Die Verwandlung des Jakob – die Katechesen von Benedikt XVI. (4)

In der Reihe der Katechesen über das Gebet möchte ich heute über einen Abschnitt aus dem Buch Genesis zu euch sprechen. Da geht es um einen Kampf, in den ein Unbekannter den Stammvater Jakob bei Nacht verwickelt, als er gerade den Fluss überschreiten will, um in die Heimat und in das Gebiet seines Bruders Esau zu gelangen.

Der Rivale scheint besiegt zu sein, doch dieser fragt ihn, wie er denn heiße. Darauf gibt der Patriarch seinen Namen preis und antwortet: »Jakob«. Den Namen kennen bedeutet nach biblischer Auffassung, Macht über die Person zu haben. Indem Jakob seinen Namen nennt, gibt er sich in die Hände seines Gegners.

Aber durch diese Geste der Übergabe wird Jakob paradoxerweise zum Sieger im Kampf und erhält von seinem Gegenüber einen neuen Namen: »Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen« (Gen 32,29).

In derselben Nacht stand er auf, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde sowie seine elf Söhne und durchschritt die Furt des Jabbok. Er nahm sie und ließ sie den Fluss überqueren. Dann schaffte er alles hinüber, was ihm sonst noch gehörte.

Als nur noch er allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg. Als der Mann sah, dass er ihm nicht beikommen konnte, schlug er ihn aufs Hüftgelenk. Jakobs Hüftgelenk renkte sich aus, als er mit ihm rang. Der Mann sagte: Lass mich los; denn die Morgenröte ist aufgestiegen.

Jakob aber entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest. Jener fragte: Wie heißt du? Jakob, antwortete er. Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen. (Gen 32, 23-29)

Der Name »Jakob«, der auch so etwas wie »Betrüger« bedeuten kann und an Episoden aus seinem bisherigen Leben erinnert, weicht einer neuen Identität. Nun zeigt sich, dass er mit Gott gerungen hat, und Gott hat in diesem Ringen das Negative aus seiner Geschichte ins Positive gewandelt.

Die geistliche Überlieferung der Kirche hat in dieser schwierigen Geschichte des nächtlichen Kampfes ein Sinnbild für das Gebet gesehen, insofern es ein Ringen im Glauben ist, ein Ringen der Sehnsucht, Gott zu kennen, ein Ringen, ihm näherzukommen, ihn kennenzulernen, ihm zu begegnen, ein Ringen der Beharrlichkeit.

Es geht um die Suche nach Gott, um den Kampf, seinen Namen kennenzulernen. Jakobs Streit zeigt uns die Intensität dieser Gottesbeziehung, die mit Ausdauer göttlichen Segen und eine neue Identität als Frucht von Umkehr und Vergebung erbittet. Nicht im Vertrauen auf eigene Kräfte wird der Segen Gottes gewonnen. Jakob und alle Beter empfangen ihn von Gott als ein Geschenk, das sie verwandelt.

Nun fragte Jakob: Nenne mir doch deinen Namen! Jener entgegnete: Was fragst du mich nach meinem Namen? Dann segnete er ihn dort. Jakob gab dem Ort den Namen Penuël (Gottesgesicht) und sagte: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen. (Gen 32, 30-31)

Und so will uns diese mysteriöse Geschichte einladen, auszuhalten vor dem unbekannten Gott, um ihn zu ringen, ihn nicht loszulassen, bis er uns segnet. Sie lädt uns ein, ihn durch die Kraft unserer Demut und unserer Beharrlichkeit, unserer Sehnsucht nach der Begegnung mit ihm, kennenzulernen, ihn zu sehen und von ihm gleichsam besiegt zu werden, indem er uns erneuert und verwandelt.

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