheit verhelfen und das Reich Israel wieder aufrichten. Christus zerschlug diese Einbildung und verachtete dieses Hoffen. Als das von Bewunderung ergriffene Volk ihn zum König ausrufen wollte, da lehnte er sowohl Titel als Ehre ab, indem er floh und sich verbarg. Dem römischen Statthlalter erklärte er, sein Reich sei nicht von dieser Welt [Joh 18,36]. Dieses Reich wird in den Evangelien dahin umschrieben, dass die Menschen ihren Eintritt in dasselbe durch Buße vorbereiten sollen, dass sie aber in dasselbe nur durch den Glauben eingehen können und durch die Taufe, die zwar eine äußere Handlung ist, aber dennoch die innere Wiedergeburt anzeigt und bewirkt. Dieses Reich ist einzig dem Reiche Satans und der Macht der Finsternis entgegengesetzt. Es verlangt von seinen Anhängern nicht nur, dass ihr Herz sich löse von irdischen Reichtümern und Gütern, dass sie Milde walten lassen, dass sie hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, sondern auch dass sie sich selbst verleugnen und ihr Kreuz auf sich nehmen.

>>> Jetzt sind sie alle aufgezählt, die christlichen Tugenden, die von Christen und Nichtchristen erfüllt werden können – aber ein genauerer Blick zeigt wirft Fragen auf: Wie soll der Nichtchrist/die Nichtchristin Buße tun? Woran glaubt er/sie? Über welches Gerechtigkeitsverständnis – zum Beispiel gegenüber Religionen und Gläubigen – verfügt er/sie? Warum sollten Nichtchristen sich selbst verleugnen?

…So umfaßt also das Reich unseres Erlösers alle Menschen, wie dies folgende Worte Unseres Vorgängers Leo XIII., unsterblichen Andenkens, ausdrücken und die Wir gerne zu Unsern eigenen machen: «Seine Herrschaft erstreckt sich nicht nur auf die katholischen Völker, auch nicht nur auf jene, die durch die Taufe von Rechts wegen der Kirche angehören, mögen auch irrige Anschauungen sie fernhalten oder Uneinigkeit sie von der Liebesgemeinschaft scheiden, sondern sie umfaßt auch jene, die den christlichen Glauben nicht besitzen; somit untersteht im vollsten Sinne die ganze Menschheit der Herrschaft Jesu Christi» [Rundschreiben Annum sacrum vom 25. Mai 1899. ASS XXXI (1898-1899) 647].

… Es gibt ja nur eine Quelle des Heiles, des persönlichen wie des gemeinschaftlichen: Es ist in keinem andern Heil; und kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollten [Apg 4,12]. Ein und derselbe ist Urheber des Gedeihens und wahren Glückes für die einzelnen Bürger wie für die Staaten: «Das Glück des Staates fließt nicht aus einer andern Quelle als das des Einzelmenschen, denn der Staat ist nichts anderes als eine Vielheit von Menschen, die in Eintracht zusammenlebt [Augustinus, Epist. CLV ad Macedonium, c. III 9. PL 33, 670]. Wenn daher die Staatenlenker Unversehrtheit ihrer Autorität sowie Gedeihen und Fortschritt des Vaterlandes bezwecken, so dürfen sie sich nicht weigern, in ihrem persönlichen Namen und mit ihrem ganzen Volke der Herrschermacht Christi ihre Verehrung und Ergebenheit öffentlich zu bezeugen.

