Texte-07 2010-05-28 (LNdK)

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Abend der Barmherzigkeit
im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen!

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Aussetzung des Allerheiligsten

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Lux aurumque heißt das Stück des Amerikaners Eric Whitacre,
das wir im Anschluss hören…

Lux“, das göttliche Licht, ist also ein Thema für diesen Abend.

Die Heilige Hildegard von Bingen hatte Bernhard von Clairvaux, den Vater der cisterciensischen Mystik, einst mit der stärksten Metapher für Licht bedacht, sie nannte  ihn –
– den „Adler, der in die Sonne blickt“.

Woher kam ihm, dem ständig Kranken und weit über seine Kräfte Geforderten, die ansteckende Freude, die sich allen, die mit ihm zu tun hatten, mitteilte?

Der Quellgrund ist Jesus. Mit Blick auf die Menschwerdung folgt Bernhard den Worten des Lukas-Evangeliums:  „Das aufstrahlende Licht aus der Höhe besucht uns“ (Lk 1,78)

Bernhard von Clairvaux‘s  Freude hatte ihren Quellgrund also in Jesus Christus selbst.
Er konnte mit Paulus sagen:

,,Das ist meine höchste Weisheit: Jesus kennen, und zwar als Gekreuzigten.“

Der Heilige Bernhard sagt uns: ,,Wo gibt es für die Kranken eine sichere und zuverlässigere Ruhestätte außer in den Wunden des Erlösers? Dort wohne ich sicher. Ich aber eigne mir vertrauensvoll aus dem Herzen des Herrn an, was mir fehlt; denn dieses Herz fließt über von Erbarmen, und offene Spalten sind da, durch die dieses Erbarmen ausströmen kann.

Durch die offenen Wunden des Leibes steht das Allerheiligste der Liebe offen:
die barmherzige Liebe unseres Gottes.“

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Pater Bernhard Vosicky, der von vielen geschätzte Heiligenkreuzer Mönch, kommt in seinem Buch „Bernhard über Bernhard“ auf die Betrachtungen des Heiligen Bernhard zu Paulus zu sprechen. Es heißt dort:

So wurde Paulus plötzlich – zum auserwählten Werkzeug Gottes.
Dabei handelt es sich um jenen Paulus von Tarsus, der zunächst mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn vorgegangen war.
Bernhard von Clairvaux sagt: Es gibt – die Bekehrung in einem Augenblick.

Das ist hoffnungsvoll. Und es ist Zeugnis jenes Erbarmens, das jeder Mensch so notwendig hat, und das Jesus bereit ist zu schenken, wenn wir nur glauben.

Es gibt sie also, die Bekehrung in einem Augenblick. Der grausamste Verfolger wurde zum gläubigsten und treuesten Verkünder — persecutor crudelissimus, predicator fidelissimus. Hier lesen wir ein für Bernhard typisches Wortspiel in der lateinischen Sprache. Bernhard-Kenner sagen ja, Bernhard sei der Mozart der lateinischen Sprache.

Lux aurumque.Vom Licht war bereits die Rede.

Sprechen wir noch von Aurum, dem Gold.
Es ist also – genauer gesagt – von goldenem Licht die Rede, und dies bezieht sich auf den Messias, der uns von der Gottesmutter und Jungfrau Maria geboren wurde.

Papst Pius XII., der vor etwa 50 Jahren verstorbene Papst, sagt im Zusammenhang mit Fatima:
Wir dürfen von der Muttergottes die ,,Gnade der Bekehrung, die in einem Augenblick erfolgt“ erbitten.
In der Bekehrung des Paulus werden die Größe des Erbarmens (magnitudo misericordie) und das Wirken der Gnade Gottes (efficatio gratiae) sichtbar.

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Zum Licht kommt im Berufungserlebnis des Paulus auch die Stimme (Apg 9,4): ,,Saulus, Saulus, warum verfolgst Du mich?“ Bernhard macht auf diesen Umstand besonders aufmerksam: Licht und Stimme — lux et vox, wie Bernhard sagt, sind von Bedeutung. Durch diese zwei Fenster, durch das Fenster der Augen und durch das Fenster der Ohren dringt die Gnade der Liebe in das Herz des Saulus.

