OSTER Notizen (Gründonnerstag)

Unbarmherzig meldet sich die „sleep better“ App am Handy. Es ist 4 Uhr vierzig. Aufstehen, duschen, anziehen. Ein kurzes Gebet zum Dreieinigen Gott.

Herr, erbarme Dich unser. Erbarme Dich derer, die viel haben und nichts bzw. nicht viel geben. Erbarme Dich aller, die zuwenig geben – damit bin ich bei mir. Bitte, erbarme Dich unser!

Dank sei Dir dem Vater, der uns Seinen einzigen Sohn gesandt hat. Dank sei dem Sohn, der uns an diesem besonderen Tag die Eucharistie geschenkt hat. Der Sein letztes Mal auch mit jenen teilte, von denen Er wusste, dass sie Ihn in den kommenden Stunden verraten würden.

Herr, Du bist so fern, mach unsere und meine Schritte stetiger und liebevoller. Herr, Du bist so nah, immer dann, wenn wir uns auf Dich einlassen: als ob dies nicht schon ein unermessliches Geschenk wäre – brichst Du das Brot millionenmal am Tag auf jedem Altar dieser Erde – was für ein unendliches Geschenk!  Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Auf der Autobahn Richtung Westen. Langsam bricht der Gründonnerstag an. Der Verkehr wird stärker, bleibt aber erträglich. Zeit zum Radiohören: Nachrichten und Klassik; Draeseke, Hummel, Schumann. Runter von der Autobahn. Die Regentropfen werden feiner, leichter. Schnee! Mehr und mehr erscheint die Landschaft weißgewandet. Ist es Dein Gewand, Herr? Es ist still. Wohltuend still. (Gewalt ist laut.) Du aber bist Friede, und Stille. (Auch Liebe kann laut sein.) Ja, ich erinnere mich. Aus Liebeseifer warst Du laut, vor dem Tempel. Doch heute bist Du liebestrunken still. Noch heute wirst Du (auch mir) die Füße waschen.

Kundengespräche, freundlich lachend. Neue Gesichter, neue Namen. Keine Spuren von Gründonnerstag. Nur von Ostern. Ja, Frohe Ostern wünsche ich, und bis zum nächsten Termin! Treffen mit einem Kollegen. Cappucino mit Milchschaum. Übliche Themen: G’schichten aus dem täglichen Verkaufsjob, wie geht’s der Familie, und ja: zum Abschied – Frohe Ostern! Weitere Kundenbesuche, unzählige Telefonate.

Es wird bereits dunkel. Wieder auf der Autobahn, ostwärts. Im Radio – heute den ganzen Tag kein iPod-Mix – das Abendjournal. Runter von der Autobahn. Irgendwann stellt sich Hunger ein. Vielleicht doch ein kurzer Stopp beim Amerikaner? Mit Betreten von MacDonalds erlischt jeder Appetit; die Filiale ist brechend voll. Heute scheinen es besonders viele Familien zu sein. Und laut ist es! Gut, dass die Toiletten halbwegs sauber sind. Nichts wie raus.

Seltsamer Nachgeschmack einer lauten Welt. Bilderfolge: Kleine Tische mit zumeist 4 Leuten / Lautes Lachen / Mütter mit Kindern / angeregtes Reden. Wie ist das, Herr? Bist du auch inmitten dieser Menschen, die doch sehr weit vom Ölberg entfernt scheinen? Es genügen ja zwei Menschen, die in Deinem Namen zusammenkommen… und an die Ereignisse dieses besonderen Tages denken.

*

Gründonnerstag

Herr Jesus, Du läßt Dich von mir verzehren,
Du lieferst Dich mir aus in Brot und Wein.
Du machst Dich mit des Alltags Brot gemein,
Kannst Dich aus eignem Willen nicht mehr wehren.

Du bist mir mehr als frommer schöner Schein.
Du hängst nicht ab vom Glauben und Bekehren.
Vergäße selbst der Priester, Dich zu ehren,
Bist Du doch wahr und ist die Wahrheit Dein.

Der Menschen schuf und Weizenkorn und Traube,
Der allen Wesen ihre Nahrung schafft,
Wird mir zur Nahrung, wird mir Lebenskraft.

Du bist in mir. So kann ich in Dir sein.
Du lebst und wirkst, dreieiner Gott allein.
Ich kann es nicht begreifen, doch ich glaube.

© Claudia Sperlich

*

„Wenn ich mich vor einem Menschen niederkniee, dann mache ich diesen Menschen groß. Wir kennen diese Geste oft in der Beziehung von verliebten Menschen. Das ist die tiefste Botschaft des heutigen Tages. Es ist der Auftrag von Christen und Christinnen, Auftrag aller Menschen, andern die Würde zu geben: den Ausgegrenzten, den Asylsuchenden, den Kranken, den Gefangenen und nicht zuletzt und heute immer mehr – den Bettelnden und Bittenden.

Und es gibt kaum eine berührendere Geste, als Menschen in diesem Sinn die Füße zu waschen. So kommt man dem Sinn des Abendmahls nahe, dessen Einsetzung heute in den christlichen Kirchen gedacht wird. Eine Erinnerung an das letzte Abendmahl, das Jesus von Nazareth mit seinen Begleitern gefeiert hat. Das Abendmahl, wie es seither in den Gottesdiensten der christlichen Kirchen gefeiert wird, soll an diese Haltung erinnern und letztendlich auch die innere Kreativität und Inspiration schenken, diesen Weg der Fußwaschung zu leben.

Abendmahl kann so eine Quelle tiefer Menschlichkeit für die Gesellschaft sein. Der Sinn dieser großen Geste des Papstes und der Feier des Abendmahles jeden Sonntag ist es, mit der Haltung des Respekts und der Wertschätzung Wunden von Menschen zu heilen und Herzen von Menschen zu wärmen.“ (Benno Elbs, katholischer Bischof in Vorarlberg)

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