«Hat man Gott und Jesus Christus aus der Gesetzgebung und der Politik hinausgewiesen und leitet man die Autorität nicht mehr von Gott her, sondern von den Menschen, dann fehlt den Gesetzen ihre wahre und wirksame Sanktion, dann fehlen ihnen die höchsten Kriterien des Rechtes – und das haben schon heidnische Philosophen wie Cicero begriffen, dass Menschengesetze nur im ewigen Gesetz Gottes verankert sein können; ja sogar die Grundlage der Autorität ist zerstört in dem Augenblick, da man die Quelle verschüttet, aus der den einen das Recht zufließt zu befehlen, den andern die Pflicht zu gehorchen. So musste mit unerbittlicher Notwendigkeit das ganze Gesellschaftsleben erschüttert werden; es war eben jeder festen Stütze und jedes Schutzes beraubt und wurde ein Tummelplatz für die Parteien; diesen aber ist es nur zu tun um den Besitz der Macht, nicht um das Wohl des Vaterlandes» [Pius XI., Rundschreiben Ubi arcano vom 23. Dezember 1922. AAS XIV (1922) 683].

>>> Ein „Tummelplatz für Parteien“: Man muss auch hier annehmen, dass Pius XI. einen langfristigen und bis heute gültigen Befund abgegegen hat. „Die Quelle verschüttet“ – aus der das auf den Schöpfer ausgerichtete Recht entspringt: Nach dem zweiten Weltkrieg, also 20 Jahre nach diesem Schreiben, werden die allgemeinen ‚Menschen-Rechte‘ festgelegt. Zunächst findet sich ein Gottesbezug in dieser Charta. Aber erleben wir – 70 Jahre später – nicht beinahe täglich, wie die Menschenrechte (im Besonderen der Gleichheitsgrundsatz) willkürlich gegen Religionen und Religionsangehörige ausgelegt werden?

… Obwohl der Apostel Paulus Frauen und Sklaven aufforderte, in ihrem Manne, bzw. in ihrem Herrn, Christus zu ehren, so hat er sie doch auch eben deswegen ermahnt, ihnen nicht als Menschen zu gehorchen, sondern einzig als Stellvertretern Christi; denn es zieme sich nicht, dass die von Christus erlösten Menschen andern Menschen knechtisch dienen: Um teuren Preis seid ihr erkauft, macht euch also nicht zum Sklaven von Menschen [1 Kor 7,23].

…So werden alsbald Ruhe und Ordnung wiederkehren und herrschen, weil jeder Anlass zur Auflehnung beseitigt ist. Denn, wenn auch der Bürger im Fürsten und in den übrigen Staatsoberhäuptern Menschen vor sich hat, die seinesgleichen sind, oder die aus irgendeinem Grunde unwürdig oder tadelnswert erscheinen, so wird er ihnen dennoch den Gehorsam nicht verweigern, so Iange er in ihnen Abbild und Autorität des Gottmenschen Christus erblickt.

>>> Ist hier nicht der Grund zu finden, warum wir unter den heutigen Staatsoberhäuptern kaum jemand finden, dem vom Volk wirklich Respekt gezollt wird? Handeln diese Führungspersönlichkeiten so, als ob sie die Schöpfung wie ein kostbares Gut erhalten und verwalten wollten, oder orientieren sie sich nicht vielmehr an den Gesetzen des Geldes und der Machterhaltung?

Was sodann die Eintracht und den Frieden anbelangt, ist folgendes einleuchtend: je weiter sich ein Reich ausdehnt und je vollständiger es die Gesamtheit des Menschengeschlechtes umfasst, desto stärker werden sich die Menschen der Gemeinschaft bewusst, die sie eint. Und wie dieses Bewusstsein häufigen Streitigkeiten vorbeugt und sie unterdrückt, so nimmt es ihnen ihre Bitterkeit und ihre Härte.

>>> Wird hier nicht der klare Auftrag beschrieben, den Glauben durch (Neu-)Evangelisierung zu verbreiten, um zu einer großen und geeinten katholischen Weltkirche zu gelangen?

