Texte-08 2010-06-18

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zurück zu – Texte für Abende der Barmherzigkeit

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Einführung in den Abend
einschließlich der  Vorstellung von Gabrielle Bossis:

1874 in Nantes geboren, aufgewachsen in gutbürgerlichen Verhältnissen, schrieb Gabrielle Bossis Theaterstücke mit denen sie weit über Frankreich hinaus bekannt wurde. Es folgten Reisen durch Europa, Kanada, Marokko, Palästina. Sie war ein Mensch der Tat und gleichzeitig eine große Mystikerin. In ihren intimen geistlichen Tagebüchern mit dem Titel „Er und ich“ hält sie die Zwiesprache ihrer Seele mit Gott in der Form des  Dialogs fest. Beim Lesen der Texte kann in jedem von uns ein Echo im eigenen Herzen anklingen.

Gabrielle hatte weder Visionen, noch Ekstasen. Sie war keine Seherin und auch nicht stigmatisiert. Sie war eine Frau, wie viele andere. Die Worte, die sie vernahm, zeichnete sie auf. Sie verstarb 1950.

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Aussetzung des Allerheiligsten

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Text 1

Aus dem Evangelium nach Lukas:
Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?
Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes.
Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen.
Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muß vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen.

Im Tagebuch von Gabrielle Bossis lesen wir:

Am Tag der Auferstehung fragt Maria Magdalena: „ Sag mir, wohin du ihn gelegt hast, und ich werde ihn holen.“

Ebenso du, suche mich in allem Tun deines Tages, und trage mich tief in dir.
Mach dein Herz weit auf. Ich komme und gehe nicht mehr fort.
Lass dich mitreißen. Weiche nicht, wirf dich vielmehr in meine Arme.
Selbst wenn du mich verjagst, so werde ich doch vor deiner Tür bleiben.

Hab keine Angst. Deine Sünden? Ich nehme ich sie auf mich.
Und all meine Mängel, fragt Gabrielle Bossis?
Komm trotzdem. Komm allezeit. Glaube an mich. Glaube an die Kraft meines Herzens.

STILLE

Text 2

Hast du es bemerkt? Selbst das Haus, in dem ich mein teuerstes Versprechen – die Eucharistie – einlöste, selbst dieses Haus gehörte nicht mir.
Man hat es mir geliehen.
Ich habe alles hingegeben, bis zur Tunika, die meine Mutter gewebt hatte.
Begreife meine Armut.

So steig herab von deinen Höhen. Sobald du einen Fehler entdeckst, gib ihn mir, damit ich ihn gutmache.

Suche mich…
In meinen Mysterien,
in meinem Evangelium,
in meinen Worten,
in den Ereignissen,
in den Einfällen deines Herzens,
in der Kommunion,
in den anderen,
in den Kindern,
in der Natur.

Ist es denn so schwer, mich zu finden?
Ist es denn so schwer, mit mir zu reden?
Sag ,mir alles , was dich interessiert, was zu deinem Leben gehört.

Ich werde dir mit soviel Freude zuhören, mit soviel Aufmerksamkeit…   wenn du das wüsstest…
Sag ihnen, sie sollen mit mir umgehen wie mit dem vertrautesten Freund, der alle Geheimnisse kennt.

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STILLE


Text 3

Lass dich mit mir kreuzigen.
Gekreuzigt sein, dass heißt hingestreckt sein gegen seine Natur,
gegen seine Wünsche, gegen die Eigenliebe,
in Armut, in Dunkelheit;
im Gehorsam gegen den Vater.

Denk daran, dass die Kreuzigung das Vorspiel der Auferstehung, und das heißt: aller Freuden, ist.

Der gute Schächer, der neben mir am Kreuz hing, er hat die Liebe begriffen, und
er hat einen Schrei der Reue ausgestoßen.
Wenige Augenblicke später ruhte er in meinem Schoß.

Was ängstigt dich also?

Deine wiederholten Nachlässigkeiten?
Deine Unzulänglichkeiten?
Deine mangelnde Einsatzfreudigkeit?
Deine zerstreuten Gedanken?
Deine schlechten Erinnerungen?

Ich nehme alles auf mich.
Ich sammle das Elend. Und ich mache es zu Lichtglanz.

Gib alles.
Hab Vertrauen.

Geh nicht mit mir um, als wäre ich tot.
Denn ich lebe und bin nahe bei dir und in dir.

Ich warte.
Ich verlange nichts weiter, als eingeladen zu werden, und ich bereite das Festmahl.

Zu jedem, der mich ersehnt, komme ich.

Liebe mich ganz ungezwungen und einfach. Ein innerer Blick genügt.

Je geringer die Anstrengung, desto größer ist die Liebe.

Die Liebe ruft die Liebe.
Du antworte mir!
Ich dürste nach dir.

STILLE

Lasset uns beten:

Ich weiß, deine Seele dürstet nach uns Menschen.
Bei dir möchte ich sein, guter Gott,
jetzt in diesem Augenblick, da ich zur Ruhe komme.
Alles, was in mir ist, bringe ich mit und lege es in dein Licht,
meine Gedanken, mein Tun und Lassen heute,
alles, was in mir umgeht und noch Beachtung sucht;
Bring du es zur Ruhe, in mir.

Lass mich still sein bei dir, für eine Zeit des Aufatmens.
Ich will nicht fliehen vor meinem Leben, vor seiner Last
—ich will es nur tragen können, fortschreitend, mit deiner Hilfe.

Ich glaube, du lässt mich nicht allein, wo immer ich auch bin.
Lass es mich spüren, dass du bei mir bist.
—Dann werde ich auch morgen weitergehen in deiner Kraft.
Amen.

STILLE

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Einsetzung des Allerheiligsten

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Danke an alle

für die Unterstützung der Stunde der Barmherzigkeit…

Abschließender Gedanke

(Gabrielle fragt) Weiß ich denn, ob ich dich liebe? Welche besondere Liebe hat man schon für einen, den man nicht gesehen hat?

Welches Verdienst hätte eure Liebe, wenn ihr mich gesehen hättet?
Darin besteht die Prüfung des Lebens.
Geht als Sieger aus ihr hervor.

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