Erleben wir heute Abend auch diese beiden Fenster der Gnade,
zum einen das Licht, in dem das Allerheiligste Sakrament des Altars – und damit unser Herr, Jesus Christus – erstrahlt,
und dazu die Stimmen, die in der Musik zur Ehre Gottes klingen werden.

Damit sind wir bei „SALTO VOCALE“ angelangt.
Freuen wir uns jetzt auf die Stimmen des Kammerchors, mit…

>>>Lux aurumque !

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In seinem Buch kommt Pater Bernhard auf Parallelen im Glaubensleben des Apostels Paulus und der Gottesmutter Maria zu sprechen, wie sie der Heilige Bernhard von Clairvaux beobachtet.

Die Bekehrung des Paulus ist eine vollkommene Belehrung, eine Belehrung im Gehorsam des Glaubens. Denn Paulus fragt: ,,Herr was willst Du, das ich tun soll?“ (Apg 9,6) Er fragt nur, was der Herr will, und das zu jeder Stunde.

Im Gehorsam ist der Apostel Paulus, wie unsere Jungfrau und Gottesmutter Maria, jedem Christen ein Vorbild des Gehorsams:
Herr, was willst Du, dass ich tun soll?
Herr, was willst Du mir mit diesem oder jenem Ereignis, mit diesen oder jenen Fügungen oder Zulassungen sagen?
Paulus hat den Eigenwillen völlig preisgegeben und sieht nicht einmal sein Herz als sein eigen an.
Er liebt es, der Geringste von allen zu sein.

Kommen wir nun ausführlicher auf die Gottesmutter und Jungfrau Maria zu sprechen, und folgen den Worten von Pater Bernhard, denn in der cisterciensischen Spiritualtät wird Maria auf tiefe und sehr anschauliche Weise verehrt. In seinem Buch „Bernhard über Bernhard“ schreibt der Heiligenkreuzer Pater:

„Maria stimmte in ihrer Überzeugung und in ihrem Willen so mit Gott überein, dass er ihren Willen, aber auch ihr Fleisch mit sich verbunden hat und eins wurde mit ihr.
Aus seiner und der Jungfrau Natur bildete er den einen Christus –  oder es wurde vielmehr der eine Christus der Sohn beider: des Vaters im Himmel und der Jungfrau Maria hier auf unserer Erde. Ein wunderbares Geheimnis.

Mit Maria –  ist nicht nur der Herr, der göttliche Sohn Jesus Christus, den sie mit ihrem menschlichen Fleisch bekleidet, sagt Bernhard von Clairvaux, sondern mit ihr –   ist auch der Heilige Geist, von dem sie den Sohn empfangen hat.
Und mit Maria –  ist auch der Herr, der Vater, der den gezeugt hat, den sie empfing. Auch er, der Höchste, ist ganz mit ihr.
Es ist in Summe ein einheitliches Wirken der drei göttlichen Personen mit Maria.

Erkennen wir diese tiefe Sicht? Wir nennen das heute in der mystischen Sprache der Theologie die „Einwohnung Gottes“. Das wird oft so leichtfertig ausgesprochen.
In der Nachfolge Christi sind wir durch die Taufe und durch die Firmung von Gott bewohnt. Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist kommen und nehmen Wohnung in uns.

Maria ist so ein Haus, sie ist in höchstem Maße dieses Haus,
Maria ist Wohnung für den dreifaltigen Gott.
Es geschieht nach Bernhard von Clairvaux eine Wandlung von innen nach außen. Der dreifaltige Gott entfaltet sich in uns und macht von innen heraus etwas mit uns; er macht uns zu Kindern Gottes. Das ist das herrlichste Wunder, das es gibt: dass aus uns schwachen Menschen Gottes Kinder werden, Söhne u. Töchter Gottes, die wir alle „Du“ sagen dürfen zum Vater, zum Sohn und zum Heiligen Geist,
wir Söhne und Töchter, die immer mehr in sein göttliches Leben einbezogen werden.

