Beten mit Teresa von Avila

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Teresa von Ávila
– eigentlich Teresa Sánchez de Cepeda y Ahumada (* 28. März 1515 in Ávila, Kastilien, Spanien; † 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes, bei Salamanca) – war Karmelitin und Mystikerin, Kirchenlehrerin und Heilige. Nach dem Tod ihrer Mutter und der Heirat der ältesten Schwester wandte sich der Vater, ein gläubiger sephardischer Jude, einem weltlichen Leben mit all seinen Vergnügungen zu, und brachte Teresa mit 16 Jahren zur weiteren Erziehung in das Kloster der Augustinerinnen in Ávila. Teresa musste das Kloster nach nur 18 Monaten aus gesundheitlichen Gründen nach 18 Monaten wieder verlassen. Die nächsten Jahre blieb sie bei ihrem Vater und einem Onkel, der ihr die Lehren des heiligen Hieronymus näher brachte. Hieronymus war für das ganze Mittelalter die große Lehrautorität, besonders in Bibelfragen (Übersetzung der Bibel ins Lateinische, bekannt als Vulgata) und für das Leben in Askese und im Kloster.
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Vermutlich 1536 trat sie ohne das Wissen ihres Vaters in den Karmel von der Menschwerdung in Ávila ein, in dem zu dieser Zeit 140 Schwestern lebten. Ihr Vater akzeptierte Teresas Entscheidung schnell, für sie sei dieser Schritt aber gewesen, „als würde sie jeden einzelnen Knochen zurücklassen müssen“.

Im Jahr darauf wurde Teresa ernsthaft krank. Ihr Vater brachte sie zu einer Quacksalberin in Becedas, deren Heilungsversuche sie körperlich völlig ruinierten. Drei Jahre lang sei sie außerstande gewesen, sich zu rühren, und es wird erzählt, dass sie, schon für tot gehalten, begraben werden sollte. In dieser Zeit erlernte sie das innere Gebet, wobei ihr half, dass ihr auf dem Weg zur curandera (der Heilerin) ein Buch des Franziskanerpaters Francisco de Osuna (Tercer Abecedario Espiritual, „Drittes geistliches ABC“) in die Hände kam, das eine Einführung in diese Gebetsform enthielt. Voraussetzung für ihr Beten ist die tiefe Liebe zu Gott, die sie in ihrem berühmten Gebet „Gott allein genügt“ wunderbar zum Ausdruck bringt:

„Nichts verwirre dich,
nichts erschrecke dich,
alles vergeht.

Gott ändert sich nicht.
Die Geduld erreicht alles.

Wer sich an Gott hält,
dem fehlt nichts.
Gott allein genügt.“

Die Beziehung zu Gott bleibt das beherrschende Thema für Teresa von Avila. Ihr geistliches Leben ist ein einziger Aufruf an uns, sich nicht vor Gott zu verstecken, sondern seine Nähe immer wieder und immer mehr zu suchen; der entscheidende Schlüssel dabei ist das Beten.  Teresas ganzes Leben ist ein großes Gespräch mit Gott…

„…ein im Dunkel geführter Dialog, der unter höchster Anspannung aller Seelenkräfte bald rauschend und überschäumend, bald stockend und mühsam verläuft.“

Nach der teilweisen Wiederherstellung ihrer Gesundheit nahm Teresa – von der Klosterleitung unterstützt – wieder am regen Umgang mit den Besuchern des Klosters in den Sprechzimmern teil, litt darunter aber sehr, weil sie sich weder dem weltlichen Leben noch dem in Gott zugehörig fühlte.

1554 sah Teresa eine Darstellung des leidenden Christus und wurde dadurch so angerührt, dass sie damit zu ihrer „endgültigen Bekehrung“ fand. In radikaler Selbstaufgabe wollte sie künftig nur noch in Christus leben, ein Wunsch, der in ihrer Gemeinschaft nur schwer aufgenommen wurde. 1560 erlebte Teresa Visionen der Hölle, die ihren Wunsch nach vollkommener Hingabe noch verstärkten.

In ihrer Schrift »Die innere Burg« (1577) erzählt Teresa ihre mystische Gotteserfahrung und Reflexion. Über das Bild der Seelenburg beschreibt sie 7 zum Zentrum hinführende Gemächer oder Wohnungen, von denen die ersten drei dem asketischen, aktiven Bereich des Betens zugerechnet werden. Das passive Gebet setzt in der 4. Wohnung mit der inneren Sammlung ein. Es führt über das Ruhegebet, die Einheit mit Gott (unio mystica) und das Verlöbnis zur 7. Wohnung, das ist die »geistliche oder göttliche Hochzeit«: Die Seele schaut Gott.

Gegen viele Widerstände erhielt Teresa schließlich von Papst Pius IV. und dem Ortsbischof die Erlaubnis, in Ávila ein eigenes Kloster, das der Unbeschuhten Karmelitinnen, zu gründen, in dem die ursprüngliche Ordensregel wieder befolgt werden sollte. Zugleich legte Teresa fest, dass in einem Karmel nicht mehr als 21 Schwestern leben sollten. Der ersten folgten noch 16 weitere Klostergründungen, in Zusammenarbeit mit Johannes vom Kreuz insgesamt 32, wie sie in ihrem Buch der Gründungen berichtet.

Teresa gilt als große Mystikerin von unerreichter Tiefe des Erlebens. 1614 wurde sie selig gesprochen, 1617 zur Schutzpatronin von Spanien ernannt und 1622 heilig gesprochen. 1970 ernannte Papst Paul VI. sie zur Kirchenlehrerin.

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siehe auch >>>+ Eine Lehre vom Beten, inspiriert von Teresa von Avila

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Buchtipps:

Teresa von Avila begegnen (aus der Reihe Zeugen des Glaubens), Maria Antonia Sondermann, Sankt Ulrich Verlag (2007)

Aus der Quelle schöpfen, Das innerliche Gebet nach Teresa von Avila, Peter Dyckhoff, Don Bosco Verlag (2002, 2. Auflage)

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3 Gedanken zu “Beten mit Teresa von Avila

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