Texte-05 2010-03-19

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EINLEITUNG

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Das Kreuz ist die Tür, die uns den Weg zu Jesus Christus und seinem Heiligen Geist öffnet, doch zuvor gilt es, das Kreuz anzunehmen.

Um das Kreuz annehmen zu können, bedarf es einer Umkehr:
Das ist die Entscheidung, Gott nicht mehr davonzulaufen, sondern ihm in sein Königreich zu folgen, seine göttliche Welt zu betreten.

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Jesus hat das Kreuz auf sich genommen. Somit weiß ich, wo er zu finden ist. Meine Stärke liegt nicht in meiner Kraft und Schnelligkeit. Meine Stärke liegt im Begegnen und Annehmen. Dabei werde ich in jedem Augenblick vor die Entscheidung gestellt, ob ich Dir, Jesus, tatsächlich nachfolgen will.

Das ist mein Kreuz. Nur wenige erkennen es. Viele suchen außergewöhnliche Kreuze. Doch das Kreuz ist einfach da – im Annehmen des Alltags.

Der Alltag ist mein Leben und mein Kreuz. Nehme ich es auf mich, erhalte ich viele Gnaden, und mein Glaube wird sich entfalten.

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  • Ø 1 . L I E D  (zur Aussetzung)

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VOM FALLEN UND VERURTEILT WERDEN

Habe ich den Mut zu fallen, und meinen Fall nicht zu beschönigen, sondern ihn zuzugeben? Warum sage ich mir nicht, dass ich hier bin, um zu fallen und zu sterben, denn “Wer sein Leben verliert, wird es finden”.

Wieso habe ich Angst zu fallen? Warum fürchte ich mich, wenn mich Sünden belasten? Ich möchte gut durchkommen. Doch ich weiß: Wenn ich falle, kommst Du zu mir. So muss ich mich nicht fürchten, das Fallen bedeutet nicht das Ende. Ich falle, um Dir näher zu kommen, damit Du mich aufrichten kannst.

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Was ist, wenn ich ein zweites Mal falle?
Falle ich das erste Mal, habe ich noch immer eine Ausrede, doch wenn ich ein zweites Mal schwach werde, dann kann mir jeder nachweisen, dass ich nichts tauge. Ich werde mich gegen dieses Kreuz stemmen, werde alles wieder gutmachen und mich rechtfertigen wollen. Aber das entfremdet mich Dir. Damit nämlich bezeuge ich nicht Dich, sondern mich, damit will ich nur meine eigene Kraft beweisen. So will ich mir bewusst sein, dass ich immer wieder fallen werde, aber Du wirst mich aufheben. Dann wird man sagen: Schau, wer ihm aufgeholfen hat, ist nicht von dieser Welt.

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Worauf kann ich vertrauen, wenn man über mich, den Gefallenen, richtet?
Ich muss wissen, dass mich kein Urteil auslöschen kann. Solch Urteil lässt mich nicht allein, vielmehr bringt es mich zu Dir und führt mich letztlich in die Herrlichkeit.
Die Schuldsprüche meines Lebens sind die Tür zu Dir, zu einer Begegnung mit Dir.
Jetzt kann mich niemand mehr verurteilen.

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  • Ø 2 . L I E D

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VOM LEIDEN UND TRÖSTEN

Was ist, wenn niemand aus Liebe mit mir leidet?
Niemanden zu haben, der aus Liebe mit mir leidet, ist ein Kreuz. Wenn ich dieses annehme, dann bin ich in meinem Leid nicht mehr allein, denn Du, Herr, bist bei mir.
Dann kommt für mich der Trost von Gott. So will ich den Mut zeigen, auf menschlichen Trost zu verzichten und die Kraft von Gott zu erbitten.

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Was ist, wenn mich Selbstmitleid überfällt?
Voll Unheil ist die Herzenshärte und die Blindheit. Nicht zu erkennen, dass hinter jedem Tod die Auferstehung wartet, hinter der Krankheit die Genesung, hinter dem Abschied das Wiedersehen.
Zuzulassen, dass mich Selbstmitleid überfällt, das ist tragisch. Den Sieg aber erringe ich dort, wo ich das Leid anderer sehe und Trost spende, wenn ich selber Trost brauche.

