Der Blick auf den Herrn macht stark (13. Sonntag im Jahreskreis)

Die Tat Jesu am Kind des Jairus werden wir nie vergessen. Seitdem ist der Tod nicht mehr wie zuvor. Seitdem ist bei jedem, der stirbt, ein Stück von der Botschaft eines Sieges, ein Teil von dem Brot dieses Lebens, ein Strahl dieser Sonne, die aufgeht, ein Hauch dieses Windes vom Frühling her. Wenn er nur glaubt, dann ist jeder, der stirbt, wie ein Sieger in Fesseln – schon Sieger, noch in Fesseln. Alles, was hier geschieht, ist Hinweis, Vorzeichen, Zeichen. Zeichen für was? Tropfen auf einen einzigen heißen Stein inmitten einer Steinwüste von Toten. Aber du hast einen Bund geschlossen, dass du uns nimmer verlässt. Dass diese Spuren nicht Täuschung sind, sondern auf den Schatz weisen, der schon da liegt, nur noch gehoben werden muss (Klaus Berger).

 

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Heilung - Len Matthews FLICKR
„Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk, es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund. Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden (die Fluten) gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben.“ (Hesekiel 47,8f)  – Foto Len Matthews FLICKR

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Lesejahr: B I, StB: I. Woche

In jener Zeit

21fuhr Jesus im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war,

22kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen

23und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.

24Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.

25Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt.

26Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.

27Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.

28Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.

29Sofort hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.

30Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?

31Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt?

32Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.

33Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.

34Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.

35Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten (zu Jaïrus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger?

36Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur!

37Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.

38Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten,

39trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.

40Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag.

41Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!

42Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.

43Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

 

 Mk 5, 21-43

 

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Kommentar nach Klaus Berger

 

„Die beiden Frauenberichte sind unlösbar ineinander verschränkt. Sie bilden einen festen Block und in den ersten Evangelien so etwas wie den Höhepunkt der Wundertätigkeit Jesu. Sie stehen im Verhältnis der Steigerung zueinander. Denn auch das Blut der Blutflüssigen ist schon Zeichen unmittelbar bedrohten Lebens.

Gewiss ist die Art, in der die Blutflüssige geheilt zu werden hofft, „magisch“, denn es soll ja durch pure Berührung geschehen. Auch in der alttestamentlichen Vorlage wird der Tote durch Berührung erweckt (1KÖN 17,17-24; 2KÖN 4,18-37). Bei der Tochter des Jairus genügt, dass Jesus die Hand ergreift und ein Machtwort spricht. So überbietet er den alttestamentlichen Elisa, und auch Paulus wird den Toten nach APG 20,10 nicht so souverän auferwecken können. Doch auch da bemerken wir dass die Einbettung der Berührung in einen schier unbesiegbaren Glauben das Entscheidende ist. Daher kann Jesus in 5,34 auch sagen: dein Glaube hat dir geholfen. So als hätte nicht er das Mädchen geheilt, sondern als hätte die Begegnung mit ihm die Kräfte zur Selbstheilung zum Leben erweckt. So kann Jesus wirklich sagen: dein Glaube hat dich gerettet. Denn wer ein Ziel hat und einen Herrn, der kann die eigenen Kräfte wieder sammeln.

Durch seine Heilungswunder stellt sich Jesus zunächst in direkte Konkurrenz zu zeitgenössischen Heilungsgöttern wie Serapis oder Äskulap. Doch er will ja nicht nur eine Summe von Wundern wirken, er sagt vielmehr, auf diese Weise den Propheten Jesaja zu erfüllen (JES 29,18f.; 35,5f.), der von Gottes Taten in der Endzeit so spricht. Jesus wirkt Gottes eigenste Taten, und eben auch deshalb ist Gott in ihm real präsent. Diese Taten werden auf drei Ebenen vollzogen, als Heilungswunder, als Exorzismus und in Kombination mit Sündenvergebung (vergleiche MK 2,1-12; LK 7,48-50 und das Wort vom Nicht-mehr-Sündigen in JOH 5,14). Als Heilungsreligion bietet das Christentum in der damaligen Welt eine Alternative zu den großen Sanatorien des Äskalupkultes etwa in Epidaurus.

Man bedenke die Veränderung gegenüber dem Judentum, wie es sich auch etwa in den Texten von Qumran zeigt: bei Jesus konzentriert sich die jüdische Religion auf den einen sichtbaren menschlichen Heiler. Als Heiler bereitet er das Volk auf das Kommen Gottes vor, indem er es (zumindest ansatzweise) gesund macht. So ist er Messias. Auch nach der hebräischen Bibel ist Gott der Arzt, aber nie zuvor ist das Heilen Gottes so hervorgetreten wie bei Jesus.

