Anbetung Teil 3 – J.d.Rosaire

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IV. Anbeten in der Gegenwart des Allerheiligsten Sakramentes heißt Anbetung in der Verlängerung der Messe

Warum das Allerheiligste Sakrament aussetzen?

Warum setzt unsere Mutter, die heilige Kirche, das Allerheiligste Sakrament aus? Sie tut dies aufgrund der Anziehungskraft des Fleisches des Leibes Christi, dessen sichtbares Zeichen die Hostie ist. Je mehr man sich diesem Zeichen nähert, desto mehr erfährt man die Anziehung des Leibes Christi, desto mehr befindet man sich im Strahlfeld seiner Macht. Wir sind so geschaffen, dass wir sinnlich wahrnehmbare Zeichen brauchen. Und weil die Hostie das wahrnehmbare Zeichen der Gegenwart Christi ist, ist es notwendig, dass wir die Hostie sehen, um in unserem ganzen Wesen, bis an dessen Außengrenzen, bis zur Hülle, die unser Fleisch ist, sensibilisiert zu werden.

Leben wir unsere Anbetung in der Verlängerung der heiligen Messe!

Während der Anbetung befinden wir uns Christus gegenüber, der sein Fleisch und sein Blut in Händen hält und der sich im Geist der Anbetung seinem Vater hinschenkt – mit allen Gliedern seines mystischen Leibes. Unsere Anbetung fließt in seine hinein, es ist eine Anbetung im Herzen dessen, der sich seinem Vater hinschenkt und der sich im Geist der Anbetung zum Opfer darbringt.

Zu Beginn unserer Anbetung formulieren wir unsere Absicht

Denke ich während der Anbetung daran, im Herzen Jesu anzubeten? Eine gute Gewohnheit ist es, zuerst durch eine tiefe Verneigung [vor dem AllerheiIigsten Sakrament] sich in die Anbetung Christi zu versenken. Dies sei ein Sprung in das Herz Jesu, um in ihm anzubeten. Wenn man sich diese Gewohnheit zu eigen macht, wird uns diese Absicht in die Anbetung Christi eintauchen lassen. Auch wenn wir noch so zerstreut sind, wird dieser Anfangsakt seine Wirkung haben.

Es geht darum, unsere Absicht in einfachen Worten auszudrücken, indem wir zum Beispiel sagen:

Herr Jesus, in Deinem Herzen und durch Dein Herz möchte ich diese Zeit der Anbetung verbringen.

Beten wir im Namen der Gemeinschaft, der Kirche und der Welt

Während der Anbetung stehen wir stellvertretend für die Gemeinschaft, für die Kirche und für die Menschheit vor Gott. Wir füllen die Rolle Christi aus, des vollkommenen Anbeters, der seinem Vater das ganze Universum darbringt, in einem ihm gebührenden Lobgesang der Anbetung und des Lobpreises, und insbesondere in seinem auf dem Altar fortbestehenden Opfer.

Bemächtigen wir uns der Gefühle Christi, nehmen wir die Welt und werfen wir sie in sein Herz, in sein Opfer, das sich über die ganze Welt hin vergegenwärtigt. Möge die Welt durch uns in der Anbetung sein!

Das oben angeführte Beispiel für ein Gebet kann folgendermaßen fortgeführt werden:

Herr Jesus, in Deinem Herzen und durch Dein Herz möchte ich diese Zeit der Anbetung verbringen – im Namen meiner Familie, meiner Pfarrgemeinde, der Kirche und der ganzen Welt.

Beten wir Christus an, dann beten wir durch Ihn

Bevor wir in ihm anbeten, beten wir zuerst ihn an, dieses lebendige Heiligtum des vollkommenen Lobpreises und der Anbetung des Vaters: das Herz Christi. Wir können nicht anders, als uns in seine Gegenwart zu versetzen, mit einem Gefühl und einer Geste der Ehrfurcht, der Anbetung.

Dann versenken wir uns in seine Anbetung mit außordentlicher Ehrfurcht, und – da dieser lebendige Tempel der heiligen Menschheit Christi mit der Gottheit vereinigt ist – verlieren wir uns in seine Gefühle der Anbetung seinem Vater und der Dreifaltigkeit gegenüber. Wenn wir erfasst haben, inwieweit wir vor seiner Menschheit ein Nichts sind, lassen wir uns durch den Heiligen Geist, den Geist Christi, erfassen, um in ihm, mit ihm und durch ihn Anbeter des Vaters und der Dreifaltigkeit zu werden.