So kann ich mit Deiner Hilfe die Welt besiegen. So gehe ich einen Kreuzweg, der mich ins Leben führt. Wenn ich selber verwundet bin und Schmerzen leide, aber andere tröste, dann finde ich Dich, und Du wirst meine Stütze sein.

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  • Ø 3 . L I E D

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VON SCHAM UND SCHULDIG BLEIBEN

Was ist, wenn ich etwas schuldig bleibe?
Ein Kreuz ist es, zuzulassen, dass mir die Menschen Gutes tun, ohne dass ich die Möglichkeit habe, es ihnen zu vergelten. Ich will Mut fassen und das tun, was ich bei Dir gesehen habe. Ich will es zulassen, dass ich etwas schuldig bleibe. Man braucht nicht alles zu bezahlen.
Doch als Gegenleistung will ich mich selbst geben.

Dies ist auch eine Tür zu Dir: Die Beschämung erdulden, wenn ich nicht geben kann.

Was ist, wenn ich an der Liebe Gottes zu scheitern drohe?
Wiederum gilt, dass nicht alles und schon gar nicht die Liebe Jesu zu vergelten ist. In dieser Haltung kann eine Begegnung mit Dir stattfinden, und ich erkenne den Vater, denn auch Ihm kann ich nicht vergelten, was er mir schenkt.
Er ist wie eine Quelle, die ihr Wasser umsonst verströmen lässt. Wenn ich aber hilflos und ehrfürchtig vor dem Dornbusch stehe, dann bin ich ein Kind Deines Vaters. So will ich auch dieses Kreuz annehmen, Gott seine ganze Liebe nicht erstatten zu können. Wie ein Kind will ich sein, das die Quelle der Liebe und Zuneigung zulässt und genießt.


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  • Ø 4 . L I E D

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VOM SCHWACHSEIN UND VERLIEREN

Was ist, wenn ich einfach nicht mehr kann?
In einer dunklen Stunde werde ich denken: “Ich kann nicht mehr.” Es kommt der Augenblick meiner vollkommenen Hilflosigkeit. Das ist der Zeitpunkt meiner Kapitulation, der Erkenntnis, am Ende zu sein. Werde ich dann die Hoffnung sinken lassen?
Ich will meine Furcht aussperren. Es gibt noch eine Tür und hinter ihr werde ich Dir von neuem begegnen. Wenn ich nicht mehr mit mir selbst rechnen kann, dann bist Du da. Ich werde aus tiefster Seele nach Dir schreien, und Du wirst antworten.

Was ist, wenn alle mich aufgeben?
Ein Kreuz ist es, endgültig zu verlieren und verlassen zu sein,
wenn keiner mehr etwas auf mich setzt, wenn man mich aufgibt. Wenn ich dieses Kreuz aber annehme, wirst Du mich mit Deiner Gegenwart und Kraft überraschen. Ich werde in Deinem Namen bis ans Ende der Welt gehen. Werde ich also dieses Kreuz annehmen können?
Ich will mich nicht mehr sorgen, denn Du bist bei mir.Du bist bei mir, und Du hast die Welt besiegt.

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  • Ø 5 . L I E D

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VON EHRE UND SCHULD

Was ist, wenn mein Ehre zutiefst verletzt wird?
Nicht nur das ist ein Kreuz, wenn der Leib gewaltsam entkleidet wird. Noch schmerzhafter ist es, wenn man mir die Seele entkleidet. Meine Sünden haben mir schon längst die Hülle weggenommen und ich schäme mich. Nehme ich aber dieses Kreuz an, wird mich niemand mehr entehren können. Ich will den Vater im Himmel bitten, mir ein neues Kleid zu geben. Ich will Ihm meine innerste und letzte Intimität hingeben, und Er wird sie in vollkommene Unschuld verwandeln. Warum bemühe ich mich umsonst, schuldlos zu bleiben. Heute will ich mir eingestehen, dass ich dazu zu schwach bin.

