Der gute Hirt (4. Sonntag der Osterzeit)

 

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen

(Johannes 10, 11–18)

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Der gute Hirt

Hirten spielen im Christentum eine besondere Rolle. Als Personalisierung von Sorge und Armut führen sie ein aufopferungsvolles Leben für die Herde. Die Romantik ihrer Naturverbundenheit steht dabei im Kontrast zur Härte der Aufgabe und zur Bescheidenheit der Lebensführung. Hirten sind prädestiniert für die Gottesbegegnung.

Im heutigen Evangelium stellt sich uns Jesus selbst als der „gute Hirt“ vor und grenzt sich in diesem Bild vom „bezahlten Knecht“ ab. Der „gute Hirt“ bietet Schutz, wo der „bezahlte Knecht“ längst über alle Berge ist, um sich selbst zu schützen. Der „gute Hirt“ hingegen sieht nicht auf sich selbst, sondern auf die Schafe, mit denen er sich identifiziert.

Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien, hat das einmal so erläutert: „Der Hirte, von dem Jesus spricht, denkt nicht nur an sich. Er ist vor allem mutig. Er traut sich was für die Seinen. Er schaut nicht tatenlos zu, wie die Herde vom Wolf angegriffen wird. Dieser Hirt verteidigt die Seinen und riskiert für sie sein Leben. Bei einem solchen Hirten weiß ich mich geborgen und beschützt.“

Jesus gibt Sein Leben für uns – insoweit passt das Bild vom „guten Hirten“ ganz hervorragend. In den ersten Jahrhunderten war dies dann auch die vorherrschende ikonographische Deutung des Heilsgeschehen, das mit Christus in die Welt kommt: der „gute Hirt“, der ein Schaf auf der Schulter trägt. Das Kreuz kam als Zeichen erst danach in Gebrauch.

Nun spricht Jesus hier auch von den „anderen Schafen“ und der „einen Herde“. Judenchristen und Heidenchristen bilden gemeinsam die „eine Herde“, für die der „gute Hirt“ sein Leben gibt. Wir heutigen Schafe dürfen das ruhig auf die Ökumene beziehen. Wir sind zwar von der „einen Herde“ noch ein ganzes Stück entfernt – zumindest stehen die Schaf-Grüppchen noch sehr weit auseinander, so dass von außen der Eindruck verschiedener Herden (und Hirten) entstehen kann –, doch wir wissen alle um den einen Hirten Christus, der uns schützt und der Sein Leben hingegeben hat – für jedes einzelne Schaf.

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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