O welchen Glückes könnten wir uns freuen, wenn Einzelmenschen wie Familien und Staaten sich von Christus leiten ließen! «Dann endlich wird man, um die Worte Unseres Vorgängers Leo XIII. zu gebrauchen, die er vor 25 Jahren an die Bischöfe des Erdkreises richtete, so viele Wunden heilen können, dann wird jedes Recht seine ursprüngliche Kraft wieder erlangen, dann endlich werden die kostbaren Güter des Friedens wiederkehren, und es werden die Schwerter und Waffen den Händen entgleiten, wenn alle bereitwillig Christi Herrschaft annehmen und ihm gehorchen werden, wenn jede Zunge bekennen wird, dass der Herr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist» [Annum sacrum vom 25. Mai 1899].

>>> Wird hier nicht klar festgehalten, dass ein nachhaltiger Frieden erst dann einkehren wird, wenn beinahe jede Zunge Jesus Christus als König bekennt? Ist es nicht – in unserer eigenen Glaubenserfahrung – so, dass erst der durch Glaube, Liebe und Hoffnung (=Jesus Christus) gestärkte Geist in uns den Frieden bewirkt, der in weiterer Folge den Frieden unter den Menschen und Völkern ermöglicht?

III. Das Fest des Königtums Christi

24 Wenn wir nun anordnen, Christus solle von den ganzen katholischen Welt als König verehrt werden, so wollen Wir damit auch dem Bedürfnis unserer Zeit entgegenkommen und ein wirksames Heilmittel jener Pest entgegenstellen, welche die menschliche Gesellschaft befallen hat. Die Pest unserer Zeit ist der sogenannte Laizismus mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten

>>> 20 Jahre vor diesem Schreiben wurde in Frankreich das Gesetz zur Trennung von Religion und Staat verabschiedet. Von diesem Zeitpunkt an bewirkte der Laizismus in Frankreich und einer Reihe anderer Staaten zunehmend ausgetrocknete Kirchenlandschaften…

Man begann damit, Christi Herrschaft über alle Völker zu leugnen; man stritt der Kirche ihr Recht ab, das aus dem Rechte Jesu Christi selbst hervorgeht, die Menschheit zu lehren, Gesetze zu geben, die Völker zu leiten, um sie zur ewigen Seligkeit zu führen. Nach und nach wurde die christliche Religion mit den andern, falschen Religionen gleichgestellt und auf äußerst entwürdigende Weise mit diesen auf eine Stufe gestellt; sodann unterwarf man sie der weltlichen Gewalt und lieferte sie der Willkür der Fürsten und Staatsmänner aus.

>>> An dieser Stelle sei nochmals auf die Menschenrechte verwiesen, die im weltlichen Bereich als großer Fortschritt gefeiert werden, aber einen Gleichheits- und Würdebegriff verwenden, der sich radikal von katholischen Wertvorstellungen unterscheidet.

Noch weiter gingen jene, die darauf sannen, die göttliche Religion zu ersetzen durch so etwas wie eine natürliche Religion oder eine bloß gefühlsmäßige Religiosität. Gewisse Staaten glaubten sogar, Gott entbehren zu können; sie machten den Unglauben zu ihrer Religion und bemühten sich, bewusst und absichtlich Gott zu vergessen.

>>> Ein geradezu prophetischer Ausblick auf Staaten, die den Atheismus zu ihrer „Religion“ machen, man denke nur an Stalins Reich mit 25 Millionen ermordeter Zwangsarbeiter und Regimegegner…

… den weitverbreiteten Samen der Zwietracht, jenen verzehrenden Neid und jene aufgestachelten Eifersüchteleien unter den Völkern, die eine friedliche Wiederversöhnung noch weitgehend behindern; die Zügellosigkeit der Leidenschaften und Begierden, die sich nicht selten unter der Maske der Vaterlandsliebe verbergen; und als Folgen dieser Unbeherrschtheit, sowohl Streitigkeiten unter den Bürgern als auch jene blinde und schrankenlose Selbstsucht, die nur auf den eigenen Vorteil und Nutzen schaut und alles einzig danach bemisst. Der häusliche Friede ist durch Pflichtvergessenheit und Pflichtvernachlässigung völlig zerrüttet; die Einheit und die Beständigkeit der Familiengemeinschaft ist untergraben; die menschliche Gesellschaft selbst ist erschüttert und treibt dem Abgrunde zu.

