OSTER Notizen (Karfreitag)

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen – es sind nun schon sehr viele Monde, in denen diese Klage wiederkehrend aus meiner Seele bricht. Auf unsere Familie bezogen müsste es heißen: Waurm hast ihn verlassen. Gemeint ist unser Sohn, der regelmäßig von allen guten Geistern verlassen scheint.

Nein, dies ist kein Klagelied über ein Kind. Nicht heute. Nicht diesem Tag. Nicht an Seinem Tag. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen – in der Vergangenheit hat mich dieser Ruf Jesu überfordert. Wie kann es sein, dass ER wenige Augenblicke vor der Vollendung des größtmöglichen Werkes  – einem bloßen Aufschrei voller Verzweiflung Raum gibt?

Ich verstehe schon, Jesus ist auch 100 Prozent Mensch. Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Gott. Als Mensch hatte Er angesichts dieser Folter, dieses Verlassenseins, dieser unerträglichen Schmerzen alles Recht der Welt, zu klagen/schreien/brüllen. Viele Hunde umlagern mich, eine Rotte von Bösen umkreist mich. Sie durchbohren mir Hände und Füße. Doch irgendetwas hat mir immer gesagt: Gib dich nicht mit dem reinen Schmerzensschrei zufrieden.

Am Ölberg hat Er Blut geschwitzt, ja, so steht es geschrieben: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue) Kraft. Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte. Später, auf dem Kreuzweg, bricht Er mehrmals (dreimal) zusammen: Ja, das glaube ich.

Von Kindheit an hat JESUS die Gelehrten mit Seinen Kenntnissen des Wortes Gotttes in Erstaunen versetzt. Als ich schließlich eines Tages den Psalm 22 las, durchfuhr es mich wie ein Blitz. Kann es sein, dass in diesem Moment auf Golgota der göttliche und der menschliche Funke eins wurden?

Der Mensch, voll des Schmerzes und der unermesslichen Last, die Er zu tragen hat, schreit die Verzeiflung aus Seinem Leib. Und der Gott, der Er ist, legt einen unübersehbaren Verweis auf einen Psalm, der die Überwindung des Leids und den Lobpreis des Vaters mit ebensolcher Intensität verkündet. Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, inmitten der Gemeinde dich preisen. Zur Zeit der Vollendung wurden der menschliche und der göttliche Funke eins.

*

Psalm 22

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?
3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.
4 Aber du bist heilig, du thronst über dem Lobpreis Israels.
5 Dir haben unsre Väter vertraut, sie haben vertraut und du hast sie gerettet.
6 Zu dir riefen sie und wurden befreit, dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.
7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet.
8 Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:
9 «Er wälze die Last auf den Herrn, der soll ihn befreien! Der reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat.»
10 Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, mich barg an der Brust der Mutter.
11 Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Gott.
12 Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe und niemand ist da, der hilft.
13 Viele Stiere umgeben mich, Büffel von Baschan umringen mich.
14 Sie sperren gegen mich ihren Rachen auf, reißende, brüllende Löwen.
15 Ich bin hingeschüttet wie Wasser, gelöst haben sich all meine Glieder. Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.
16 Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, du legst mich in den Staub des Todes.
17 Viele Hunde umlagern mich, eine Rotte von Bösen umkreist mich. Sie durchbohren mir Hände und Füße.
18 Man kann all meine Knochen zählen; sie gaffen und weiden sich an mir.
19 Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand.
20 Du aber, Herr, halte dich nicht fern! Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!
21 Entreiße mein Leben dem Schwert, mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!
22 Rette mich vor dem Rachen des Löwen, vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!
23 Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, inmitten der Gemeinde dich preisen.
24 Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn, ihr alle vom Stamm Jakobs, rühmt ihn; erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels!

***

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s