Unreine Geister (Ev. vom 4.So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten. In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

(Mk 1, 21–28)

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Unreine Geister

Es klingt wie ein Ruf in unseren Tagen: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?“ Hier aber ist es der Ruf eines „Besessenen“, der ziemlich genau weiß, wer Jesus ist: „der Heilige Gottes“. Trotz dieses Bekenntnisses gebietet Jesus dem Geist, der so aus ihm spricht: „Schweig und verlass ihn!“ Warum? Ich will ehrlich sein: Mir fällt eine Antwort schwer. Setzt Jesus auf einen öffentlichkeitswirksamen Show-Effekt, damit „sein Ruf sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa“ verbreitet? Das glaube ich nicht. Jesus will dem Menschen helfen, dem Menschen, der hier und hetzt vor ihm steht, seinen „unreinen Geist“ loszuwerden. Er will ihn heilen. Bei anderen Heilungswundern zeigt die Bitte um Stillschweigen, dass es Ihm gerade nicht um Popularität geht, ganz im Gegenteil.

Doch was ist „unrein“ an einem Geist, der ja offensichtlich mehr versteht als die durchschnittlichen Synagogenbesucher, die mehrheitlich „betroffen“, ja, regelrecht geschockt sind von Jesu Auftreten? Ich denke folgendes: Es ist falsch, mit der falschen Motivation das Richtige zu sagen oder zu tun. Und das Motiv des „unreinen Geistes“ ist es nicht, Jesus den Menschen als von Gott gesandt und autorisiert vorzustellen, ihre Schockstarre gleichsam zu lösen, sondern die Gelegenheit zu nutzen, um Hass gegen Jesus zu schüren. Er spricht zuvor das aus, was die Pharisäer und Schriftgelehrten insgeheim gedacht haben mögen, die von Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu an hauptsächlich damit befasst waren, wie sie Ihn am besten beseitigen können; an vielen Stellen im Evangelium wird daran erinnert. Er sagt: „Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“ Der „unreine“ Hintergedanke des „Geistes“ ist, dass die Anwesenden diese Frage als rhetorische auffassen. Der Konflikt wäre vorprogrammiert.

Seien wir also ehrlich mit dem, was wir sagen. Versuchen wir nicht, durch Heuchelei einen falschen Eindruck zu vermitteln. Üben wir Kritik in ebenso klarer wie sachlicher Weise. Und hüten wir uns vor dem unreinen Gedanken, wir könnten den Anderen raffiniert und hinterlistig über unsere wirklichen Absichten täuschen, ihn einspannen für Dinge, die er gar nicht will. Lange geht so etwas nie gut. Und je schneller wir uns von dem unreinen Geist der Falschheit befreien lassen, desto besser – für uns und für unser Umfeld. Jesus wartet auch heute noch darauf, zu dem unreinen Geist in uns sagen zu können: „Schweig und verlass ihn!“ Heute geschieht das nicht mehr in der Synagoge, „mit lautem Geschrei“, sondern in den Sakramenten, die wir empfangen, und in den Gebeten, die wir sprechen. Unverändert bleibt allein die Macht des Herrn: „Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.“

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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