>>> Pius XI. darf als weiser und vorausblickender Mann Gottes gesehen werden, der das Ende und Elend der Familien, die Potenzierung der Zahl der Geschiedenen und Singles, das Aufblühen homosexueller Verbindungen erahnt…

Das fortan alljährlich wiederkehrende Christkönigsfest gibt Uns jedoch Anlass zu der Hoffnung, dass die Menschheit sich bald zu ihrem liebenswertesten Erlöser zurückfinden wird. Es wäre nun freilich Pflicht der Katholiken, mit eifriger Bemühung diese Rückkehr herbeizuführen und zu beschleunigen. Aber es scheinen viele unter ihnen nicht jene gesellschaftliche Stellung noch jenen Einfluss zu besitzen, die eigentlich jene haben sollten, welche die Fackel der Wahrheit hochhalten. Dadurch werden aber die Feinde der Kirche umso unverfrorener und verwegener.

>>> Es gibt ihn ganz sicher, den schwindenden Einfluss katholischer Persönlichkeiten im öffentlichen Leben. Und einen zunehmenden Einfluß religionsfeindlicher Gruppen der Gesellschaft einerseits und eines agressiver auftretenden Islam andererseits. Darüber hinaus stellen wir auch in Europa klare Anzeichen einer zunehmenden Christenverfolgung fest…

Je mehr man bei internationalen Konferenzen und in den Parlamenten den liebreichsten Namen Unseres Erlösers mit ungebührlichem Schweigen übergeht, desto lauter müssen wir ihn in die Welt hineinrufen und die Rechte der königlichen Würde und Macht Christi überall verkünden.

>>> Wer hätte noch nicht bemerkt, dass in den großen Institutionen unserer Welt ein antichristlicher Geist herrscht? UNO, Weltbank und Europäisches Parlament sind Vertreter eines unchristlichen Gleichheitsgedankens und große Förderer der Genderpolitik…

Wer gewahrt nicht, wie sich seit Ausgang des verflossenen Jahrhunderts in glücklicher und wunderbarer Weise der Weg für die ersehnte Einführung dieses Festtages geebnet hat? Jedermann weiß, wie einsichtig und lichtvoll die Christkönigsverehrung überall auf dem Erdenrunde durch zahlreiche Schriften in den verschiedensten Sprachen dargelegt wurde; wie ferner Christi Reich und Herrschaft bereits durch jene fromme Übung anerkannt wurde, durch die fast zahllose Familien sich dem heiligsten Herzen Jesu weihten und widmeten.

>>> Dagegen entstehen dort Glaube, Liebe und Hoffnung, wo die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu und die Weihe an Jesus durch Maria Früchte bringen, denken wir beispielsweise an die Loretto-Bewegung oder die Früchte von Medjugorje…

Und Wir wollen nicht verschweigen, dass zur feierlichen Bekräftigung dieser königlichen Herrschaft Christi über die Menschheit die zahlreichen Eucharistischen Kongresse in erstaunlicher Weise beitrugen. Sie werden eben in der Absicht abgehalten, um die Gläubigen der einzelnen Bistümer und Gegenden, der Nationen, ja selbst der ganzen Welt zur Verehrung und Anbetung des unter den eucharistischen Gestalten verborgenen Christkönigs einzuladen.

>>> Wer könnte bestreiten, dass die Eucharistischen Kongresse weiter stattfinden und Impulse setzte? Wer wollte abstreiten, dass Initiativen wir Nightfever und die Stunde der Barmherzigkeit zu einer Neubelebung der eucharistischen Verehrung geführt haben?

