Kleine Gedanken zum 8. Dezember – Wer ist Maria?

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In unserer Familienrunde haben wir uns am Vorabend des Hochfestes über Maria von Nazaret ausgetauscht. Wer ist Maria für mich? lautete die einfache Frage, die zu einem angeregten Gespräch führte.

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Himmlische Mutter

Worüber wir uns sofort verständigen konnten: Die besondere Mutterrolle Mariens wirkt bis heute, oder besser gesagt: sie ist immerwährend. Wir dürfen Maria als Mutter der Kirche verstehen, aber auch als Mutter, die jedem Gotteskind zur Seite steht. Wer unsere Fürbitten auf direktem Weg und in der einzigartigen Verbundenheit des Herzens zu Jesus trägt – ist Maria.

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Kein Evangelium

Anna und Joachim
Anna und Joachim, die Eltern Mariens

 

Bemerkenswert ist, dass unsere Kirche über kein treffendes Evangelium zu diesem Hochfest verfügt. Wir lesen – ganz gleich in welchem Lesejahr wir uns befinden – die Bibelstelle Lukas 1,26-38, die genau genommen zum Hochfest der Verkündigung des Herrn (25. März) gehört. In den Apokryphen sind Hinweise zu den Eltern Mariens, Anna und Joachim, zu finden. Beide stammen demnach aus wohlhabenden Pharisäerfamilien. Ein Engel verkündet der bis dahin unfruchtbaren Anna die Geburt eines Kindes, „von dem die ganze Welt sprechen wird“.

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Neue Eva

Maria Immaculata
Maria Immaculata

 

Die gerade erwähnte Stelle in den Apokryphen kann als Hinweis auf die „unbefleckte Empfängnis“ gesehen werden. Das 1854 verkündete Dogma spricht von verschiedenen Ursachen: Um Gottesmutter sein zu können, ist Maria von allem Anfang an ohne Erbsünde (Gott schenkt unverdiente Gnade – gratia). Von der Schuld, die ihr Sohn am Kreuz von uns nehmen wird (d.i. die Verdienstursache – causa meritoria), war die Gottesmutter schon immer befreit (für die Zweckursache der Gottesmutterschaft – causa finalis proxima). In unserer Familienrunde waren wir uns einig: Maria ist die neue Eva, die uns vorlebt, wie der Mensch zur Vollendung gelangt.

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Erster Mensch im Himmel

Himmelskönigin
Maria Himmelskönigin

 

Ein vollendeter Mensch verfügt über eine Seele ohne Sünde. Und warum sollte jemand, der ohne Makel ist, auf das Himmelreich warten müssen? So können wir festhalten: Maria ist uns immer einen Schritt voraus: Zunächst als neue Eva, und schließlich als erster Mensch im Himmel. Maria ist „der Beweis“, dass der Mensch den Himmel erreichen kann – was für eine Aussicht!

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Die Sache mit der Frömmigkeit

Maria Dolorosa
Maria Dolorosa

 

Tatsache ist, dass in der Heiligen Schrift sehr wenig über Maria berichtet wird. Wie aber sieht es mit den Mariendarstellungen in der Kunst aus? Es gibt da eine Unzahl von Variationen, denen zwei Charakteristika gemein sind: Zum einen die leidende Maria, zum anderen die demütige Maria. Diese (Kenn-)Zeichnungen spiegeln eine Frömmigkeit wider, die noch vor ein bis zwei Generationen an der Tagesordnung war: Die Verehrung einer stillen, demütigen und leidenden Mutter Jesu. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Darstellung der Maria ganz gut in ein überholtes Kirchenbild passte, das nach einem unterwürfigen Kirchenvolk verlangte.

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Frau mit starkem Charakter

Maria unterm Kreuz
Maria unter dem Kreuz

Dabei lassen sich aus den wenigen vorhandenen Bibelstellen noch andere Charakterzüge erahnen, die für Maria lebenswichtig gewesen sein müssen: Wie stark muss eine Frau sein, die mit diesem Kind unvorstellbare Verantwortung trägt, die angesichts der bevorstehenden Geburt einen Stall aufsuchen muss, die sich vom Kindesmörder Herodes bedroht sieht, und die schließlich den Sohn Gottes am Kreuz sterben sieht! Andere Bibelstellen wiederum legen uns eine sehr soziale und kommunikative Frau nahe, man denke an den Besuch bei Elisabeth (Maria will die gute Nachricht teilen und ihrer Verwandten behilflich sein) oder auch an die Hochzeit von Kana, wo Maria sich um das Wohl der feiernden Gäste sorgt.

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Vorbild im Beten

Maria betet mit den Jüngern
Maria betet mit den Jüngern

Maria ist als dynamische und tatkräftige Frau denkbar. Sie steht nicht nur ihrem Mann und Sohn in der Familie zur Seite, sie ist auch zeitweise Begleiterin Jesu auf seinen späteren Reisen. Schon in der Jugend muss sie mit der starken Persönlichkeit des Gottessohnes zu Recht kommen, wenn dieser verschwindet und erst Tage später im Tempel vorgefunden wird. Auch unter den Jüngern muss sie, die „nur irdische“ Mutter des Messias, eine starke Stellung eingenommen haben; so ist Maria an vorderster Stelle zu sehen, wenn wir an das neuntägige Gebet zur Herabrufung des Heiligen Geistes denken.

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Zeitgemäße Beraterin

Maria - Medjugorje
Maria – Friedenskönigin

Wer über die Marienerscheinungen nachdenkt, von Lourdes bis Guadalupe und Medjugorje, der kann sich einem Gedanken kaum entziehen: Die Gottesmutter spricht zu den Menschen über Themen, die nicht oder zu wenig verkündet werden. Auch in den Marienerscheinungen unserer Tage werden Themen berührt, bei denen moderne Katechesen und Predigten recht erfolglos zu sein scheinen: Beten mit dem Herzen (Rosenkranz), monatliche Beichte, Bibellesen, Fasten und die Heilige Messe (Eucharistie). Diese „fünf Steine von Medjugorje“ fassen nicht nur den katholischen Glauben in aller Kürze und Klarheit zusammen, sondern weisen genau auf diejenigen Bereiche hin, in denen die heutige Verkündigung zu scheitern droht.

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Die Erste der Heiligen

Marienstatue - Medjugorje
Marienstatue – Medjugorje

Wie gesagt, Maria ist uns immer einen Schritt voraus. Ohne Schuld geboren und gemäß einem Leben ohne Sünde schaut sie nach ihrer Himmelfahrt das Angesicht Gottes. Als auserwählter und makelloser Mensch steht sie noch über den Heiligen, die neben ihren heiligen Gedanken, Worten und Werken doch „nur Sünder“ sind; man denke an die Selige Mutter Teresa von Kalkutta, die sich im Anschluss an jede Beichte unmittelbar wieder als Sünderin sah und über dreißig Jahre Dunkelheit zu berichten wusste.

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Am Ende dieser Familienrunde gehen wir mit einem deutlicheren Bild der Maria von Nazaret auseinander – einer sehr gläubigen und tatkräftigen Frau, die mit ihrer starken Persönlichkeit nicht nur dem Urchristentum starke Impulse gab, sondern auch uns genau das bietet, woran es uns heute am meisten mangelt. Gemeint ist ein wahrhaftig auf Gott ausgerichtetes Leben, das seine Stärke aus den ursprünglichsten Handlungen eines Christen bezieht: Beten, Bibellesen, Beichten, Fasten und Eucharistie feiern.

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Gegrüßet seist du  Maria, voll der Gnade…

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