Antwort auf die „Plaßmann-Challenge“

Seit einiger Zeit gibt es auf sendezeit.de eine lesenswerte Artikelreihe, die Antworten von Bloggern einfordert. Genauer gesagt will die „Plaßmann-Challenge“ eine Antwort auf einen Cartoon, der die Frage stellt, was „Exoten“ denn eigentlich so machen…

Die Plaßmann Challenge von sendezeit.de

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Christ?! .. Ach! Interessant…

Ja, wir sind Exoten, denn die Andersdenkenden sehen uns tatsächlich so an, als kämen wir aus einem fremdem Land… Was mein Christsein ausmacht – eine scheinbar einfache Frage, wenn auch nicht zeitgemäß. Angesagt wäre wohl eher: Was dein Yoga ausmacht. Oder – was dein Gender ausmacht. Schließlich: Was dein Kirchenaustritt macht. Und weil unsere Zeit so tickt, will ich versuchen, aus meinem „katholischen Herzen“ zu antworten.

Die Welt ist kein Zufall

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne einen prominenten Evolutionsbiologen zitiere, der sich sehr darum bemüht hat, die Nichtexistenz Gottes zu beweisen. Es ist ihm nicht gelungen, wie er selber einräumt. Aber selbst wenn ein Wissenschaftler einen nachvollziehbaren „Beweis“ gegen Gott zu Wege brächte: Diesem Beweis läge eine Hypothese zugrunde, und diese Hypothese wäre nichts im Vergleich zum Glauben eines Christen. Ein Merkmal meines Christseins ist ein tiefer Glaube an den ursprünglichen “Beweger”, der alles geschaffen hat, und der seine Geschöpfe zutiefst liebt.

Die Geschichte zwischen Gott und den Menschen

Wenn ich als Mensch von einem Schöpfer ausgehe und mich als Geschöpf begreife, dann ist unmittelbar verständlich: Auf der Erde wird eine Geschichte zwischen Gott und den Menschen geschrieben. Davon gehe ich – im Unterschied zur Mehrheit unserer Gesellschaft – ganz konkret aus. Das ist die wichtigste Ebene meiner Lebensausrichtung. Da müssen Europapolitik, Kinobesuche und andere „wichtige Dinge“ zurücktreten: Mein Christsein heißt, alle irdischen Vorgänge unter dem Blickwinkel “Gott – Mensch” zu prüfen.

Gott auf der Suche nach den Menschen

Das ist kein abstrakter oder philosophischer Glaube. Die eben erwähnte Geschichte zwischen Schöpfer und Geschöpfen wurde niedergeschrieben, nicht durch irgendwen und nicht irgendwie, sondern als geoffenbartes Wort Gottes. “Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du?” (1Mo 3,9) und nur ein Kapitel weiter: “Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel?” (1Mo 4,9). Hier dürfen wir Gott als denjenigen erleben, der von Anfang an auf der Suche nach seinen geliebten Menschen ist. Und in meinem Christsein ist kein Tag mehr vorstellbar, an dem ER diese Fragen nicht stellen würde: Wo bist du? Warum versteckst du dich? Wie zeigst du Mir deine Liebe? Achtest du wirklich darauf, wo und wie du Mir im Laufe der Stunden, Minuten, Sekunden begegnest?

Gott ist ein naher Gott

Es ist schon deutlich geworden: Der christliche Gott ist kein ferner Gott, der unbeteiligt die Geschichte seines Werkes verfolgt, sondern ER ist hautnah bei uns, oder besser gesagt, Er geht uns unter die Haut wie sonst nichts in unserem Leben. Als Geschöpf muss ich mich oft zurücknehmen, um Seine Stimme in meinem Inneren überhaupt hören zu können. Mein Christsein begreift das Gewissen als mahnende Stimme des Heiligen Geistes, der immer wieder nachfragt: Ist das wirklich gut, was du tust? Was könntest du noch denken, was könntest du aussprechen, was könntest du genau jetzt tun, um Gott, deinem Herrn zu dienen und Ihm deine Liebe zu zeigen? – Wo sonst als im christlichen Glauben ist so eine gnadenreiche Nähe zum Schöpfer zu finden?

Jahwe ist ein liebender Gott

Der Gott der Bibel, also auch der Gott des Alten Testaments, ist ein liebender Gott. Die manchmal strenge, “eifernde”, an manchen Stellen auch gewalttätige Gottesliebe des Alten Bundes kann (so denke ich) nur im Kontext der damaligen Zeit verstanden werden: das geoffenbarte Wort trifft auf Schreiber, die in ihrer Zeit und Gesetzlichkeit leben. Für jeden Christen ist es die Lebensaufgabe, herauszufinden, was Liebe eigentlich (im konkreten Leben) erfordert und bedeutet. Im Neuen Testament finden wir in Paulus‘ Römerbrief besondere Eigenschaften der Liebe. Dazu muss ich (vermutlich mit vielen anderen gemeinsam) sagen, dass diesem hohen Anspruch kaum Rechnung getragen werden kann. Doch es hilft mir, daran zu denken, dass hier die vollkommene (vielleicht unerreichbare) Liebe (Gottes) beschrieben wird – ein Spiegel also, den ich mir als christlicher Mensch von Zeit zu Zeit vorzuhalten habe.

