Die Gnade, Kinder Gottes zu werden (2.So nach Weihnachten)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

(Joh 1, 1-18)

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Die Gnade, Kinder Gottes zu werden

Man kann sich bei der heutigen Perikope mit dem so genannten Johannesprolog befassen, mit jenen berühmten ersten fünf Versen, die es schöpfungstheologisch und substanzphilosophisch wirklich in sich haben. Vor einem Jahr war dies mein Ansatz (vgl. „Im Anfang war das Wort„). Nun möchte ich weiter schauen, was darüber hinaus in diesem Evangelium gesagt wird.

Johannes tritt auf, ein Mensch, der – wie es heißt – „von Gott gesandt war“ (Joh 1, 6). Und weiter: „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht“ (Joh 1, 7-8). Johannes bezeugt Jesus, das Licht, das in die Welt gekommen ist: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“ (Joh 1, 9). Jesus, das Licht der Welt, braucht einen Menschen wie Johannes, der auf Ihn hinweist.

Warum, erfahren wir kurz darauf: „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1, 10-11). Es scheint, als ließe die Menschheit sich nicht erleuchten, auch nicht von Jesus, von Gott, von dem sie abhängt. Gott wird von denen, die Sein „Eigentum“ sind, Seine Schöpfung, zurückgewiesen. Im Grunde ist also die Mission gescheitert, ehe sie beginnt. Zumindest nach menschlichem Ermessen. Gott verwandelt selbst dieses Scheitern in Gnade, wie wir wissen: Am Kreuz erlöst Jesus die, die Ihn ans Kreuz schlugen.

Es gibt aber in Gottes Schöpfung auch die, die zwar „in der Welt“, aber nicht „von der Welt“ sind, hier unterschieden durch die Formulierungen „aus dem Blut“ und „aus Gott“ geboren (Joh 1, 13), man könnte vielleicht sagen: die an die vergängliche, materielle Welt gebundenen und die an Gott und Seinem Wort orientierten Menschen. Letztere nehmen Gott auf, indem sie Sein Wort annehmen. Sie sind nicht mehr Kinder des Menschen, sondern „Kinder Gottes“ (Joh 1, 12). Zumindest haben sie das Potenzial (die „Macht“), sich zu Gotteskindern zu entwickeln.

Diese Entfaltungsmöglichkeit ist ein Geschenk Gottes. Es ist Gnade – gegen die Spielregeln der Welt: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus“ (Joh 16-17). Das Gesetz bleibt zwar bestehen (Jesus selbst legt größten Wert darauf), aber es ist nicht die Instanz der Seligkeit, Gesetzestreue nicht der Weg zu Gott. Dieser öffnet sich, wenn wir die Gnade annehmen, die wir von Gott geschenkt bekommen, durch Jesus Christus. Das ist neu – und schier unbegreiflich.

Nur eines ist unbegreiflicher als die Gnade Gottes: Dass der Mensch sie verschmäht – damals wie heute. Denn würde Jesus heute in Sein „Eigentum“ kommen – wer nähme Ihn an, wer erwies sich als Kind Gottes? Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für 2015 alles Gute – ganz besonders das Bewusstsein für die Gnade Gottes, die sich in unserem Leben zeigt, und die Dankbarkeit für dieses Bewusstsein!

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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