Beten wir an im Hauch des Heiligen Geistes

Mit Christi Gefühlen, im Hauch des Heiligen Geistes, lasst uns zu Gott sprechen: „Vater“. Dann lasst uns unsere Nichtigkeit vor seiner Majestät, vor seiner Schönheit eingestehen …, denn das ist die Anbetung. Vielleicht haben wir nichts zu sagen, vielleicht haben wir nichts im Geist, aber wir geben uns hin, übergeben uns dem Hauch des Heiligen Geistes, bleiben da, scheinbar ohne etwas zu tun, und lassen uns mitreißen durch Jesus, den vollkommenen Anbeter des Vaters.

Die Anbetung, ein Schweigen des ganzen Wesens

Das Schweigen dient der inneren Sammlung, dem Gebet, dem Lobpreis, der Anbetung… Die Anbetung selbst ist auch ein Schweigen, es ist das Schweigen des ganzen Wesens angesichts der göttlichen Majestät. Es ist schließlich die Anbetung Christi, in die wir eintauchen.

Ich füge noch hinzu, dass es eine liebende Anbetung ist, da wir uns doch durch den Liebesakt Christi tragen lassen. Versuchen wir, so tief wie möglich in das Herz Christi einzutauchen, der sich vor seinem Vater ganz zurücknimmt: Die Anbetung Christi als Sohn — diese sollten wir zu der unseren machen! Besingen wir schließlich in ihm den Ruhm des Vaters. Wie sehr erfordert dies eine Atmosphäre des inneren und äußeren Schweigens!

In der Anbetung hat man nur eines im Blick

Christus ist Gott, er ist der Sohn Gottes, doch er betet mit uns seinen Vater an. Dies müssen wir so gut wie möglich zu verstehen versuchen: Und wir müssen versuchen, so tief wie möglich in sein anbetendes Herz einzugehen. Wie soll man dies tun?

Die Anbetung ist Hingabe seiner selbst in Liebe. Die Anbetung ist der Höhepunkt der Liebe, sie ist der stärkste Ausdruck der Liebe, denn sie ist das vollständige Vergessen seiner selbst.

In der Anbetung fällt man nicht auf sich selbst zurück, um Gnaden zu erbitten, um für bestimmte empfangene Gnaden zu danken, um seine Sünden zu sühnen oder um für seine Fehler zu büßen. Nein, in der Anbetung hat man nur eines im Blick: Gott, seine Größe, seine Schönheit, seine Macht und seine Liebe: Gott, so wie er ist…

Die Anbetung ist ein sich Verlieren angesichts Gottes; es ist ein Eingeständnis der eigenen Nichtigkeit angesichts Gottes, indem man sich selbst vor Gott vergisst; es ist deshalb die vollkommene Hingabe seiner selbst.

Uns in das Opfer Christi hinein zu verlieren – dieser Höhepunkt unseres christlichen Lebens ist für uns schwierig zu begreifen. Wenn wir uns in der Anbetung zu seinen Füßen befinden, wenn wir ihn als das fleischgewordene Wort Gottes anbeten, dann tun wir dies, um in seine Gefühle einzutreten, in sein Liebeslied mit einzustimmen, in sein Betrachten des Vaters und der Dreifaltigkeit.

Unser Herr hat sich in seine eigenen Hände genommen, sich dem Vater dargebracht und gesagt:

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (vgl. 1 Kor 11,25)

Wenn wir uns zu Füßen der Hostie befinden, dann lasst uns gemeinsam [mit ihm] den Vater rühmen, gemeinsam seine Herrlichkeit besingen, uns gemeinsam zum Opfer anbieten und darbringen!

Nachdem wir ihn als das fleischgewordene Wort angebetet haben, nachdem wir versucht haben, uns mit ihm zu vereinen, wollen wir uns in sein Opfer, in seine Opfergabe hinein verlieren. Welch eine Anbetung! Es ist die Anbetung der Kirche Christi…

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zu Teil 4 der eucharistischen Anbetung

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Quelle: Mutter Julienne du Rosaire, „Anbetung – Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm“ erhältlich beim Miriam-Verlag, D-79798 Jestetten, www.miriam-verlag.de (s.unter Gebetbücher).
Übersetzung aus „L’Adoration“. Les Editions du Cénacle. Les Dominicaines Missionnaires Adoratrices; 131 Rue des Dominicaines, Québec, Canada G1E 658, Approbation ecclésiastique le 12 mai 2008. http://op-dma.com .

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