Bernhard von Clairvaux spricht davon, dass der Erzengel Gabriel in die Verborgenheit der Kammer von Nazaret kommt. In der Verhülltheit dieses kleinen Ortes in Galiläa geschieht das größte Wunder: jenes der Menschwerdung. Der gesamte Vorgang der Menschwerdung ist ein „verborgenes Geheimnis im Schatten des Allerhöchsten“. Bernhard spricht vom Schatten, denn es heißt ja: „Die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten.“

Es geschieht die Menschwerdung, wie der Heilige es ausdrückt, in Maria versiegelt. Sie ist die versiegelte Quelle, der versiegelte Brunnen der Erlösung, der verschlossene Garten Eden.

Maria ist von Anfang an durch Gott selbst über die Geheimnisse des Himmels unterrichtet worden. So konnte nur Maria den Verfassern und Verkündern des Evangeliums diese Wahrheit der Geheimnisse Gottes voll und ganz erschließen.
Sie muss Lukas davon erzählt haben, sonst hätte er uns nicht so anschaulich in seinem Kindheitsevangelium davon berichten können.
Maria muss auch Johannes dieses Geheimnis Gottes voll und ganz erschlossen haben, sonst hätte er nicht so Wunderbares über ihre Vermittlung bei der Hochzeit zu Kana und über ihre mütterliche Anwesenheit unter dem Kreuz berichten können.

Maria, die in alle verborgenen Geheimnisse eingeweiht war, hat also die Evangelisten und Apostel unterrichtet. Sie kann auch uns in das Geheimnis Gottes einführen. Jetzt verstehen wir, warum das „Marianische“ im Zisterzienserorden so bedeutungsvoll ist:
Weil wir Zugang brauchen zum Verhüllten, zum verborgenen Geheimnis Gottes,
Zugang durch Jesus Christus, der Mensch wurde aus Maria, der Jungfrau,
Zugang durch Maria, die als einziger Mensch voll und ganz in dieses göttliche Geheimnis eingeführt wurde.

Sie, die Apostelin der Apostel, erwartet schließlich mit den Jüngern gemeinsam die Ankunft des Heiligen Geistes.
Sie, die Eingeweihte, weiht auch uns ein –  in das weihevolle Geheimnis Gottes.

Der Weg zum Erbarmen Gottes führt über Maria. Der Heilige Bernhard sagt es in einem wunderbar einfachen Satz:
Ubi Maria, ibi cor Dei.
Wo Maria ist, da ist Gottes Herz.

Soweit Pater Bernhard zur cisterciensischen und gleichzeitig marianischen Spiritualität,
kommen wir nun zum … Magnificat von Claudio Monteverdi :
Magnificat anima mea Dominum.
Meine Seele preist die Größe des Herrn.

>>>Monteverdi Teil 1

Et exultavit spiritus meus in Deo salutari meo.
Quia respexit humilitatem ancillae suae:
Ecce enim ex hoc beatam me dicent Omnes generationes.

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

>>>Monteverdi Teil 2

Quia fecit mihi magna qui potens est: et sanctum nomen ejus.
Et misericordia ejus a progenie in progenies timentibus eum.

Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die Ihn fürchten.

>>>Monteverdi Teil 3
Fecit potentiam in brachio suo: dispersit superbos mente cordis sui.
Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Tron
und erhöht die Niedrigen.

>>>Monteverdi Teil 4

Esurientes implevit bonis: et divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiae suae.

Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und läßt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,

>>>Monteverdi Teil 5

Sicut locutus est ad patres nostros Abraham et semini ejus in saecula.
Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto.
Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saeculorum. Amen.

Sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit, und in Ewigkeit.
Amen.

>>>Monteverdi Teil 6

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Die Geschichte der Mystik in unserer römisch-katholischen Kirche ist reich an geistlichen Gütern und Persönlichkeiten.

Kehren wir mit der Ordensfrau, Mystikerin und Heiligen Catarina von Siena zurück an den Ausgangspunkt des Abends, den Apostel Paulus, und zu den Grundsätzen unseres Glaubens an den dreifaltigen Gott.

