„Islam gehört zu Europa“ – Katholische Kirche und Islam in der deutschsprachigen Praxis

Pfingstgespräche im Süden Österreichs: Der 6. Pfingstdialog Geist & Gegenwart fand von Mittwoch, 20. bis Freitag, 22. Mai 2015 auf Schloss Seggau statt.

Palasttüt der Alhambra - Darla Hueske FLICKR
Palasttür der Alhambra – Darla Hueske in FLICKR

Unter den vielen Referenten war auch Alice Schwarzer mit einem Vortrag zum Thema „Reflexionen zu den aktuellen europäischen Herausforderungen“. Dabei wandtet sie sich direkt an den vorne sitzenden steirischen Diözesanbischof (emeritus) Egon Kapellari:

„Ich verstehe nicht, warum die katholische Kirche nicht ihre Werte entschiedener anbietet. Vor allem in der Auseinandersetzung mit dem Islamismus.“

Staunen im Saal. – Das ist die Praxis: Erstaunte Bischöfe, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Anstatt sich mit den entscheidenden Fragen der Zeit auseinanderzusetzen, als da sind Neuevangelisierung, Entweltlichung und der Dialog mit dem Islam, verfangen sich Bischöfe im deutschsprachigen Raum in Fragen der Liberalisierung: Geschieden-Wiederverheiratete, Zölibat, Strukturfragen von Pfarren (Pfarreien).

Mit großem Unbehagen erinnere ich mich an den Altbischof Helmut Krätzl, den ich anläßlich eines Besuches in unserer Pfarre mit der Tatsache konfrontierte, dass die Menschen heute immer weniger zum Gebet fänden und von der heutigen Pfarrergeneration diesbezüglich auch nicht gefördert würden: Der arme Mann hat gar nicht begriffen, wovon die Rede war.

Zurück zum Pfingstdialog. Eine bosnische Studentin beharrte gegenüber Alice Schwarzer auf das Recht zum Kopftuchtragen. Schon, sagte Schwarzer, aber sie wisse, dass in der muslimischen Community, in den Familien oft ein mehr oder minder massiver Druck ausgeübt wird. Man müsse die demokratischen und freiheitlichen Kräfte in der Community bestärken: „Sie müssen Farbe bekennen.“

Necla Kelek, bekannte „Islamkritikerin“, brachte den vom ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff geprägten, inzwischen auch von österreichischen Spitzenpolitikern wiederholten Satz „Der Islam gehört zu Deutschland (Österreich/Europa)“ auf den entscheidenden Punkt:

Nur ein Islam, sagte sie, der die europäischen Werte wie Menschenrechte, Frauenrechte, Demokratie, Trennung von Staat und Religion akzeptiere, gehöre zu Deutschland, Österreich und Europa.

Das ist in der Tat der Kern der Sache, das einzige Prinzip, das bei allem wohlmeinenden und oft realitätsvergessenen „Dialog der Religionen“, so wichtig dieser ist, wirklich zählt.

Für mich stellen sich einige Fragen:

1. Zu Europa kann der Islam unter Umständen gehören, wenn gläubige Muslime die Trennung zwischen Staat und Religion vollumfänglich akzeptieren. Was aber, wenn dies für Muslime/Muslimas unmöglich ist?

2. Wann endlich hören (vor allem deutsche) Bischöfe auf, sich vordergründig mit Reformfragen (Geschieden-Wiederverheiratete etc.) zu beschäftigen, und besinnen sich auf (1) die Verkündigung der Sakramente (2) die vertiefende Verkündigung des Alten und Neuen Bundes (3) Katechesen zum gemeinsamen und individuellen Gebet (4) die Entweltlichung der deutschsprachigen Kirche (5) und das persönliche Vorleben des Evangeliums im täglichen Leben?

3. Papst Franziskus hat den europäischen Teil der katholischen Kirche aufgerufen, mit dem Islam und muslimischen Gemeinden in Dialog zu treten und keine Berührungsängste zu zeigen. Von welchen Bischöfen und in welchen Pfarren wurde dieser Aufruf in die Tat umgesetzt?

***

2 Gedanken zu “„Islam gehört zu Europa“ – Katholische Kirche und Islam in der deutschsprachigen Praxis

  1. „Der Islam gehört zu Deutschland“. (Wie sinnvoll ist der Satz?)

    Der Satz ist ähnlich mit „Das Tätowieren gehört zu Deutschland“.
    Denn: historisch gehört der Islam so wenig zu Deutschland wie das Tätowieren.
    Deutschland ist ein freies Land (Frei für Deutsche, und nicht „frei“ im Sinne… Frei für Illegale Einwanderung).

    Der in Deutschland rechtens lebende Bürger, geniesst Freiheit. Dies beinhält auch die Freiheit des Deutschen Bürgers „sich zu Tätowieren“, oder „dem Islam beizutreten“.
    Aber zu behaupten, dass „der Islam zu Deutschland gehöre“, ist einfach ein Satz der nicht die richtige Balance hat.
    Was stark zu Deutschland gehört ist (unter anderem!) die Christliche Tradition und nicht der Islam.

    Ich schäme mich für Deutschland, wenn es den Bürgern in einer unverhältnismäßigen Weise verbreitet, dass der Islam zu Deutschland gehöre.
    Nein, in der Weise… gehört er nicht zu Deutschland. Statt dessen ist es die Freiheit (der Bürger), die zu Deutschland gehört. Das ist das höhere Gut.
    Es ist Blödheit, oder Unverantwortlichkeit, oder geziehlte Manipulation… wenn in einem selektiven Wahn von political correctness…. nebensächliche Tatsachen hervorgehoben werden; und den Bürgern untergerieben werden.

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