Anbetung Teil 1 – J.d.Rosaire

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„Bevor ich meinen letzten Atemzug tue, der erlöschen wird,
werde ich eine Feuerflamme hinterlassen,
die nicht verlöschen wird.
Mein Leben geht dem Ende zu, doch das nur scheinbar.
Meine Mission, Anbeter zu suchen, wird erst beginnen.“

Julienne du Rosaire (*23. Mai 1911 †6. Januar 1995) wächst in einer christlichen Familie auf. Bei ihrer Erstkommunion, mit fünf Jahren, erfährt sie die Gegenwart Jesu in der Eucharistie. Mit zwölf Jahren, als sie das Evangelium der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen betrachtet, wird sie ergriffen von Jesu Wort (Joh 4,23): „Die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.“

Julienne spürt eine Berufung zum Ordensleben. Dreimal kehrt sie nach Hause zurück, weil ihre Gesundheit zu schwach ist. Diese Rückschläge beantwortet sie damit, dass sie sich – obwohl sie Gottes Wege nicht versteht – umso mehr dem Willen Gottes anvertraut. Die Vorsehung lässt Julienne einem Priester begegnen, der das Charisma der Unterscheidung besitzt und sie in ihrer Ordensberufung bestärkt. Sie wird Dominikanerin und gründet 1945 die Dominikaner-Missionarinnen von der Anbetung.

Mutter Julienne lebt fortan für die Anbetung mit dem brennenden Verlangen, Anbeter zu finden, die den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten – denn so will der Vater angebetet werden. Als Botschafterin der eucharistischen Liebe hinterlässt sie uns folgende Worte:

Meine letzte Botschaft sei eine dringende Einladung zur häufigen Kommunion und zur Anbetung. Denn mein Traum ist es, dass es priesterliche Anbeter gebe, anbetende Pfarreien, eucharistische Familien, anbetende Gemeinschaften, Generationen von Anbetern und Anbeterinnen.

Bemühen wir uns unser Leben in die Messe zu legen und die Messe in unser Leben. So werden wir unsere Taufberufung, unser königliches Priestertum Wirklichkeit werden lassen. Wir werden Gott, dem Vater, die geistliche Verehrung schenken, die ihm gebührt, und wir werden die Anbeter im Geist und in der Wahrheit vervielfachen (aufgezeichnet von Sr. Francoise Guillot, o.p. Vize-Postulatorin).

Als sie am Tag der Erscheinung des Herrn (Dreikönig), am 6. Januar 1995, stirbt, gelten ihre letzten Gedanken den suchenden Menschen, die wie die drei Sterndeuter unterwegs sind, um Jesus zu finden. Alle, auch die fernsten, möchte Mutter Julienne zum Licht der Völker, zu Jesus in der Eucharistie, führen, wo sie mit Jesus zu Anbetern des Vaters werden. Kardinal Ouellet von Quebec eröffnete den Informationsprozeß für eine kommende Seligsprechung Mutter Juliennes.

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Mutter Julienne du Rosaire hat uns Texte hinterlassen, die uns ihr Verständnis der Anbetung sehr nahe bringen. Dies ist der Anfang einer kleinen Serie, die eine geistliche und praktische Hilfe für alle sein möchte, die Zugang zu Abenden der Barmherzigkeit suchen.

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I. Mein Vater will angebetet werden

Das Evangelium über die Sameriterin

lm Alter von etwa 12 Jahren lernte ich das Evangelium über die Samariterin kennen.

„Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Joh 4,21-24).

Dieses Wort hat mich ergriffen: „Mein Vater will angebetet werden“.

Dieses Wort stieg in mir auf während meiner Besuche beim Allerheiligsten Altarsakrament, ich kam darauf zurück bei meiner Danksagung. Es war mir, als hätte ich das Herz Christi durchbohrt, Seinen Wunsch wahrgenommen, dem Vater Anbeter zu schenken und Seine Bitte verspürt, lhm dabei zu helfen.

Wer sind diese Anbeter? Schließlich verstand ich, dass Christus der Anbeter ist, dass die Anbeter im Geist und in der Wahrheit diejenigen sind, die mit ihm gemeinsam anbeten, die in Sein Herz eintreten und mit Seinen Gefühlen dem Vater gegenübertreten. Versucht man, aus sich selbst heraus anzubeten, sich den guten Gott vorzustellen, Seine Größe, Seine Güte, Seine Barmherzigkeit, so versteht man nichts. Aber Christus ist Gott, er versteht alles, er weiß, wer Gott ist: Deshalb ist Sein Anbeten vollkommen.

Zwei Arten der Anbetung

Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass es zwei Arten der Anbetung gibt:

  1. Man betet den im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtigen Christus an; der Lobpreis richtet sich vor allem an unseren Herrn Jesus Christus.
  2. Ich habe erkannt, dass Anbeter im Geist und in der Wahrheit, nach denen Christus verlangt, jene Seelen sind, die sich ganz der Anbetungshaltung hingeben, dabei in Sein Herz eintreten, in das Innerste Seines Herzens, Seiner Gefühle, – und die sich in Seinem Anbeten des Vaters verlieren.

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zu Teil 2 der eucharistischen Anbetung

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Quelle: Mutter Julienne du Rosaire, „Anbetung – Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm“ erhältlich beim Miriam-Verlag, D-79798 Jestetten, www.miriam-verlag.de (s.unter Gebetbücher).
Übersetzung aus „L’Adoration“. Les Editions du Cénacle. Les Dominicaines Missionnaires Adoratrices; 131 Rue des Dominicaines, Québec, Canada G1E 658, Approbation ecclésiastique le 12 mai 2008. http://op-dma.com .

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