Texte-14 2011-03-18

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zurück zu – Texte für Abende der Barmherzigkeit

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Musik

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Aussetzung des Allerheiligsten

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Musik

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1.Impuls


Auszug aus dem Testament eines Mönches,
hier zitiert in Gedanken an die Opfer der Katastrophe in Japan

»Wenn ich eines Tages – und das könnte schon heute sein –, ein Opfer des Terrorismus oder einer Naturkatastrophe werden sollte, so möchte ich, dass meine Gemeinschaft, meine Kirche und meine Familie sich daran erinnern, dass mein Leben Gott – und diesem Land – hingegeben war.

Sie alle mögen es akzeptieren, dass der einzige Meister allen Lebens diesem brutalen Abschied nicht fremd gegenüberstehen kann.
Sie mögen für mich beten; denn wie könnte ich eines solchen Opfers würdig sein?
Sie mögen diesen Tod im Zusammenhang mit den vielen anderen ebenso gewaltsam Umgekommenen sehen, die unbeachtet und namenlos bleiben.
Mein Leben hat nicht mehr Wert als ein anderes. Aber auch nicht weniger. Jedenfalls hat es nicht mehr die Unschuld der Kindheit. Ich habe lange genug gelebt, um zu wissen, dass auch ich Komplize des Bösen geworden bin, das – leider – in der Welt die Oberhand zu behalten scheint, Komplize gar des Bösen, das mich blind treffen könnte.

Ich wünschte mir, wenn es so weit ist, noch genug Zeit und geistige Klarheit, um die Vergebung Gottes und meiner Menschengeschwister zu erbitten,
und auch, dass ich selbst demjenigen aus ganzem Herzen vergeben kann, der mich tötet,
oder das mit Blick auf Gott zu ertragen, was mich tötet.

Nun werde ich, wenn es Gott gefällt, meinen Blick in den Blick Gottes, des Vaters, versenken,
um so mit ihm seine Kinder zu betrachten – so, wie er sie sieht, ganz erleuchtet von der Herrlichkeit Christi, als Frucht seines Leidens,
und erfüllt von der Gabe des Geistes, dessen geheime Freude es immer sein wird, Gemeinschaft zu schaffen und die Ähnlichkeit wieder herzustellen, indem er mit den Unterschieden spielt.
Dieses verlorene Leben, das ganz meines ist und ganz ihnen gehört – ich danke Gott, der es offenbar mit allem [was es beinhaltete] gewollt hat – ich danke Gott für diese Freude, allen Widerständen zum Trotz.

Ja, für alles soll dieses Danke sein und dieses A-Dieu (dieses Hin-zu-Gott), das du beabsichtigt hast. Möge es uns allen geschenkt sein, uns glücklich im Paradies wiederzusehen, wenn es Gott dem Vater gefällt.

Amen.«

 

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Stille

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Musik

 

2.Impuls

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Aus dem Buch der Psalmen:

»Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei (PS 124,7).

Das Netz ist zerrissen und wir sind frei. Bis in unsere Träume verfolgen uns die Stricke, die uns fesseln, die Netze, in denen wir uns verfangen haben. Wie ein Vogel möchte ich sein, der dem Käfig entrinnt, seine Flügel ausbreitet und sich über den Wolken in die grenzenlose Freiheit erhebt.

»Wie eine Brieftaube will ich sein, die man vom Urquell der Dinge in ein fernes Land getragen und dort freigelassen hat. Sie trachtet ihr ganzes Leben nach der einstigen Heimat, ruhelos durchmisst sie das Land nach allen Seiten. Und oft fällt sie zu Boden in ihrer großen Müdigkeit, und man kommt, hebt sie auf und pflegt sie, und will sie ans Haus gewöhnen. Aber sobald sie die Flügel nur wieder fühlt, fliegt sie von neuem fort, auf die einzige Fahrt, die ihrer Sehnsucht genügt, die unvermeidliche Suche nach dem Ort ihres Ursprungs.«

Wenn ich mein Leben betrachte…

–         Nehme ich mir Auszeiten, suche ich Stille und Einsamkeit, wenn der Rucksack wieder schwer zu werden beginnt?

 

–         Gönne ich mir Schlaf, nachdem ich abends meinem Gott alles Wichtige übergeben habe?

 

–         Lebe ich die Freiheit, ja zu sagen, wenn es gut und notwendig ist, aber auch nein zu sagen, um mich nicht zu überfordern?

