Die Verklärung Jesu (Ev. vom Zweiten Fastensonntag)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

(Markus 9, 2–10)

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Verklärung Jesu

„Sechs Tag danach“, so beginnt die Perikope von der Verklärung Jesu aus dem Markusevangelium. Sechs Tage nach der Rede zur Volksmenge, in der Jesus sagt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mk 8, 34). Sechs Tage danach kommt es also zur Verklärung Jesu und Zeugen dieses Ereignisses sind drei Männer, die Jesu Jünger sein wollen, die Ihm nachfolgen: „Petrus, Jakobus und Johannes“. Sechs Tage, das ist die alttestamentarische Schöpfungsdauer, die Zeitspanne vom Anfang der Welt, vom Chaos, oder wie es in Gen 1, 1 heißt: vom Tohuwabohu („wüst und leer“), bis zu ihrer Vollendung in der Erschaffung des Menschen als Abschluss und Krone der Schöpfung.

Die sechs Tage werden hier nicht von ungefähr zitiert, denn im Grunde zeigt sich im Ereignis der Verklärung wieder jener Entwicklungsbogen, der ausgespannt ist zwischen dem Beginn der Beziehung Gottes zu den Menschen (Mose) bis hin zur Vollendung dieser Beziehung in Kreuz und Auferstehung (Jesus). Der Gottes – und Menschensohn, Christus, ist Garant dieser neuen geistlichen Schöpfung, des neu gestifteten Bundes, der den mosaischen Pakt überwindet, indem er die Beziehung Gottes zum Volk Israel in die Beziehung Gottes zu allen Menschen überführt – beglaubigt von Gott, dem Schöpfer, dem Vater: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“

Die Verklärung Jesu findet auf einem Berg statt, auf einem „hohen“ Berg, wie Markus ausführt. Dort, wo man einen anderen, einen besseren Blick auf die Dinge hat, mehr Übersicht, die zu neuer Erkenntnis führt. Aus der Verklärung kann somit auch für den Menschen eine Erklärung werden. Im Licht der Wahrheit erkennen die Jünger das Wesen Christi in aller Deutlichkeit: der Herr erscheint in strahlend weißen Kleidern, die so weiß sind, „wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann“. Der Situation haftet etwas Überirdisches an, etwas Transzendentes. Jesus ist eben nicht nur Menschen-, sondern auch Gottessohn. Diese Wahrheit wiederum fließt nicht aus dem trüben Sinn nostalgisch-selektiver Wahrnehmung, so man vielleicht die Schulzeit dreißig Jahre nach dem Abschluss „verklärt“, sondern aus der Klarheit des göttlichen Geistes. Die Jünger bekommen eine Vorahnung von der Auferstehung; die Sache beschäftigt sie, doch erst am Ostermorgen werden sie verstehen.

Hoch auf einen Berg zu gelangen ist mühevoll, besonders, wenn es sich um einen inneren Aufstieg handelt, wenn man Berge von Problemen zu erklimmen hat und sich die Sorgen zu einem Massiv auftürmen. Aber es ist lohnenswert, sie zu bezwingen, sie zu überwinden. Nur so lassen sich Erfahrungen machen, die das Alltägliche übersteigen. Verklärung gibt es nicht zum Nulltarif, nicht dort, wo alles flach ist. Sondern dort, wo es steinig wird, wo man sich festhalten muss, um nicht abzurutschen, wo die Luft dünn wird. Wo man mit Petrus sagen kann: „Es ist gut, dass wir hier sind.“

 

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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