Life Ball, Street Parade und die große Lüge

Ein radikaler Kurswechsel. Davon hat „Die Presse“ in Wien vor kurzem berichtet. Aber auf Seite acht und daher von den meisten Lesern wahrscheinlich unbemerkt. Von welcher Sensation war denn eigentlich die Rede? Es geht in dem Bericht um einen radikalen Kurswechsel einer Regierung, der uns Europäer sehr zum Nachdenken bringen sollte.

„Einsicht in eigene Fehler ist im internationalen Politikgeschäft nicht allzu oft zu vermerken. Gelegentlich manifestiert sich diese in maßvollen Korrekturen des Regierungkurses, aber eine Vollbremsung samt Kehrtwende, wie sie Rafael Correa nun hingelegt hat, ist eine ziemliche Seltenheit.“ So die Meldung in „Die Presse„. Es ging um die „Nationale Strategie zur Familienplanung und der Vermeidung von Schwangerschaften von Minderjährigen“ des mittelamerikanischen Landes Ecuador. Der dortige Präsident Rafael Correa hat nach fünf Jahren zugegeben, dass die bisherige Politik, die hauptsächlich auf medizinischer Prävention beruhte, kläglich gescheitert ist: „noch immer wird jedes fünfte Kind von einer Mutter geboren, die jünger als 18 ist“.

„Reiner und hohler Hedomismus“

Und das trotz der weiten Verbreitung von Automaten, die gratis Präservative ausspucken und eine große Nachfrage erzeugten. Trotz telefonischer Hotlines, die Jugendlichen die Möglichkeit gaben „über Dinge zu sprechen, die in den vielfach katholisch geprägten Elternhäusern nicht in den Mund genommen werden.“ Correa sagt jetzt, die bisherige Strategie „basierte auf reinstem und hohlstem Hedonismus – Lust um der Lust willen“ und betont: „Werte, wir müssen über Werte sprechen… [bis jetzt haben viele] Schlaumeier gesagt: ‚Ich bin frei und genieße meine Sexualität‘. Wenn das so ist, könnte auch mein Hund Sigismund behaupten, er sei frei, denn er hat Spaß am Sex“, ironisiert der Präsident, ohne indes Zweifel daran zu lassen, wie ernst es ihm mit dem Richtungswechsel sei.

Frühe Schwangerschaft – einige Fakten

Pro Jahr bekommen weltweit etwa 7,3 Millionen Teenager ein Kind, zwei Millionen davon sind gar unter 15 Jahre alt. Das geht aus einem Weltbevölkerungsbericht der UNO hervor. 17,2 Prozent der Ecuadorianer bekommen ihr erstes Kind als Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Das ist nach Nicaragua die zweithöchste Rate jugendlicher Eltern Lateinamerikas.

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Life Ball 2015
…und der Vater der Freiheit heißt Wahrheit. Entscheiden wir also mit dem Vater, welcher Verantwortung unsere Freiheit folgen soll.

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„Freiheitsverlust und die Unreifen“

Pater George Elsbett vom Zentrum Johannes Paul II. in Wien hat die seltene Gabe, die Dinge einfach und direkt auf den Punkt zu bringen. Die folgenden Absätze sollen deshalb ungekürzt zitiert werden:

Freiheit setzt voraus, dass es einen äußeren Maßstab gibt, der nicht einfach mit den eigenen Gefühlen, Trieben usw. gleichzusetzen ist. Freiheit setzt das Erkennen von Werten voraus, die man nicht selbst bestimmt, sondern vorfindet, also objektive Maßstäbe, gegen die man sich zwar entscheiden kann, aber nur um den Preis, auch die Konsequenzen dieser Entscheidung zu tragen. Nennen wir das Kind einfach beim Namen:

Freiheit setzt Wahrheit voraus, die man nicht selbst erfunden, sondern vorgefunden hat. Wenn dem nicht so wäre, dann wäre jedes Gerede von Freiheit bloß leeres Gerede. Ohne Wahrheit ist Freiheit fiktiv, man müsste dann ja überhaupt keine Wahl treffen, sondern es ginge nur darum, Reizen nachzugeben. Dass man vielleicht zwischen zwei Reizen wählen kann, bedingt noch keine Freiheit, denn das Kriterium, welchem Reiz man folgt, kann nicht der Reiz selbst sein.

