Unser Weg durch die Wüste (iv) Jesus

 

Jesus

Gott tut den ersten Schritt, das Unmögliche zu vollbringen. Er ist ja der Gott, der Unmögliches möglich machen kann. Auf seinem Weg zu Gott konnte der Mensch diesen Schritt nicht tun. Deshalb kommt Gott ihm entgegen, lässt sich zu ihm herab.

Damit der Mensch eintreten kann in die göttliche Familie, wird Gott ein Glied der Menschenfamilie. Gott hat die Natur des Menschen angenommen. Er wollte aus einer Jungfrau geboren werden, damit wir seiner göttlichen Natur teilhaftig würden. Der Graben zwischen Gott und Mensch ist somit ganz aufgefüllt – durch die Menschwerdung Gottes! Der Sohn steigt herab zu uns: Jesus. Der Unsichtbare wird sichtbar, der Unberührbare berührbar in Jesus!

Was da geschehen ist, müsste uns bestürzen und betäuben: so unglaublich ist das, dass man fast Zweifel daran haben muss. Wir brauchen uns gar nicht zu wundern, wenn die Menschen Bestürzung und zweifelndes Staunen ergreift. Wir müssten uns nur wundern, wenn dem nicht so wäre.

Es braucht starken Glauben, um wirklich anzunehmen, dass Gott Mensch geworden ist. Der Vater selbst muss uns offenbaren, dass Jesus der von ihm Gesandte ist. Ganz klein und demütig müssen wir werden, um das alles zu begreifen. Diskutieren nützt gar nichts: Die Menschen müssen liebend suchen; dann werden sie finden.

Jeder von uns hat seine Geschichte. Jeder muss geduldig seinen eigenen Weg gehen früher oder später treffen Geschichte und Weg auf Weg und Geschichte Jesu. Dann kommt der Augenblick der Entscheidung. Ich muss ja oder Nein sagen. Eines ist sicher: solange wir Jesus nicht angenommen haben und bezeugen als Sohn Gottes, fehlt etwas in und an unserem Leben. Es bleiben Schatten in der Sonne unseres Lebens, es bleiben Sehnsucht und Unruhe.

Wenn du jemanden triffst, der sagen kann, dass er echtes Leben und Frieden ohne Jesus gefunden hat, dann komm und sage es mir! Ich habe bislang noch niemanden gefunden.

Ich begann in dem Moment Gott kennen zu lernen, in dem ich Jesus als die Wahrheit angenommen habe. Ich habe Frieden gefunden, als ich mich bemühte, ihm ganz nahe zu kommen. Wahre Freude ist mir zuteil geworden, als ich erkannte, welche Gabe er darbietet: Ewiges Leben.

Jesus ist Erlöser

Jesus ist aber nicht nur der Offenbarer des Vaters. Für meine Schwachheit und meine Sinnlichkeit bedeutete das noch nicht viel. Jesus ist vor allem mein Erlöser.

Auf meinem Lebensweg bin ich zu einem unfähigen Nichts geworden. Ich konnte überhaupt nicht mehr gehen. Mit all meinen Bosheiten fiel ich Himmel und Erde zur Last. Welche Sünde gibt es, die ich nicht begangen habe – oder hätte, wenn die Gelegenheit dazu gewesen wäre?

Da ist Er wie der gute Samariter herabgestiegen vom Pferd, ist eingetreten zu mir, hat das fließende Blut gestillt. Ohne Ihn wäre ich gestorben. Jesus ist das Sakrament, die Ursache meines Heils geworden. Er bewahrte mich vor Hölle und Untergang, die ich mir selbst bereiten wollte. Er wäscht mich rein im Wasser der Taufe, schenkt mir in der Firmung seinen Geist, stärkt mich mit seinem Brot und seinem Wort. Vor allem aber hat er vergeben und vergessen, will sich nicht mehr meiner Vergangenheit erinnern.

Wenn ich wieder einmal anfange, meine Vergangenheit zu beklagen, tritt er zu mir und legt mir sanft die Hand auf den Mund. Seine einzige Sorge war ja, dass ich noch einmal aufzustehen vermöchte, dass ich mich auf den Weg begäbe trotz meiner Schwäche. Ich wollte weiterhin an seine Liebe glauben, obwohl mich Furcht und Ängste bedrücken.

Vor allem aber hat Er eines getan, dass jedes Maß überschreitet, etwas, was nur eine Gottheit tun kann. Wie viele Menschen zweifle ich an meinem persönlichen Heil, halte es nicht für möglich, dass meine Sünden vergeben werden können. Ich denke dabei in den Kategorien von Gerechtigkeit.

Da geht er ans Kreuz, an jenem denkwürdigen Freitag. Ströme des Blutes aus seinen offenen Wunden übergießen mich. Drei Stunden bleibt Jesus am Kreuz, dann stirbt er. Er ist gestorben damit ich nicht mehr nach Gerechtigkeit frage, sondern erkenne, dass die Liebe alles aufgehoben hat. Für alle Zeiten ist er der Sieger, zieht alles und alle an sich.

Damit mir das Kreuz nicht nur als Bild bleibt, das mein Gebetbuch ziert, hat Jesus die Eucharistie hinterlassen. Unter dem Zeichen des Sakrament ist er jeden Tag da, erneuert das Kreuzesopfer und wird selbst das lebendige Opfer seiner Braut, der Kirche. Jesus ist wahre und ewige Opfergabe im Angesicht der Majestät des Vaters.

