Das Licht der Welt – heller als alle kosmischen Sonnen (Darstellung des Herrn)

 

Nach jüdischer Tradition wird der erstgeborene Sohn 40 Tage nach seiner Geburt Gott im Tempel als Eigentum übergeben bzw. »dargestellt«. Eine wenig begüterte Mutter »reinigt« sich durch das Opfer von zwei Tauben, eine reiche durch ein Schaf oder Lamm. In diese Tradition wissen sich Maria und Josef eingebunden. Der innere Sinn dieses Festes schließt direkt an Weihnachten an: Jesus, Mensch gewordener Gott, kommt zum ersten Mal in »seinen Tempel«.

Zwei prophetisch begabte Menschen erkennen in dem Kind den sehnsüchtig erwarteten Messias, den Trost und die Hoffnung Israels. Gegen eine Welt dunkler Machtinteressen setzt sich das Licht durch. Gegen eine Logik des Friedens, die nur den Siegern nutzt, setzt sich die Logik des Friedens Gottes durch, die sich den Unterdrückten zuwendet.

Gerade dadurch ist Jesus ein Zeichen, dem widersprochen wird. Wer Ihm nachfolgt, kann nicht damit rechnen, dass sein Leben zur Erfolgsstory wird, es wird vielmehr aufgebrochen und verwundet. Jesus lässt uns die Widersprüche in uns selbst, unsere Ohnmacht, Schuld, Bedürftigkeit erkennen. Aber vor Ihm können und müssen wir uns nicht verstecken. So wie wir sind, dürfen wir Ihn erwarten wie Simeon und Hanna.

Als Christen ist es unsere Aufgabe, Zeichen des Widerspruchs in einer auf Anpassung bedachten Welt zu sein, damit Heil und Licht aufscheinen können (TeDeum, 2.2.2013).

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Darstellung des Herrn - Lichtmess 

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„Wer wird, wenn er heute eine brennende Kerze in Händen hält, nicht sofort an jenen seligen Greis [Simeon] erinnert, der heute Jesus in seine Arme nahm, das Wort im Fleisch wie das Licht im Wachs, und der bezeugte, dass ER das „Licht zur Erleuchtung der Heiden“ (Lk 2,28.32) war?

Wahrlich, [der Greis] war selbst „die Lampe, die brennt und leuchtet“ (Joh 5,35), die „Zeugnis ablegte für das Licht“ (Joh 1,7). Eben dazu kam er im Geist, der ihn erfüllte, in den Tempel (Lk 2, 26): dass er „deine Barmherzigkeit empfange, o Gott, inmitten deines Tempels“ (Ps 47,10), und verkünde, dass dieser die Barmherzigkeit und das Licht ist für dein Volk…

Freue dich also, du rechtschaffener Greis, und schau, was du vorhergesehen hast: die Finsternis der Welt ist vertrieben, „Völker wandeln in deinem Licht“ (Jes 60,3), „die ganze Erde ist erfüllt von der Herrlichkeit“ (Jes 6,3) jenes verborgenen Lichtes, das du liebkosend in deinen Armen trugst, oder besser: mit dem du deine Sinne wieder erwärmtest!…

Umfange also, glücklicher Greis, die Weisheit Gottes, und dein Herz wird wieder erglühen und weise werden! Drücke die Barmherzigkeit Gottes an deine Brust, und dein Alter wird reich an Barmherzigkeit (Ps 91,11). „Mein Geliebter ruht an meiner Brust“ (Hld 1,12), steht geschrieben.

Auch wenn ich ihn seiner Mutter zurückgebe, wird er bei mir bleiben, und wenn die Mutter ihn an die Brust nimmt, ruht er weiter an meiner Brust, und sie wird übervoll von reicher Barmherzigkeit… Ich preise und beglückwünsche dich, du Gnadenvolle“ (Lk 1,28), die du geboren hast die Barmherzigkeit, welche ich aufnehmen durfte, die du bereitet hast die Kerze, die ich empfangen durfte!…

Nun denn, meine Brüder, seht: die Kerze brennt in der Hand Simeons. Entzündet auch ihr eure Kerzen, indem ihr von seinem Lichte borgt… so dass ihr nicht nur Leuchten tragt, sondern selbst Leuchten seid, die innen und außen leuchten – für euch selbst und für eure Nächsten.

Hl. Guerric von Igny (um 1080 – 1157), Zisterzienserabt 1. Ansprache für Lichtmess, 2-3
(aus: Guerric von Igny: Ansprachen I. Übers.: B. Kohout-Berghammer – M. Magdalena Aust. Hrsg.: Zisterzienserinnen-Abtei Eschenbach. 1996. Reihe: Texte der Zisterzienser-Väter ; 6)

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GEBET

Gott unseres sehnsüchtigen Wartens,
du unser Licht, unser Heil, unser Friede,
du kommst uns entgegen, du zeigst dich uns,
wenn wir deinem Heil in unserem Leben eine Chance
geben, indem wir das, was uns begegnet,
in seiner tieferen Bedeutung wahrnehmen.

Gib uns ein junges Herz, das nicht aufhört,
nach dir zu suchen –
damit wir einmal sagen können:
»Nun lässt du, Herr, mich in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast.«
Amen.

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