Die Freiheit der Wahl bringt übrigens sofort Verantwortung mit sich. Der Nachbarhund muss sich nicht über unangenehme Konsequenzen den Kopf zerbrechen, wenn er unerwünscht die eigene Lassie geschwängert hat, weil er eben nicht frei ist, sondern nur seinen Trieben folgt und deswegen auch keine Verantwortung trägt. Von Vergewaltigung kann hier nie die Rede sein. Mit der Species Mensch verhält sich das aber ganz anders. Gerade weil er frei ist, hat der Mensch eine Verantwortung für sein Tun. Wo Liebe, da Freiheit. Wo Freiheit, da Verantwortung. Daher: wo Liebe, da Verantwortung. Doch Egoismus flieht sie.

Pater George Elsbett erläutert in seinem Artikel, dass uns Gesetzmäßigkeiten nicht einschränken, sondern befreien. Wer nicht zur Arbeit geht, wird bald die „Freiheit auf seinem Konto“ vermissen. Wer als regelmäßiger Raser auf unseren Autobahnen unterwegs ist, wird irgendwann von Witterung oder Schwerkraft eingeholt werden, und die Unfreiheit von persönlichem und Fremdschaden erfahren. In jedem Bereich unseres Lebens ist uns also klar, dass mangelnde Verantwortung zur Unfreiheit wird, oder besser gesagt, dass Verantwortung zu Freiheit führt.

Westliche Sexualität und die Umkehrung der Freiheit

Aber im Bereich persönlicher Befriedigung, insbesondere beim Sex ist scheinbar alles anders. Hier haben weite Teile der westlichen Welt die Weichen von Selbstverantwortung auf gesellschaftliche Verantwortung gestellt. Ist eine Frau „unpassend schwanger“ geworden, haben öffentliche Krankenhäuser nach dem Credo „mein Körper gehört mir und ich tue damit was ich will“ auf Kosten der Gemeinschaft abzutreiben. Wurden Mädchen und Frauen lustvoll (also außerhalb von Beziehungen) geschwängert, ist es so gut wie nie der Mann, der die Verantwortung übernimmt – die Gesellschaft regelt das schon irgendwie. Werden beim Geschlechtsverkehr Krankheiten übertragen, ist es in Europa die öffentliche Hand, welche einen großen Teil der Kostenverantwortung für egozentrische Lust und persönliches Leiden übernimmt. Auch der heute stattfindende Life Ball schafft es nicht ohne die öffentliche Hand: Die Gemeinde Wien schießt Subventionen im Wert von € 800.000,00 zu, damit am Ende eine Gewinnentnahme (Rechenschaftsbericht 2012: 1,8 Millionen) für Projekte in der dritten Welt entsteht; die „guten Werke“ des Life Ball werden also beinahe zur Hälfte von Wienern und Wienerinnen bezahlt!

Zurück zu Pater George Elsbett:

Natürlich geht es nicht darum, lauter unverständliche und sinnlose Regeln aufzustellen, die von allen strikt einzuhalten sind. Das wäre genau derselbe Fehler und würde ebenfalls zum Verlust von Freiheit führen. Da waren wir schon einmal und dorthin wollen wir nicht zurück. Es geht vielmehr um eine Erziehung zur Verantwortung. Dazu könnten wir anfangen, über Werte in Zusammenhang mit Sexualität zu reden und Sex nicht mehr als große Ausnahme des menschlichen Tuns zu betrachten. Wir sollten beginnen, uns ernsthaft zu fragen, wie denn ein verantwortlicher Umgang mit Sex ausschauen könnte.

Damit wären wir dann ziemlich schnell bei der Frage nach Sinn und Zweck von Sexualität und Sexualorganen und danach, ob und inwiefern das beim Mensch in Anbetracht seiner Freiheit anders ausschauen könnte als bei einem Tier. Dann könnten wir vielleicht über den Unterschied zwischen Gefühlen, Trieben und freien Entscheidungen sprechen oder über den Unterschied zwischen Liebe und Emotion. Schließlich könnten wir auch einmal alle unterschiedlichen Meinungen auf den Tisch legen und betrachten. Auch das, was die Kirche zu diesem Thema sagt – mit derselben respektvollen Offenheit, mit der man sich jede andere Meinung auf dem Smörgåsbord der heutigen Ideenwelt anhören würde. Dann könnten wir vielleicht hören, was die Kirche wirklich zu diesem Thema sagt.

Was die römisch-katholische Kirche zu diesem Thema zu sagen hat, ist noch längst nicht aufgearbeitet: Der Heilige Johannes Paul II. hat mit seiner „Theologie des Leibes“ eine große und vor allem bahnbrechende Schrift hinterlassen, die noch kaum Einzug in die katholische Praxis gefunden hat. Diese umfassende Betrachtung von Liebe und Sexualität im Kontext von Wahrheit, Freiheit und Verantwortung hat das Potential, einem satten und dekadenten Europa wieder auf die Beine zu helfen.

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