Engel des Friedens (Abbas) oder wieviel Politik verträgt mein Glaube

Viel gab’s neulich im „SPIEGEL“ (Nr.22 / 23.5.2015) zu Papst Franziskus zu lesen. Auch wenn in dem Artikel wenig Überraschendes zur Sprache kommt, gelingt dem Autor doch eine recht ausgewogene Bestandsaufnahme. So heißt es:

„Zum Franziskus-Prinzip gehört der Werkstattcharakter. Prozesse zählen dabei mehr als Positionen. Traditionelle Katholiken sehen das genau umgekehrt wie Bergoglio, der Jesuit. Das sorgt für Verwirrung, bis hinein in höchste Kreise des Vatikans. Welche Richtung verfolgt dieser Papst?“

Natürlich besitze ich weder Einblick noch Klugheit genug, um die Richtung von Franziskus nun wirklich auf den Punkt zu bringen. Würde man mich doch fragen, müsste ich mit einem Bild antworten: Bevor Bergoglio dazu gebracht werden kann, mit goldenem Kreuz, weißen Handschuhen und roten Schuhen seine Enzyklika zu verlesen, ließe er sich lieber im einfachen Gewand im nächsten Gefängnis einsperren, um dort seine Position zu wichtigen Kirchenfragen in Form einer Pressekonferenz zu verkünden: Dabei bin ich überzeugt, dass dieser Papst sich einer eigenen, neuen Sprache bedienen würde, aber um kein Jota von der herrschenden Lehre abwiche.

„Der bescheidene frühere Bischof von Basel mit dem silbernen Kreuz um den Hals trifft seinen obersten Dienstherrn regelmäßig, auch zum Essen oder einem Glas Wein. „Ich glaube durchaus“, sagt Koch, „dass Franziskus ein klares Ziel hat, nämlich dass die Kirche missionarischer werden muss und nicht um sich selbst kreist.“ Fraglich sei allerdings, wie viel dieser Papst am Ende wirklich verändern könne: „die Begeisterung über ihn ist, schaut man freilich auf die Kirchenaustritte in vielen Ländern, ist wohl kaum ein Franziskus-Effekt festzustellen.“

Ach ja, ausgerechnet im deutschsprachigen Raum sollte ein „Franziskus-Effekt“ einsetzen? Das glaube ich nun gar nicht. Dieser Papst ist nicht mit Deutschland, der Schweiz oder Österreich beschäftigt, sondern mit der Weltkirche – und diese wächst nach wie vor. Außerdem müssten die deutschsprachigen Bischöfe und Pfarrer erst einmal beginnen, auf den Spuren von Franziskus zu wandeln – und davon ist weit und breit gar nichts zu spüren.

Was öfters nach außen dringt, ist ein größerer Konflikt zwischen vatikanischer Kurie und jesuitischem Papst. Die Kurie fühlt sich in vielerlei Punkten „auf’s Kirchengewand getreten“, und so schreibt der Spiegel (Nr.22/23.5.2015):

„Noch sind die Aufräumarbeiten im Vatikan längst nicht abgeschlossen, noch ist die grundlegende Kurienreform im Gange. Vorschläge dafür erarbeitet ein Gremium, dem auch der deutsche Kardinal Reinhard Marx angehört, Erzbischof von München und Freising. Für ihn wie für die anderen acht Mitglieder spricht aus Sicht von Franziskus: Sie kommen von außen, kannten den Vatikan kaum und stören nun als Fremdkörper das höfische Immunsystem.“

Tun wir das, was Franziskus von den ersten Momenten seines Papsttums eingefordert hat: Beten wir für den Papst, damit er – geleitet vom Heiligen Geist – Erneuerungen im starren Vatikangefüge erreichen kann.

„Eines hatte sich bis heute erhalten: die Leichtigkeit, die Heiterkeit und die Vergnügtheit, mit der er sein Amt ausübt, mit der er Konventionen bricht und die Institution durcheinanderwirbelt, an deren Spitze er durch irgendeinen Zufall geraten zu sein scheint. Franziskus ist ein Anti Papst, ein Papst wie keiner vor ihm. Er hat die Bosse der neapolitanischen Mafia für Ex kommuniziert erklärt, einfach so. Er tut Dinge, die für ihn eigentlich nicht vorgesehen sind. Er ruft ab und an Leute an: Obama, Putin, einfache Gläubige. Das alles hat etwas Revolutionäres – doch er ist kein Revolutionär.“

Diese Spontanität macht vielen Angst, und doch ist gerade das ein großes Kapital dieses Papstes. Ich gehe weiterhin davon aus, dass die erfrischende Art des Pontifex das Potential hat, noch einiges in Bewegung zu setzen.

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Rice_Olmert_Abbas
Ministerpräsident Olmert, Präsident Abbas, sowie C. Rice

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Was es immer geben wird, ist der politische Franziskus. Er greift nicht nur zum Telefon, sondern setzt auch klare Zeichen, wie kürzlich zur Problemregion Palästina. „Die Presse“ schreibt:

„Vor wenigen Tagen war der Papst im Vatikan mit Präsident Abbas zusammengekommen. Das 20 Minuten lange Treffen ist vor dem Hintergrund eines neuen bilateralen Abkommens erfolgt, in dem der Vatikan Palästina als Staat anerkennen will. Im Vertrag, der die Details zum Status der katholischen Kirche in Palästina regeln soll, ist vom „Staat Palästina“ die Rede. Das Gespräch wird in einer Vatikannote als warm und herzlich beschrieben. Papst Franziskus und Abbas sprachen ebenso über den Friedensprozess mit Israel und ihren Hoffnungen, dass es wieder zu direkten Verhandlungen und zu einer dauerhaften und friedlichen Lösung des Konflikts komme. „Sei ein Friedensengel“ sagte Papst Franziskus laut italienischen Nachrichtenagenturen zu Abbas, während er ihm eine Pontifikat-Medaille übergab, sowie eine Ausgabe der Enzyklika „Evangelii Gaudium“.“

Danke, Franziskus, denn diese Art von „Glaube plus Politik“ darf auch als Hinweis gesehen werden, dass Christen sich auch politisch kein Blatt vor den Mund zu nehmen brauchen. Als christlicher Blogger bin ich beispielsweise sofort angegriffen worden, als ich vor 3 Jahren zu schreiben gewagt habe, bez. Präsident Assad dafür zu beten, dass er aus dem Amt gehen möge…

Noch größere Shitstorms erfolgen, wenn ich mich als gebürtiger Bayer und österreichischer Staatsbürger zu Israel äußere. Hier wird die rückwärtsgewandte Ideologie der „deutsch-katholischen Israelfreunde“ besonders deutlich, wenn diese als Verfechter der immerwährenden Kollektivschuld einem lange nach dem Krieg geborenen Autor vorschreiben wollen, dass er sich zur Politik Israels nicht zu äußern habe. Es ist an der Zeit, zwischen Glaube und Politik, zwischen Judentum und Israel klare Unterscheidungen zu treffen. Ja, Präsident Abbas, erweise dich als Engel des Friedens.

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