Die Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt (Ev. vom Dritten Fastensonntag)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium

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UPDATE: Korrektur und Entschuldigung siehe Kommentar zum 4. Fastensonntag!

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So kam er zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr? Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias? Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus. Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt. Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen. Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte. Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen. Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät und ein anderer erntet. Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit. Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

(Johannes 4, 5–42)

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Schule gelungenen Sprechens

Das Gespräch am Jakobsbrunnen zwischen Jesus und der Frau aus Samarien ist ein Beispiel für den gelungenen Dialog zwischen ungleichen Partnern. Das, was sie trennt, ist offensichtlich: Mann und Frau, Jude und Samariterin, der Bote einer verbindlichen Moralität und die Vertreterin ungeordneter Verhältnisse, die sie zur unüblichen Mittagszeit an den Brunnen führen. Nur so kann sie dem Gerede der Anderen ausweichen. Tiefe Gräben trennen die beiden, die sich am Jakobsbrunnen eingefunden haben.

Was passiert nun? Jesus steigt in das Gespräch ein, indem er Seine Dialogpartnerin um etwas bittet. Er trägt keine These vor, an der sie sich abarbeiten soll, sondern eine Bitte, durch die er Seine Schwäche eingesteht und die Frau in eine Position der Stärke bringt. Ihm ist es nicht möglich, an das Wasser im Brunnen zu kommen. Die Frau aber hat einen Krug, mit dem sie Wasser schöpfen kann. Sie ist in dieser Hinsicht im Vorteil. Darauf weist Jesus als erstes hin.

So kommt die Rede auf das Wasser. Zunächst reden beide noch aneinander vorbei: Die Frau denkt nur an das Wasser aus dem Brunnen, Jesus hingegen spricht von sich als dem „lebendigen Wasser“. Die Hindernisse scheinen unüberwindlich, die Missverständnisse zu groß, als dass es eine Verständigung geben könnte zwischen dem Juden Jesus und der Sünderin aus Samarien. Doch schließlich versteht die Frau und der Begriff des Wassers wandelt sich auch für sie: Sie lässt „ihren Wasserkrug stehen“, um ihre Entdeckung des „lebendigen Wasser“ weiterzutragen.

Und auch hier geschieht die Ansprache in einer Weise, die erfolgsversprechend ist. Die Frau stellt keine Behauptung auf, sondern stellt vorsichtig eine Frage: „Ist er vielleicht der Messias?“ Die Menschen sollen kommen, sehen und selbst entscheiden, ob Jesus der Messias ist. Das ist genau die richtige Form der Verkündigung, denn nur so können sie sich selbst überzeugen und in Freiheit glauben. So sagen sie schließlich: „Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.“

Den Anderen zu bitten, seine Stärke zu teilen, Fragen zu stellen, statt Thesen zu formulieren, Freiheit zu geben, sich selbst zu entscheiden – das sind Regeln gelungener Glaubensverkündigung, nicht nur vor 2000 Jahren in Samarien, sondern auch heute noch in Wien oder Berlin. Es wird Missverständnisse geben, wenn wir von Jesus sprechen, gerade in einer Zeit, in der Wasser als Verbindung von Sauerstoff und Wasserstoff hinreichend beschrieben ist und die so allzu leicht übersieht, dass Wasser Leben ist, weil es als Eis trägt, als Fluss erfrischt und als Dampf Kraft entwickelt, die antreibt. Doch wir sollten von Jesus sprechen. Indem wir in die Diskurse heute mit der Samariterin die Frage werfen: Hat Er uns dazu vielleicht etwas zu sagen?

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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