Unrein und rein (Ev. vom 6.So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein. Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

(Mk 1,40-45)

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Erzählungen

Das hat ja mal so gar nicht funktioniert! Obwohl Jesus dem Geheilten „einschärfte“, nichts von den Umständen seiner Heilung zu erzählen, sondern nur das übliche Opfer zu bringen, sich dann wieder in die Gemeinschaft, aus der er ausgesetzt worden war, einzugliedern, sich dazu das „OK“ der Verantwortlichen zu holen, trotz der nachdrücklichen Bitte – redet er. „Bei jeder Gelegenheit“. Die Geschichte geht rum, „sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte“. Doch auch der Rückzug in einsamere Gegenden abseits der Ballungszentren hilft nicht: „Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.“

Welch ein Unterschied zu heute! Jesus, der Menschen das Leben schenkt, der lebendig macht, der dafür sorgt, dass Ausgeschlossene und Ausgesetzte wieder zurück in die Gemeinschaft können, zurück ins Leben, will dafür keine Aufmerksamkeit. Ihm geht es nicht um Popularität. Heute sehen wir durch die Medien vor allem Menschen, die kaum etwas Konstruktives beitragen zum Zusammenleben, die aber – „bei jeder Gelegenheit“ – Aufmerksamkeit zu erzeugen gewillt sind, auf dass ihre Geschichte immer wieder neu erzählt werde, so belanglos sie auch ist.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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Anm. des Blogbetreibers: An dieser Stelle des Evangeliums zeigt sich einmal mehr, wie schwierig und vielschichtig die Deutung der Evangelien ist. Bei Lukas ist nicht von Wundererzählungen des Geheilten die Rede, sondern nur vom Ruf Jesu, der sich verbreitete (Lk 5,15). Matthäus wiederum spricht weder von „Erzählungen bei jeder Gelegenheit“ durch den Geheilten, noch vom „Ruf Jesu“ (Mt 8,1-4). Und was Markus anbelangt, geht Klaus Berger in seinen Meditationen zu den Sonntagsevangelien „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus“ (Herder, 2008, Lesejahr B, S. 156) nicht davon aus, dass der Geheilte sein Schweigeverbot übertreten habe: „Das Subjekt des Satzes ist Jesus, so wie er der Sprecher von 1,44 war“. Was auch immer wahr sein möge, es tut den Worten von Josef Bordat keinen Abbruch, dessen Hinweis auf das Leben heute voll ins Schwarze trifft.

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