Jesus ist sein eingeborener Sohn

Hier kommen wir zum Kern meines Christseins, das ist der unbedingte Glaube an Jesus Christus. Wie wunderbar unser GOTT Zeit und Raum erfüllt: Während wir Menschlein uns ständig die Nase stoßen an den Begrenzungen von Raum und Zeit, weist unser Schöpfer unermüdlich auf die eine Tugend hin, die alle Fesseln dieser Begrenzungen sprengen kann: die Liebe. Sie ist sichtbar geworden in Seinem Sohn Jesus von Nazaret oder besser gesagt: Jesus von Gott (Joh 3,16). Was für eine unbeschreibliche Liebe, den einzigen Sohn als Mensch und Gott auf diese Erde zu schicken! Was für eine ewig-berührende Liebe, die es mir (und jedem Christen zu allen Zeiten) ermöglicht, diesen Sohn in Form der Eucharistie aufzunehmen!

Nachfolge Christi

Jesus Christus erleidet für uns das grausamste und zugleich liebevollste Schicksal: den Tod am Kreuz. So haben Vater und Sohn auf erschütternde Weise gezeigt, mit welch radikaler Konsequenz sie allen Sünden der Menschen begegnen. Daraus folgt für mein Christsein eine doppelte Aufgabe: Einerseits der Essenz Christi zu folgen, Tag für Tag. Wenn zwischendurch Gefahr droht, an diesen Herausforderungen zu verzweifeln, dann ist es höchste Zeit, sich an die einmalige Eigenschaft göttlicher Liebe zu erinnern: sie ist bedingungslos. So werde ich als glaubender Mensch immer und überall wieder aufgefangen.

Auch bei der zweiten Aufgabe, dem wichtigsten Gebot zu folgen, gibt es für christliche Menschen keine Ausrede: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten” (Mt 22,37ff). Natürlich sagt mir meine Erfahrung, dass ich so gut wie täglich an diesen Geboten scheitere. Aber dann habe ich die Gewissheit, dass es ein weiteres großes Vermächtnis Jesu Christi, die Beichte, gibt: ”Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert” (Joh 20,23). Es hat gedauert, bis dieses Bewusstsein mich wirklich erfüllt hat, aber seitdem ist es mein Anspruch geworden, monatlich zu beichten. Es gelingt nicht immer, aber immer öfter…

Mein Ziel heißt Auferstehung

Gerne erinnere ich mich an eine Osterpredigt, in der die Frage gestellt wurde, wie wir Christen unsere Zukunft sehen. Im Alltag antworten viele mit ihren Sorgen um Gesundheit, Sicherheit und Einkommen. Die Antwort des Pfarrers dagegen erinnerte an die glasklare Zukunft des christlichen Menschen: Auferstehung! Mein Christsein pendelt also zwischen der täglichen Bitte “Unser tägliches Brot gib uns heute” und der unendlichen Freude über die kommende Auferstehung!

Ich bete, also bin ich

“Oro ergo sum”, zum Schluss also ein Zitat, es stammt von Abraham Joshua Heschel. Dieses Zitat habe ich kürzlich zum ersten Mal gehört, anlässlich eines Vortrags zum Thema “Gebet im Judentum”. Rabbi Heschel, der große jüdische Gelehrte, betrachtete es als sein geistiges Vermächtnis und zeigt damit, wie nahe Judentum und Christentum einander sind.

Auch wenn viele Christen die Nähe zum Beten verloren haben, dürfen wir uns daran erinnern: Allein in der Bibel finden wir über 400 Gebete! Und wenn wir von einem liebenden und barmherzigen Gott sprechen, wie können wir dann schweigen? Beginnt Liebe nicht damit, dass ein übervolles Herz sich öffnet? Ist Liebe nicht ein immerwährender Anspruch, und wird daraus nicht die Aufforderung zum unablässigen Beten verständlich? Darum sage ich jedem: Es ist immer Zeit zu beten.

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Dieser Beitrag erscheint gleichzeitig auch auf sende-zeit.de
“Sende-Zeit” ist ein Blog zur missionarischen Pastoral in der Erzdiözese Freiburg. Hier schreiben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Pastorale Grundaufgaben im Erzbischöflichen Freiburg sowie gelegentlich Gastautorinnen und -autoren. Von Januar 2010 bis Juni 2014 war “Sende-Zeit” das Blog des Referates Medienpastoral, das zur selben Abteilung gehört. [Über Sende-Zeit]

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