Die Sünde wider den Geist (10. Sonntag im Jahreskreis)

Im Evangelium ist von den Angehörigen Jesu die Rede; im Schlussteil des Abschnitts werden seine Mutter und seine Brüder“ (seine Verwandten) genannt. Das Auftreten Jesu macht ihnen Kummer, sie verstehen ihn nicht mehr. Die Schriftgelehrten aus Jerusalem aber sagen, er sei vom Teufel besessen. Ihnen sagt Jesus in verhüllter Rede, dass er mächtiger ist als der Widersacher. Seinen Angehörigen aber versucht er zu erklären, wer seine wahren Verwandten sind: nicht die „draußen“, sondern die Freunde und Jünger an seinem Tisch. Sie hören sein Wort und halten ihm die Treue; Jesus ist ihnen Freund und Bruder geworden. (Erzabtei St. Martin zu Beuron)

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Heiliger Geist
Heiliger Geist

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Lesejahr: B I, StB: II. Woche

In jener Zeit ging Jesus in ein Haus, und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten.
Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben?
Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben.
Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.
Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen.
Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.
Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen;
wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen.
Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen.
Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir.
Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?
Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.
Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Markus 3,20-35

 

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Kommentar nach Klaus Berger

„Der Der Text spiegelt eine frühe Zeit, in der sich Jesu Wirken noch ganz im Bereich des Hauses und der Familie vollzieht. Gerade in diesem überschaubaren Feld ist aber die Frage nach pro und contra besonders scharf und geradezu mitleidlos gestellt.

Die Ursache dafür ist, dass Jesu Tätigkeit als Exorzismus im Rahmen eines Dualismus verläuft. Wenn man böse Geister austreibt, ist das ein Kampfgeschehen in einem Krieg zwischen zwei sich ausschließenden Fronten. Hier gilt immerzu das entweder – oder. Und alle Menschen zwischen den Fronten gehören entweder zur einen oder zur anderen Seite, Neutralität gibt es nicht.

In unserem Text wird nun das Thema Bekenntnis dualistisch erörtert, und hierher gehört auch die für viele rätselhafte und daher auch belastende Frage nach der „Sünde gegen den Heiligen Geist“. Die Gegner Jesu argumentieren hier konsequent dualistisch. Denn entweder hat Jesus Heiligen Geist, dann gehörte auf die Seite Gottes, oder er hat den Geist Beelzebuls, des Teufels, dann gehört er zu ihm. Ein Drittes gibt es nicht.

Wie kann man auf die Idee kommen zu sagen, Jesus habe den Geist Beelzebuls? Nun, Jesus kann den Dämonen befehlen. Diese Befehlsgewalt könnte er theoretisch als höher gestellter Offizier in Satans Armee haben. Er könnte ein Agent Satan sein, der im Namen und Auftrag seines Herrn Fronten begradigt oder Ähnliches tut. Andererseits aber kann Jesus auch als Feldherr der Gegenseite, eben Gottes, die Dämonen vertreiben, weil er größere Vollmacht hat. Dann hat er nicht den Geist Beelzebuls, sondern den Geist Gottes in sich. Aber wie soll man sich entscheiden?

Jesus sagt ganz klar: wer bezweifelt, dass ich Heiligen Geist besitze und – weil es ein Drittes nicht gibt – demnach behauptet, ich hätte den Geist des Teufels, der hat eine unvergebbare Sünde begangen. Warum urteilt Jesus so hart? Wo er doch sonst der Anwalt der Vergebung ist und selbst am Kreuz den Feinden vergibt? Unvergebbar heißt: etwas ist endgültig zerstört, weil es nicht noch einmal gegeben werden kann. Vergebung ist dort ausgeschlossen wo das gegenwärtige Heilige so missachtet wurde, dass der Täter wie ein Schiff ist, dass mit einem Eisberg kollidiert ist, an der Flanke ein riesiges Loch hat und sinken muss. Wie gesagt, nicht das Heilige oder der heilige Geist ist verletzt, aber der Täter hat sich verletzt.

Es gibt einige Beispiele für dieses Phänomen im frühen Christentum. Dazu gehören die Menschen, die nach 1 Korinther 11 sich gegen die Gegenwart Jesu Christi im Heiligen Abendmahl vergangen haben, die deswegen krank sind oder sterben. Alle haben sich am Heiligen verletzt, keinem ist zu helfen. Die frühen Christen haben demnach eine besondere Auffassung von der Realpräsenz des Heiligen. Sie ist gefährlich wie die Gegenwart Gottes in der Bundeslade nach den Aussagen des Alten Testaments.

Nun, das ist alles eine reichlich fremde Welt. Schon dualistisches Denken ist uns fremd, erst recht die Unterscheidung „der Geister“, die hier im Zentrum steht. Vergessen wir nicht, dass hier das theologische Rückgrat des Markusevangeliums liegt. Es geht um den Heiligen Geist (in Verbindung mit Jesus) und damit von Anfang an um Dreifaltigkeit. Markus 3,29 und besonders die Parallele in Matthäus 12,31f zeigt sogar, dass auf dem Heiligen Geist der Schwerpunkt liegt. Ob er gegeben ist oder nicht, das ist für Jesus und für die frühe Gemeinde die alles entscheidende Frage.

Da wir das Christentum meistens auf den „menschenfreundlichen Gott“ reduzieren und, wenn es viel ist, auch auf das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, sollten uns Stellen wie diese hier aufmerken lassen. Die Pfingstgemeinden haben eine entscheidende Lücke in unserem Christentum erkannt. Wenn es uns nicht gelingt, so oder so über den Heiligen Geist mehr zu sagen, verstehen wir vom Neuen Testament nicht die Hälfte. Denn es geht auch um die Dimensionen der Heiligkeit und der Anbetung, die manchen Gemeinden abhandengekommen zu sein scheinen.

Die Argumentation in 3,23b-26 über die Einheit von Satans Reich zeigt Entsprechungen zum Schluss des Abschnitts über die Einheit der Familie. Meint ihr, fragt Jesus, Satan wäre so dumm und ließe zu, dass sein Reich gespalten wird? Und das wäre der Fall, wenn ich als sein Offizier die eigenen Truppen vertriebe. Aber auch das Haus, das Jesus vor Augen hat, ist durch Willenseinheit mehr gekennzeichnet als durch bloße familiäre Bande. Das Tun des Willens Gottes schafft die Einheit des Hauses. Und das ist genau das Gegenbild zu Satans Reich.“

(aus Klaus Berger, EVANGELIUM UNSERES HERRN JESUS CHRISTUS, Lesejahr B, Herder Verlag 2008, S 170ff)

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Gebet, um den heiligen Geist anzurufen

Heiliger Geist,
sei in unseren Herzen und Gedanken,
durchströme uns jetzt mit Deinem Feuer.

Heiliger Geist,
erfülle uns in unserem ganzen Wesen,
bis ins Innerste unserer von Gott geschaffenen Seele.

Heiliger Geist,
stärke in uns die Kraft, die Treue und die tiefe Freude,
mit der wir unseren Herrn suchen und zu Ihm beten.

Führe uns nun, Heiliger Geist, zu unserem Erlöser
und Mittler aller Gnaden, Jesus Christus.
Amen.

(Stefan Ehrhardt)

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>>> Gebete zum Heiligen Geist

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