Keine Täuschung – Wirklichkeit. Kein Betrug – Glaubenswahrheit (3. Sonntag der Osterzeit)

 

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, erzählten den Elf und den anderen Jüngern, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür.

(Lukas 24, 35-48)

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Wirklichkeit und Glaubenswahrheit

Jesus erscheint den Jüngern – körperlich (darauf legt Lukas Wert: „Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.“) –, und ihnen wird allmählich klar, an welcher Geschichte sie da teilhaben: Sie sind Zeugen für den seit Jahrhunderten von den Juden erwarteten Messias, der zuerst leiden und dann „am dritten Tag von den Toten auferstehen“ sollte.

Das leere Grab, dass sie vor kurzem in helle Aufregung versetzt hatte, war das eine. Nun aber kommt es bei und in Jerusalem zu einer Reihe von Erscheinungen Jesu, die den Osterglauben der Jünger erst zu dem machen, was er für das Christentum seither ist: die zentrale Glaubenswahrheit. Ohne die Auferstehung, so wird es bereits Paulus (der nicht zum Kreis derer gehörte, denen der Auferstandene erschien), ist das Christentum sinnlos, ja, gegenstandslos.

Alles hängt an der Auferstehung. Um so bedeutender die Erscheinungen und ihre Darstellung. Der Auferstandene hat bei Lukas nicht nur einen Körper, er hat auch körperliche Bedürfnisse: Jesus hat Hunger. Wie manchmal jeder von uns, der einen Körper hat. Es soll ganz deutlich werden: Die Auferstehung ist keine Täuschung, sie ist konkrete Wirklichkeit. Mit allem, was dazu gehört. Und: Der Glaube ist kein Betrug, sondern Wahrheit.

Die historisch-kritische Exegese der liberalen Theologie sieht in der Körperlichkeit der Erscheinungsdarstellungen nur eine rhetorische Form, die dazu dienen soll, psychische Zustände („Visionen“) nachträglich zu beglaubigen. Doch lässt sich diese Erklärung (die auf Selbstbetrug hinausläuft) durchhalten, wenn man den weiteren Verlauf der Geschichte betrachtet: 300 Jahre Verfolgung, zahllose Opfer unter den Christen, die ihr Martyrium zumeist tapfer ertrugen?

Für den jüdischen Religionswissenschaftler Pinchas Lapide ist das undenkbar. Er hält die leibliche Auferstehung Jesu für den entscheidenden Faktor des urchristlichen Glaubens. Das Erstaunliche daran ist, dass Lapide als Jude den Auferstandenen nicht als Messias anerkennt, selbst nicht an Christus als den Sohn Gottes glaubt. Dennoch hält er es für unwahrscheinlich, dass das Christentum sich ohne die leibliche Auferstehung Jesu so entwickelt hätte, wie es sich entwickelt hat.

Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Die Auferstehung sprengt meine Vorstellungskraft, insbesondere in dieser konkreten Gestalt. Doch unvorstellbar ist es für mich ebenso, dass elf der zwölf Apostel wenige Jahre nach dem leeren Grab und den leiblichen Erscheinungen des Auferstandenen für Jesus in den Tod gehen – im Wissen darum, nur einem höchstselbst organisierten Lug und Trug erlegen zu sein. Soweit geht Selbstbetrug nicht, soweit geht nur die Gewissheit.

Die Frage ist: Worauf vertraue ich mehr, darauf, dass mir mein Verstand die letztgültigen Antworten gibt, oder darauf, dass Gottes Handeln den menschlichen Verstand übersteigen kann? Das ist wohl die zentrale Glaubensfrage, die sich jeder Mensch stellen sollte.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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