So schreibt der hl. Paulus an die Korinther: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest? Hast du es aber empfangen, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“ (1 Kor 4,7).

Für Caterina war dies die erste und entscheidende Grunderkenntnis: Christus selbst hatte ihr diese Einsicht geschenkt:
„Meine Tochter, weißt du wer du bist und wer ich bin? Wenn du diese zwei Dinge weißt, wirst du glücklich werden. Du bist die, die nicht ist. Ich dagegen bin der, der ist. Wenn du deine Seele von dieser Erkenntnis erfüllt sein läßt, wird dir der Böse Feind nichts anhaben können“

Die hl. Caterina kennt nur ein einziges Buch, das ihr Antwort gibt auf alle Fragen: den gekreuzigten Christus. Das Kreuz ist für Caterina ein Lehrstuhl, von dem herab Christus seine Wahrheit verkündet.

So lautet die Erkenntnis aller ihrer Betrachtungen:

Der Mensch ist aus sich selbst – nichts. Sein Dasein hat er allein von Gott. Von ihm bekommt er alles, was er braucht. Nur wenn der Mensch sich mit seinem Schöpfer vereinigt, erhält er Anteil an den göttlichen Eigenschaften: nämlich Liebe, Wahrheit und Weisheit. Nur wenn der Mensch Gott liebt, wird er auch fähig, den Nächsten zu lieben und wird er so zum Segen für die Mitmenschen. Liebe zum eigenen Ich, zu etwas, das in Wirklichkeit nicht ist, führt zum Abgrund des Nichts und schließlich in die äußerste Gottferne.

Caterina hat uns nur das gelehrt, was sie auch selbst gelebt hat.
Ihre „Theologie“ ist auf das Wesentliche bezogen, lebendig und frei von Spekulation.
Ihre Sprache ist bilderreich – und sie hat eine tiefe Abneigung gegen Gedankenspielerei.

Gott ist nicht ein unpersönliches, geistiges Sein,
sondern der lebendige, dreipersönliche Gott, der ganz Liebe ist.

Es ist der „süßeste, vielgeliebte, ewig junge und gütigste Vater“, der seine „Wahrheit“  –  den eingeborenen Sohn –  gesandt hat, um ihn durch die „feurige Fessel der Liebe“, durch den Heiligen Geist, ans Kreuz zu binden.

So lautet der immer wiederkehrende Beweis bei Caterina von Siena:
„Denn hätte Gott uns nicht geliebt und nicht unser Glück gewollt, dann hätte er uns keinen solchen Erlöser geschenkt.“

Danksagung und Lob sind Seelenverwandte,

so lassen wir Johann Sebastian Bach mit dem Psalm 117 erklingen:

„ Lobet den Herrn, alle Völker, preist ihn, alle Nationen!
Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des Herrn währt
in Ewigkeit. Halleluja!“

Freuen wir uns auf die Stimmen des Kammerchors Salto Vocale.

>>>Lobet den Herrn, J.S.Bach

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Gedanke zum Ausklang

Ein letzter kurzer textlicher Beitrag ist mit dem Gebet der Komplet verbunden unmittelbar vor der Nachtruhe.
Die Autoren des Zisterzienserordens des 12. Jahrhunderts, so berichtet der Zisterzienser-Abt Mauro Giuseppe Lepori,  waren sich der Bedeutung dieses Momentes an der Nahtstelle zwischen Tag und Nacht bewusst. Sie gaben uns Anweisungen zur Vorbereitung des Schlafes, damit er für das geistliche Leben fruchtbar sei.

Wilhelm von Saint Thierry zum Beispiel rät uns Folgendes:
„Wenn du schlafen gehst, sollst du darum immer irgendetwas mit dir in deinem Gedächtnis oder in deinem Denken mitnehmen, einen Gedanken, bei dem du friedlich einschlafen kannst, der dich auch manchmal im Traum erfreuen mag.
Er möge dir auch beim Erwachen wieder begegnen und dich in den Zustand der gestrigen Aufmerksamkeit zurückversetzen.
So wird für dich – die Nacht wie der Tag – erleuchtet“.

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Einsetzung des Allerheiligsten,
Segen für die Gläubigen

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