Mit Recht darf man behaupten, dass das christliche Volk unter dem Antrieb einer göttlichen Eingebung den Heiland, der in diese Welt gekommen ist und den die Gottlosen nicht anerkennen wollten, aus der Stille und Verborgenheit der Heiligtümer hervorholen will, um ihn wie einen Sieger durch die Straßen der Städte zu geleiten und in seine königlichen Rechte wieder einzusetzen.

31 Dank der Verpflichtung, der Königsherrschaft unseres Herrn und Meisters die genannten Ehrenbezeugungen zu erweisen, werden die Menschen notwendig an folgende Rechte der Kirche erinnert: die Kirche, welche von Christus als vollkommene Gesellschaft gegründet wurde, muss aus höchst eigenem, unveräußerlichem Recht volle Freiheit und Unabhängigkeit von der bürgerlichen Gewalt für sich beanspruchen. Ferner kann die Kirche in der Ausübung ihres göttlichen Amtes, zu lehren, zu leiten und alle Glieder des Reiches Christi zur ewigen Seligkeit zu führen, nicht von fremder Willkür abhängen.

32 Für die Staaten aber wird die alljährliche Feier dieses Festes eine Mahnung sein, dass die Staatenlenker und Behörden, so gut wie die einfachen Bürger, die Pflicht haben, Christus öffentlich zu ehren und ihm Gehorsam zu leisten… Es ist eine Forderung seiner göttlichen Würde, dass die ganze menschliche Gesellschaft sich nach den göttlichen Gesetzen und den christlichen Grundsätzen richte, sowohl in der Gesetzgebung und in der Rechtsprechung, wie auch in der Heranbildung der Jugend zu gesunder Lehre und zu sittlicher Unbescholtenheit.

>>> Schon in den beginnenden 20er Jahren, als die Enzyklika verfasst wurde, ist aus diesen Zeilen eine Sorge über den beginnenden Faschismus herauszulesen. „In der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus spielte die Christkönigsverehrung bei der katholischen Jugend eine große Rolle. Entgegen dem Führerkult der säkularen Gesellschaft setzten junge Katholiken mit Prozessionen und Feiern ein Zeichen gegen die Ideologie des Nationalsozialismus“ (Wiki). Und wer könnte übersehen, dass die Frage der Bildung und Ausbildung unserer Jugend bis in unsere Gegenwart problematisch ist und heute (!) unter chronischer Unterfinanzierung seitens des Staates leidet?

Christus soll also herrschen über den Verstand des Menschen, der in vollkommener Unterwerfung seiner selbst den geoffenbarten Wahrheiten, den Lehren Christi fest und beständig beipflichten muss; herrschen soll Christus über den Willen, der den göttlichen Gesetzen und Vorschriften folgen muss; herrschen soll er über das Herz, das die natürlichen Gefühle zurückdrängen und Gott über alles lieben und ihm allein anhangen muss; herrschen soll er im Leibe und in seinen Gliedern, die als Werkzeuge oder, um mit dem Apostel Paulus zu reden, als Waffen der Gerechtigkeit für Gott [Röm 6,13] zur inneren Heiligung der Seele dienen sollen. Wenn all diese Gedanken den Gläubigen zur Betrachtung und Beherzigung vorgelegt werden, so werden sie umso leichter zur höchsten Vollkommenheit gelangen.

>>> Zusammenfassend dürfen wir festhalten, dass Pius XI. vor allem in einer anhaltenden und liebenden Christkönigsverehrung den Schlüssel zur Überwindung der gegenwärtigen Fehlentwicklungen in Kirche und Gesellschaft sieht. Können wir es, knapp 90 Jahre später, denn anders sehen?