 

–         Gehe ich neue Wege, um mich aus dem Netz der Gewohnheiten zu befreien?

 

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Stille

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Musik


3.Impuls

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Aus dem Buch der Psalmen:

»Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit allen meinen Wegen (PS 139,1-3).«

Wir machen uns kleiner, als wir sind. Wir geben uns zufrieden mit der Minimallösung.
Diese kleine Geschichte beschreibt, wie unsere Sehnsucht schrumpft:

In einer kleinen Grenzstadt lebte ein alter Mann schon 50 Jahre in dem gleichen Haus. Eines Tages zog er zum Erstaunen seiner Umgebung in das Nachbarhaus um. Reporter der Lokalzeitung sprachen bei ihm vor, um nach dem Grund zu fragen: »Ich glaube, das ist der Nomade, der Pilger in mir«, sagte er mit zufriedenem Lächeln.

—Was ist noch von der großen Sehnsucht des Nomaden übrig geblieben: ein Umzug ins Nachbarhaus?

Der Ruf in die christliche Freiheit ist viel größer. Wir sind Pilger, Menschen des Weges.   Der Weg wird Weg – im Gehen und ihm Lassen.
Schritt für Schritt gehen, trotz Dunkelheit und Zweifel.
Man muss aufbrechen und die Unsicherheit des Weges wagen.
Wer aufbricht und geht, lässt zurück und hat ein Ziel vor Augen. Der Weg ist dabei nicht das Ziel. Der Weg hat ein Ziel: frei werden für die neue Begegnung.

Die Zugvögel sagen mir, dass der Ruf Gottes ganz tief in uns lebt. Die Unruhe der Seele lässt uns aufbrechen, die Sehnsucht treibt uns weiter und im Herzen zieht es uns zu Ihm, so wie es die Zugvögel in die Heimat zieht. Die Sehnsucht ist die liebende Art Gottes, um sich bei uns in Erinnerung zu halten.

Die Sehnsucht ist der Motor meiner Gebete! Umgekehrt gilt, was der heilige Augustinus schreibt: »Durch unser Gebet soll unser Verlangen gestärkt werden.«
—Der Mensch des Gebets ist ein Mensch der Sehnsucht.

Wenn wir dem vielgestaltigen Gebet, das im Herzen von uns allen wohnt, Zeit und Raum geben, damit es Form annehmen kann, dann weckt es einen unstillbaren Durst: das Verlangen nach Begegnung, nach Liebe in Fülle. Es vermittelt jetzt schon eine Ahnung, einen Vorgeschmack der Liebe, die uns am Ende der Geschichte erwartet.

Stockwerk für Stockwerk wird so das Haus des Gebets erbaut, bis unser ganzes Leben Gebet geworden ist. »Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich: im Hause des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit des Herrn zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel (PS 27,4).«

 

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Gebet im Namen des Hl. Maximilian Kolbe
für die Opfer in Japan

Großer Gott, in deiner Kraft hat der heilige Maximilian Maria Kolbe
die Qualen des Martyriums ausgehalten
und sein Leben für den Bruder in Christus hingegeben.

Hl. Maximilian Kolbe,
sei der Fürsprecher aller von der Katastrophe in Japan Betroffenen.

Mit Schrecken sehen wir, wie die Gewalten der Schöpfung dieses Volk heimsuchen.
Mit Angst sehen wir, wie die Technologien, die wir selbst geschaffen haben, zu Tod und Leiden unzähliger Menschen werden.

Allmächtiger Gott, unsere Welt liegt allein in Deinen Händen.
Barmherziger Gott, lass die Menschen in Japan spüren,
dass Du sie in dieser schweren Zeit nicht alleine läßt.
Stärke sie in ihrem Zusammenhalt, in ihrem Mut und in ihrer gegenseitigen Hilfe.

Heiliger und Großer Gott,
sieh auf unsere Schwachheit und gib uns die Kraft,
deine Wahrheit und deine Liebe in unserem Leben und Sterben zu bezeugen.
Lass uns alle begreifen, dass wir Menschen – in allen Ländern und überall – nur gemeinsam und in gegenseitiger Rücksicht, Verantwortung und Liebe in die Zukunft gehen können.

Darum bitten wir mit dem Heiligen Maximilian Kolbe als unserem Fürsprecher
und durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.

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Stille

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Musik

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Einsetzung des Allerheiligsten

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Marienlied

Ende / Agape

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