Beten mit Johannes vom Kreuz (Juan de la Cruz)

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johannes-vom-kreuz-127Johannes vom Kreuz (spanisch Juan de la Cruz, eigentlich Juan de Yepes Álvarez) (* 24. Juni 1542 in Fontiveros bei Ávila, Kastilien, Spanien; † 15. Dezember 1591 im Kloster in Úbeda) war Mönch, Dichter, Mystiker, Heiliger und Kirchenlehrer. Juan de la Cruz trat 1560 in den Orden der Karmeliten ein. Er studierte in Salamanca die Theologie der Kirchenväter und vor allem die Auslegung der Bibel. Je länger desto stärker wurde ihm der verwahrloste Zustand seines Ordens zum Ärgernis.

1567 begegnete er Teresa von Avila, die ihn für ihre Reformpläne des Karmelitenordens gewann. Damit begann eine lebenslange innig-geistliche Beziehung zwischen den beiden, in der sie leidenschaftliche Sehnsucht nach Gott, nach der Erfahrung seiner Nähe bis in ekstatische Ur-Erlebnisse hinein teilten; ihr Briefwechsel ist leider nicht erhalten.1568 gründete Johannes vom Kreuz als Juan de la Cruz das Männerkloster der »unbeschuhten Karmeliten« in Duruelo, dessen Lebensregel ein Spiegel seiner asketischen Frömmigkeit und ekstatischen Gotteserfahrungen wurde:

»Verlange nichts als das Kreuz, und zwar ohne Trost, denn das ist vollkommen … Verzichte auf deine Wünsche, und du wirst erlangen, was dein Herz begehrt« (Ges. Werke, Bd. V, S. 61, 135).

Fortan setzte er wie Teresa alle Kraft für die Reform seines Ordens ein, geriet damit aber in Gegensatz zur Gruppe der »beschuhten Karmeliten«, die ihn zunehmend als Bedrohung empfanden; am 3. Dezember 1577 ließen sie ihn mit Gewalt in ihr Kloster Toledo entführen, in dessen Kerker er grausamen Quälereien ausgesetzt wurde, bis ihm nach vielen Monaten die Flucht gelang. Diese Kerkerzeit wurde für ihn zur eigentlichen Mitte seiner Gotteserfahrung. In der Gefangenschaft erlebte er nicht nur die Dunkelheit des Verließes, sondern auch die Dunkelheit der Seele. Doch inmitten dieser Dunkelheit erstahlte ihm plötzlich das Licht der Gottesliebe so leuchtend, wie niemals zuvor. Diese intensive Gottesliebe fand verstärkt Ausdruck in seiner visionär-mystischen Dichtung, die er von 1578 an ausführlich kommentierte; so entstanden seine Hauptschriften, an denen er trotz erneuter Verleumdungen und Verfolgung und trotz aller Beanspruchungen durch seine Ämter im Orden bis an sein Ende arbeitete.

Du nimmst mir ja nicht weg, mein Gott, was du mir in deinem einzigen Sohn Jesus Christus einmal gegeben hast; und in ihm hast du mir alles gegeben, was ich mir überhaupt wünschen kann.

Mein sind die Himmel und mein ist die Erde; mein sind die Völker, die Gerechten sind mein, und mein sind die Sünder;

die Engel sind mein und die Mutter Gottes ist mein und alle Dinge sind mein, und Gott selbst ist mein und für mich, denn Christus ist mein Ein und Alles für mich.

Was ersehnst und suchst du also noch, meine Seele? Dein ist all dies, und alles ist für dich.

Die päpstliche Anerkennung seines Ordens der »unbeschuhten Karmeliten« 1593 erlebte er nicht mehr; im Dezember 1591 starb er im Kloster Ubeda. 1675 wurde er selig- und 1726 heiliggesprochen; seit 1926 gilt er als »Doctor Ecclesiae«.

Im Herder Verlag sind die „vollständigen Neuübersetzungen“ erhältlich.

siehe auch Ökumenisches Heiligenlexikon

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Anmerkung:

Der zum Katholizismus konvertierten Jüdin Edith Stein war die »Kreuzeswissenschaft« des Johannes vom Kreuz eine entscheidende Motivation dafür, den Weg in die ihr und ihrem jüdischen Volk bereitete Auschwitz-Qual zu gehen. »Erst wenn die Seele in tiefster Erniederung förmlich zu nichts geworden ist, kommt ihre geistige Vereinigung mit Gott zustande. …Diese besteht einzig in einem Kreuzestod bei lebendigem Leibe…« (E. Stein, Band 1 ihrer gesammelten Werke, Freiburg 1954, S. 27).

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