Gebe Gott, Ehrwürdige Brüder, dass auch die Fernstehenden zu ihrem Heile nach dem sanften Joch Christi verlangen und es auf sich nehmen, und dass wir alle, die wir durch Gottes barmherzigen Ratschluss seine Hausgenossen sind, dieses Joch nicht mit Widerwillen, sondern mit Hingabe, mit Liebe und in heiliger Ehrfurcht tragen. Dann werden wir durch ein Leben, das ganz den Gesetzen des Gottesreiches entspricht, eine reiche Ernte guter Früchte einheimsen und, einst von Christus als gute und treue Diener befunden, in seinem himmlischen Reiche der ewigen Seligkeit und Herrlichkeit teilhaftig werden.

Pius PP. XI.

(Diese Übersetzung stammt von kathpedia und ist vom Vatikan,
der keine deutsche Fassung anbietet, nicht autorisiert.)

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Ja, ich entschuldige mich für die Länge dieses Beitrages, es ist eine Zumutung. Und doch: Hier geht es um eine ganze Enzyklika, die es verdient, in ihren wesentlichen Punkten in Erinnerung gerufen zu werden.

„Allein der erhöhte König Jesus Christus ist Zielpunkt unserer irdischen Wanderschaft. Wir werden ihn eines Tages von Angesicht zu Angesicht sehen. Sein Königreich der Wahrheit, des Lebens, der Heiligkeit und der Gnade, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens (vgl. Präfation vom Christkönigsfest) ist zwar nicht von dieser Welt, aber es bricht hier und jetzt schon an. Daher ist es möglich, dem Zusammenleben der Menschen mehr und mehr die Gebote Christi zugrunde zu legen“ (kathpedia).

Sein Königreich bricht hier und jetzt schon an, wo Menschen sich von Gottes Liebe ergreifen und in den Dienst nehmen lassen!

Die Entwicklung ist nicht stehengeblieben: In der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils wurde das Hochfest auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr gelegt und damit der Blick auf die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit und den offenkundigen Anbruch der Gottesherrschaft gerichtet. Mit Fug und Recht darf man sagen, dass dieses junge Hochfest über die letzten Jahrzehnte noch „notwendiger“ geworden ist: Es gibt Zeugnis von Christus in einer Zeit, die den Gekreuzigten zunehmend aus der Öffentlichkeit und den Herzen der Menschen verbannen will.

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Präfation vom Königtum Christi
Christus als Priester und König

In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken. Du hast Deinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, mit dem Öl der Freude gesalbt zum ewigen Priester und zum König der ganzen Schöpfung. Als makelloses Lamm und friedenstiftendes Opfer hat er sich dargebracht auf dem Altar des Kreuzes, um das Werk der Erlösung zu vollziehen. Wenn einst die ganze Schöpfung seiner Herrschaft unterworfen ist, wird er Dir, seinem Vater, das ewige, alles umfassende Reich übergeben: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Durch ihn rühmen Dich Himmel und Erde, Engel und Menschen und singen das Lob Deiner Herrlichkeit: Heilig, Heilig, Heilig …

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Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott,
Du hast Deinem geliebten Sohn alle Gewalt gegeben
im Himmel und auf Erden und
Ihn zum Haupt der neuen Schöpfung gemacht.
Befreie alle Geschöpfe von der Macht des Bösen,
damit sie allein Dir dienen und Dich in Ewigkeit rühmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.

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4 Gedanken zu “Christkönig und die Verkündigung

  1. Grüß Gott und guten Abend
    Danke für diesen (langen) Beitrag.
    Beten „wir“ „gemeinsam“ dass wir (ein würdiges) Zeugnis geben, den Namen unseres Herrn verkünden und seine Herrschaft auch nach Außen bezeugen. Dort wo jeder von uns ins Leben gestellt ist. Und im Gebet füreinander und miteinander (denn auch wenn die Entfernungen räumlich groß sein mögen, im Geist können wir wie in einer Symphonie verbunden sein). Geben wir uns hin und beugen die Knie.
    „Herr dir vertrauen wir in deine Hände legen wir unser Leben“

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