Aber das ist noch nicht alles. Das Brot ist mir nicht nur Hinweis auf das Opfer, die Eucharistie nicht nur der Anfangspunkt eines langen Tages. Jesus bleibt im Brot bei uns, ist wie die Wolke, in der Gott sein Volk auf dem Weg begleitete, wie das Dunkel, dass das Allerheiligste des Tempels erfüllte.

Ich muss gestehen, dass ich den Tag, an dem mir die ständige Nähe Jesu in der Eucharistie so recht aufging, als besonderen Gnadentag in Erinnerung behalte. Von da an führte mich Jesus auf der Straße seiner nächsten Nähe und seiner Freundschaft. Mir ist aufgegangen, warum er uns so nahe sein will.

Jesus ist ja nicht nur Brot, sondern auch Freund. Ein Haus ohne Brot ist kein Haus. Herrscht keine Freundschaft darin, dann ist es von keinem Wert. Unter dem Brot der Liebe und Freude begegnet mir Jesus mit seiner Freundschaft. Ich habe gelernt, viele Stunden bei ihm zu bleiben und auf die Stimmen zu hören, die aus dem Abgrund des ewigen Seins zu mir dringen, das Licht zu schauen, das uns vom unfassbaren Licht Gottes her zukommt. Ich verstehe jetzt warum die Heiligen so gerne vor diesem Brot verweilt sind – in Gebet, Anbetung und Liebe!

Jesus bezeugt das ewige Leben

Jesus hat aber noch mehr getan. Nicht nur als Erlöser ist er gekommen, das hätte ihm noch nicht genügt, seine ganz von Liebe getragene Sendung zu erfüllen. Er ist auch gekommen und das zu bezeugen, was er ewiges Leben nennt. Was ist dieses ewige Leben?

»Das aber ist das ewige Leben, dass sie dich, denn allein wahren Gott erkennen, und den du gesandt hast, Jesus Christus« (JOH. 17,3).

Ewiges Leben ist also in erster Linie Erkenntnis: Wir erkennen den Vater, erkennen Jesus. Es handelt sich um keine äußere Erkenntnis von etwas, das wir uns schon irgendwie vorstellen konnten. Eine echte, übernatürliche Erkenntnis ist es, eine Erkenntnis, die von gleicher Art ist wie jene, die wir einmal haben werden, wenn der Schleier fällt und wir Gott sehen von Angesicht zu Angesicht. Wir werden Gott erkennen, wie er ist, nicht, wie er erscheint oder wie man sich ihn vorstellen könnte. Eben dies ist eine Erkenntnis jenseits der Dinge, das Geheimnis der Nähe zu Gott und des betrachtenden Gebetes.

Jesus, der uns das ewige Leben schenkt, schenkt uns die Erkenntnis des Vaters, während wir noch Menschenkinder sind. Aber auch um die Erkenntnis Jesu geht es. Wir werden nie hinreichend ausdrücken können, was das heißt – „Jesus erkennen!“ Jesus ist die Brücke zwischen Himmel und Erde, zwischen Sichtbarem und Unsichtbaren. Jesus ist nach dem Willen Gottes das Haupt aller Erlösten, der Erste unter den Schwestern und Brüdern. Er stellt den ursprünglichen Plan des Vaters wieder her. Er ist der, vor dem sich jedes Knie beugt im Himmel, auf Erden und unter der Erde. Jesus ist die Mitte von Schöpfung und Geschichte.

Er ist unser Heil. Jesus ist die Sonne des unsichtbaren Gottes, das Feuer seiner Liebe. Er ist der Heilige Gottes, der wahre Anbeter, der ewige Hohepriester, der König der Zeiten: Jesus ist die Ehre Gottes.

Dieser Jesus ist unser Bruder. Als solcher ist er uns nahe und zeigt uns den Weg, den wir gehen müssen, um zum unsichtbaren Gott zu gelangen. Er drückt für uns vorstellbar aus, was unsichtbar ist, handelt als Mensch so, wie Gott handeln würde. Er bringt den „Lebensstil“ Gottes zu uns. Das alles ist Frohbotschaft.

Jesus tut und sagt alles so, wie es Gott tun und sagen würde. Was er sagt, hat er vom Vater sagen hören. Das Evangelium auf Erden leben meint, das Leben der Heiligen im Himmel zu führen. Das Evangelium ist alles.

Dies ist das wahre Vorbild, hat die Vollkommenheit Gottes zum Inhalt: Jesus lebt sie vor. Für den Christen sollte es kein anderes Buch geben, an dem er sich orientiert, kein anderes Vorbild, an das er sich hält.

Das Evangelium ist eine lebende Person: Jesus.

Wenn es im Evangelium heißt, man solle die Armut mehr lieben als den Reichtum, so heißt das, dass eben dies der Ansicht Gottes entspricht. Die Frohbotschaft redet von Vergebung und Barmherzigkeit. Das bedeutet, dass Gott so handelt und es will – und dass auch wir so leben sollen. Das Evangelium preist das Leben der Armen und Arbeitenden, der einfachen Menschen. Mit anderen Worten: Gott will uns als seine Kinder armen und einfachen Sinnes haben.

Im Evangelium ist von Auferstehung die Rede. Deshalb dürfen wir nicht daran zweifeln. Das Evangelium sagt, es sei besser, ohne Auge oder Arm ins Himmelreich zu gelangen als unversehrt in die Hölle. Deshalb sollten wir nicht so sehr auf unser äußeres Sosein achten, sondern in erster Linie unser Heil im Auge haben.

Wenn dasselbe Evangelium sagt, wir seien Kinder Gottes – dürfen wir daran zweifeln? Sollten wir nicht Frieden und Freude daraus schöpfen?

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zum Abschnitt (6) >>> Der russische Pilger

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