Das Fest der Drei Heiligen Könige

Die Weisen aus dem Morgenland, von denen die Bibel zwar weder sagt, dass es Könige, noch, dass es drei an der Zahl waren, die aber in königlicher Würde dem Ruf Gottes folgten und Jesus drei Geschenke darbrachten, waren Sterndeuter, die sich aufgrund einer astronomischen Erkenntnis auf den Weg machten, um Gott zu suchen. Nicht derart, dass sie im Sternenhimmel selbst das Göttliche erkannten, etwa in der schieren Unendlichkeit des Alls etwa Göttliches sahen, einen kosmologischen Gott, fern, abstrakt, unnahbar, sondern dass sie einen bestimmten Stern als Zeichen auffassten, als Hinweis auf den menschgewordenen, ganz konkret erfahrbaren Gott, einen Stern, der sie einen Weg anschlagen lässt, der zur Krippe führt, zu Jesus.

*

Drei Heilige Könige
Frühe Darstellung der Drei Heiligen Könige: 3 persische Weise – ohne den afrikanischen König, der in der Kunst der folgenden Jahrhunderte den Universalanspruch unserer Kirche belegen sollte (Anm. des Blogbetreibers).

*

Papst Benedikt XVI. hat den Weg einmal sehr eindrucksvoll nachgezeichnet und dabei drei Phasen unterschieden. Zunächst das Angerührtsein vom Stern und der freudige Aufbruch. Dann die Verdunkelung, das Erlöschen des Sterns, die Ratlosigkeit und die Furcht vor dem Umsonst. Diese Erfahrung des sich verhüllenden Gottes macht wohl jeder Christ irgendwann einmal. Der Verdunkelung ist, so Benedikt, mit Geduld zu begegnen, mit demütigem und beharrlichem Klopfen an die Tür des schweigenden Gottes, der uns die Stunden des Dunkels schickt, um unsere Sehnsucht wachsen zu lassen. Erst dadurch werden wir geformt und befähigt, bei unserer Wanderschaft auf dem inneren Weg der Seele den Aufstieg zu den Höhen des Ewigen zu schaffen. Schließlich endet der Weg der Weisen im Finden und Anbeten des Gefundenen.

Damit ist der Weg aber nicht zuende, sondern er beginnt auf’s Neue, denn nun geht es für die Weisen, die einen neuen König erwartet hatten, darum, mit der größtmöglichen Differenzerfahrung fertig zu werden: kein Palast – ein Stall, kein Thron – eine Krippe, kein Königspaar – eine Magd und ein Handwerker. Gott ist anders. Vor allem, als man Ihn sich vorstellt. Was also folgt ist ein innerer Weg, ein inneres Sich-Annähern an den, der doch immer der „Ganz Andere“ (Otto) sein wird, auch wenn Er in Jesus ganz Mensch wurde, weil Er zugleich ganz Gott blieb. Auf diesem inneren Weg, auf dem wiederum Dunkel und Licht sich abwechseln, sinken die Drei immer tiefer in das Geheimnis der Herrlichkeit Gottes hinein, und wir mit ihnen, wenn wir uns denn auch auf den Weg machen und den Sternen folgen, die uns Orientierung im Glauben geben. Ja, das ist eine gute Weise, den christlichen Glauben zu beschreiben: Eintauchen in das Geheimnis der Herrlichkeit Gottes.

Die Weisen aus dem Morgenland tun dies als Heiden, als Fremde, als Suchende – und werden gerade dadurch zu Vorbildern im Glauben. Edith Stein hat dies einmal so ausgedrückt: „Die Könige sind an der Krippe als Vertreter der Suchenden aus allen Ländern und Völkern. Die Gnade hat sie geführt, ehe sie noch zur äußeren Kirche gehörten. In ihnen lebte ein Verlangen nach der Wahrheit, das nicht haltmachte vor den Grenzen heimischer Lehren und Überlieferungen. Weil Gott die Wahrheit ist und weil er sich finden lassen will von denen, die ihn von ganzem Herzen suchen, mußte diesen Weisen früher oder später der Stern aufleuchten, der ihnen den Weg zur Wahrheit zeigte. Und so stehen sie jetzt vor der menschgewordenen Wahrheit, sinken anbetend nieder und legen ihre Kronen zu Füßen, weil alle Schätze der Welt nur ein wenig Staub sind im Vergleich zu ihr.“

Die Wahrheit suchen, Gott finden, das Kind in der Krippe anbeten. Das ist unser Glaube. Dazu sind wir als Christen aufgerufen. Heute, am Fest der Heiligen Drei Könige, werden wir daran erinnert, wie es gehen kann, liefern uns die Weisen doch eine Art Programm für gelingenden christlichen Glaubensvollzug: sich orientieren, aufbrechen, Dunkelheit ertragen und mit Gottes Hilfe immer wieder neu überwinden, schließlich Christus finden, im kleinen, schwachen Menschen, Ihn anbeten und beschenken. Das Geschenk, das wir Ihm bringen, sind wir selbst, unser Leben, das wir in die Hand des Kindes legen und dem Willen Gottes anheimstellen. Das ist nicht leicht. Aber leicht war der Weg der Weisen damals auch nicht.

(Josef Bordat)

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s