Hat das Christentum diesen Charakter als Heilungsreligion nicht weitgehend verloren? Die zahlreichen Segnungen, Exorzismen, Prozessionen und Wallfahrten zu wundertätigen Orten und die Anrufung von Heiligen haben in der traditionellen katholischen Volksfrömmigkeit diesen Charakter des Urchristentums fortgeschrieben, auch wenn es sich oft nicht um Spektakuläres handelt. Aber die Votivbilder und -gaben an den Wallfahrtsorten sprechen ihre eigene Sprache. Sie erzählen von äußerster Not und großem Glauben. Nur der kann diese Zeugnisse belächeln, der nicht weiß, was not oder was glauben ist. Das Christentum hat von den Evangelien an diese leibhaftige, gesundheitliche Seite.

Dass man heute Gesundheit zur neuen Religion ohne Gott, Gnade und Heilige macht, bedeutet demgegenüber etwas Neues und ist nicht Erbe des Christentums, sondern etwas ganz anderes, das es in der Menschheitsgeschichte vorher so nicht gab. Auch in der „heidnischen“ Antike hat man immer gewusst, dass Gesundheit letztlich Gabe und Geschenk ist. Die Hoffnung auf Gesundheit machte einen wesentlichen Teil der Religion aus, hat aber niemals den Blick auf die göttlichen Helfer verdrängt. Der Glaube an Gesundheitsgötter war human im Vergleich zu den Erwartungen, die man heute an das Funktionieren von Arzt und Patient stellt.

Volksfrömmigkeit bewältigt den Alltag religiös, kennt keine Trennung von Religion und Alltagsleben, ist Öffnung zur konkreten Welt hin (W. Imkamp). Alles andere ist Verkopfung, Isolierung des Kranken, Verabsolutierung der Medizin und Herauslösung der Gesundheit aus dem wichtigsten Umfeld, das es für sie geben kann, aus einem lebendigen Glauben.

Weil das Christentum für seine Anhänger auch Hoffnung auf Segnung und Heilung, zumindest Linderung bedeutete, konnte man die vier Evangelien als Markenzeichen an den Anfang des Neuen Testamentes stellen. Und dass Jesus „Christus“, der „Gesalbte“, heißt, das wurde zunächst und zuerst in der Salbung von Kranken weitergegeben und angewendet.

Dabei war es gerade dem Christentum als Heilungsreligion immer klar, dass die leibliche Gesundheit nicht das größte Gut ist. Gerade die Totenerweckungen ließen als Grenzfälle immer die Hoffnung auf Auferstehung sichtbar und ahnbar werden. Die mittelalterliche Auslegung von MK 5 zeigt das: „Herr, der du gekommen bist, auf das Bitten des Synagogenleiters hin dessen einzige Tochter von den Toten aufzuerwecken und [der du] die Frau von ihrer schmerzvollen Blutung allein durch die Berührung mit dem Gewand mit deiner göttlichen Kraft geheilt hast, schenke auch diesem Kranken mit himmlischer Segnung nicht nur den Schutz des Leibes, sondern auch der Seele“ (Bischöfliche Segensgebete 1139, Ende des zehnten Jahrhunderts).

Eine alte Präfation identifiziert diese Frau mit der Sünderin: „Als Mensch zeigte sich Jesus, als die sündige Frau seine Füße mit Tränen wusch, als Gott aber wurde er offenbar, da er sie vom Blutfluss heilte.“ Wie sinnreich, diese beiden Flüssigkeiten in typologische Entsprechung zu setzen: die Tränen hat der Heiland hervorbrechen lassen, das Blut hat er aufhören lassen. Blut steht für die Quelle der Sünde, Tränen für die Umkehr.

Alle Totenerweckungen der Evangelien geschehen an Frauen oder in die Hände und Arme von Frauen hinein. Denn das kreatürliche, auf Erden geschenkte Leben kommt von den Frauen und ist immer zuerst an Sie „adressiert“. Aus diesem Grunde fühlen sich auch Frauen im kirchlichen Christentum besonders dann missachtet, wenn es verkopft und den Bezug zum gesegneten leiblichen Leben verliert. In einer rundum heilen Frömmigkeit könnte dies nicht passieren.“

(vgl. Klaus Berger, EVANGELIUM UNSERES HERRN JESUS CHRISTUS, Lesejahr B, Herder Verlag 2008, S 182ff)

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GEBET

Wohin soll ich fliehen, wenn nicht unter Dein Kreuz?
Nichts mehr bin ich als Schmerz.
Ich berge mein Gesicht auf Deinen Füßen.
Keine Worte habe ich mehr, nur Tränen.
Du sagtest JA zum Kelch des Leidens.
Du wartest, dass auch ich ihn nicht von mir weise,
aber das, Herr, übersteigt meine Kräfte.
Ich bin nicht tapfer. Ich bin kein Fels des Glaubens.
Ich bäume mich auf wie ein Tier, das scheut vor übermächtiger Bedrohung.
Aufgewühlt ist meine Seele wie das Meer, das der Sturm aufpeitscht.
Du hattest Angst wie ich und gingst den Kreuzweg dennoch.
Leg Deinen Arm um mich.
Sprich Du für mich, was mir nicht über die Lippen will:
Vater, es geschehe Dein Wille.

(Quelle unbekannt)

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>>>Gebete bei Krankheit

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