Was ist, wenn ich meine Schuld zu verbergen suche?
Das ist ein schweres Kreuz – das Kreuz der mit Füßen getretenen Scham, der Sehnsucht nach Unschuld, das Kreuz der Angst, dass jemand von meiner Schuld erfahren könnte.
Nehme ich aber dieses Kreuz an, werde ich Dir begegnen. Meine Angst wird schwinden. Ich will zugeben, schwach zu sein, nicht anders sein zu wollen als ich es bin: ein durch die Sünde entehrter Mensch. Gestehe ich mir das ein, kann mir niemand mehr etwas anhaben.

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  • Ø 6 . L I E D

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VOM STERBEN UND VOM LEBEN

Was ist, wenn ich meine Kreuze abwerfen will?
Solange ich mein Kreuz trage, habe ich noch immer die Möglichkeit, es abzuwerfen. Doch wenn man mich einmal auf das Kreuz nagelt, kann ich nicht mehr entrinnen.

Jetzt weiß ich, das Kreuz ist meine Bestimmung bis zum Tod. Das einzusehen ist schwer. Ich würde meine Kreuze gerne abwerfen, doch bin ich an sie genagelt. Sie sind jeweils der Platz, auf dem ich sterben werde. Die Mitmenschen werden mich auf die Kreuze nageln. Erschrecke ich nun oder verlasse ich mich ganz auf Dich? Es gibt Kreuze, denen ich nicht entrinnen kann. Da mühe ich mich umsonst, ihnen auszuweichen. Ich will diesen sinnlosen Kampf aufgeben und komme zu Dir.

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Was ist, wenn ich Angst vor dem Tod verspüre?
Manches Mal denke ich, der Tod sei das Ende, und deshalb lebe ich in Angst und widersetze mich dem Gedanken an den Tod. Doch solange ich ihn nicht akzeptiere, fühle ich eine Last auf meinen Schultern. Wenn ich den Tod annehme, erringe ich den Sieg und komme zu Dir. Du bist mir fern, solange ich den Tod ablehne und Dich bitte, mich davor zu verschonen. Ich will verstehen, dass der Weg zu Dir nur über den Tod führt. Denn der Tod vernichtet alles, was sündhaft und sterblich an mir ist. Du aber vernichtest den Tod selbst.

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  • Ø 7 . L I E D

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VON ENTSAGUNG UND AUFERSTEHUNG

Was ist, wenn ich den Sinn des Todes nicht verstehe?
Heute will ich einen Blick in die Augen des Todes wagen. Ich erfahre dieses Kreuz als ein Geschenk des Vaters, als Erfüllung und Vollendung. Es ist der Beginn des eigentlichen Lebens.

Das Sterben mit Dir bedeutet Gewinn. Ich will mich nicht mehr fürchten! Mich nicht der Täuschung hingeben, es gäbe eine andere Möglichkeit. Die Kreuze bleiben bis zum Ende, und je früher ich mich in das Sterben einfüge, desto früher werde ich auferstehen. Ich will mir dieses Kreuz merken.Denn ich bin nicht nur an das Kreuz ein für allemal geheftet, sondern auch an Dich. Ich weiß, dass Du mich erwartest und Dich ganz auf mich freust.

Was ist, wenn ich nicht zu Vertrauen und Liebe finde?
Immer wieder aufs Neue muss ich mir sagen, dass der Zeitpunkt für mich (und uns alle) gekommen ist, als Same für eine neue Welt zu dienen. Das soll mein Kreuz sein.
Du ermöglichst mir dazu das nötige Vertrauen, denn Zeit meines Lebens finde ich kaum Erfolg.
Erst nach meinem Tod wird man mich vom Kreuz nehmen, erst dann wird mir Ehre zuteil. Eine Ewigkeit wird mich kein Kreuz mehr drücken, weil ich den Mut gefunden habe, im irdischen Leben an ihm zu hängen. Arbeiten und die Frucht der Arbeit nicht genießen zu können, das ist ein großes Kreuz. Es braucht Liebe und Mut, Samen auszustreuen, ohne selbst ernten zu können.
Doch die Frucht meiner Entsagung bist Du. — Du aber führst mich zur Auferstehung.

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  • Ø 8 . L I E D  (zur Einsetzung)

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P e r s ö n l  i c h e s    Z E U G N I S

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  • 9 . L I E D  (Marienlied)

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